«Die Welt brennt. Wann helft ihr?»
Eine Analyse von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 17.01.2012 163 Kommentare
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«Sprich sanft, aber trag einen dicken Knüppel mit dir», sagte einst der amerikanische Präsident Theodore Roosevelt. Die Aussage ist zu einer der bekanntesten Maximen der US-Aussenpolitik geworden. In der globalisierten Welt der 1990er-Jahre wurde sie leicht modifiziert. «Sprich sanft, aber trag einen dicken Geldbeutel mit dir», sagten nun die Spötter. Tatsächlich hat das Trio Alan Greenspan, Robert Rubin und Larry Summers – bekannt auch als «Komitee zur Rettung der Welt» – mit dieser Methode zuerst die Mexiko-Krise entschärft, dann die asiatische Grippe besiegt und schliesslich Russland vor dem Staatsbankrott bewahrt.
Verelendungsspirale in Europa
Damals waren die Vereinigten Staaten die unbestrittene Supermacht, die US-Wirtschaft erlebte den längsten Boom ihrer Geschichte, und in den Staatskassen stapelten sich die Überschüsse. Die USA mussten ihren dicken Geldbeutel gar nie zücken. Sie mussten der Welt bloss glaubhaft versichern, dass sie es, falls nötig, auch tun würden. Das reichte bereits, um die aufkommende Panik wieder in den Griff zu bekommen und die Krisen zu bewältigen.
Heute zeichnet sich in Europa eine wirklich bedrohliche Verelendungsspirale ab. In Griechenland, Portugal und Irland wird ein Staatsbankrott immer wahrscheinlicher. Jetzt frisst sich die Krise ins Herz von Europa. Italien und Spanien sind bereits von der Finanzseuche erfasst. Frankreich, Belgien und Österreich sind wahrscheinlich angesteckt. Die jüngsten Herabstufungen der Ratingagenturen könnten wieder sehr unruhige Wochen auf den internationalen Finanzmärkten zur Folge haben.
Ohne Marshallplan kein Wirtschaftswunder
In der «Financial Times» erinnert Gideon Rachman an Europa im Jahr 1947. Damals war Griechenland wie heute am Rande einer Staatspleite und eines Bürgerkrieges. Die USA reagierten prompt. Sie lancierten wenige Wochen später den legendären Marshallplan, der heute noch als wirtschaftspolitischer Geniestreich gefeiert wird. Ohne Marshallplan wäre das europäische Wirtschaftswunder der 1950er-Jahre nicht möglich gewesen.
Auf eine solche wundersame Hilfe aus Übersee zu hoffen, ist heute illusorisch. Der Geldbeutel der Amerikaner ist leer, und die Chinesen sind noch weit davon entfernt, die Rolle des reichen Onkels zu spielen. Nur Deutschland hätte derzeit die Möglichkeit, die Verelendungsspirale zu stoppen. Es verfügt über beides, das internationale Prestige und die ökonomische Potenz.
Der italienische Premierminister hat sich deshalb erneut in einem Appell an Berlin gewandt. Deutschland habe die ökonomische Diskussion gewonnen, sagte er. Alle würden jetzt einsehen, dass mehr Disziplin beim Sparen wichtig sei. Doch diese Bemühungen müssten jetzt auch von Deutschland honoriert werden. «Wenn die ernsthaften Bemühungen nicht anerkannt werden und eine gewisse Annäherung in finanziellen Angelegenheiten erfolgt, dann wird es einen gewaltigen Rückschlag in den Ländern geben, die jetzt einer harten Disziplin unterworfen werden.»
Die erblich bedingte Inflationshysterie überwinden
Mit «gewissen Annäherungen in finanziellen Angelegenheiten» spielt Monti klar auf Eurobonds und die Rolle der Europäischen Zentralbank als Kreditgeberin in letzter Instanz an. Beides wird von Angela Merkel bisher vehement abgelehnt.
Wenn heute Deutschland mit sanfter Stimme vernünftig sprechen würde, dann müsste es seinen dicken Geldbeutel wahrscheinlich gar nicht zücken. Es müsste bloss seine erblich bedingte Inflationshysterie überwinden und eine zeitgemässe Wirtschaftspolitik anstreben. Dazu scheinen Angela Merkel und Co. nicht in der Lage zu sein. Rachman zitierte einen frustrierten hohen Beamten des Pentagons wie folgt: «Ich habe meinen deutschen Kollegen kürzlich gefragt: ‹Die Welt brennt. Wann helft ihr?› Er hat bloss mit den Achseln gezuckt.»
Erstellt: 17.01.2012, 16:19 Uhr
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163 Kommentare
Man kann nicht so viel Geld von einem Land, in den man mit 67 in Rente geht, in eines schicken, in dem man mit 55 voll in Rente geht. Da fühlt sich der Bürger im Geberland ausgenutzt. Wenn Transferunion, dann werden im Süden alle Renten (auch laufende!) neu auf Rentenalter 67 berechnet (meinetwegen mit einer Minimalrente, um die 10 oder 20% Härtefälle zu verhindern). Erst dann gibts' Geld aus D. Antworten
Wusste gar nicht, dass D einen dicken Geldbeutel hat. Ist es nicht vielmehr so, dass D als Erster die Maastrichter Kriterien brach? Die Kassen der Bundesländer, Städte und Gemeinden sind gähnend leer. Es besteht ein gigantischer Unterhaltsbedarf in der Infrastruktur. Da ist es politischer Selbstmord, Mittel in die Länder zu schicken, die über ihre Verhältnisse gelebt haben! Antworten
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