Die Tiefpreisinsel Schweiz
Von Angela Barandun. Aktualisiert am 12.02.2010
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Computer-Markt schrumpft
Die Krise setzt der Branche zu
Der Computermarkt schrumpft zum zweiten Mal in Folge. Der Gesamtumsatz sank um 13,9 Prozent oder rund 580 Millionen Franken, wie dem «Weissbuch» des Branchenkenners Robert Weiss zu entnehmen ist. Am stärksten trifft der Rückgang den US-Versandhändler Dell. Seit vier Jahren ist sein Marktanteil so stark rückgängig, dass manche gar mit dem kompletten Verschwinden rechnen. Unangefochtener Marktführer ist ebenfalls ein amerikanischer Konzern: Hewlett Packard (HP) dominiert die Schweiz in sämtlichen Bereichen. Mit einer Ausnahme. Bei den günstigen kleinen Netbooks heisst der Gewinner Acer.
Bei den meisten Produkten ist es genau umgekehrt: Viele Dinge sind im Ausland deutlich billiger. Fleisch, Milch, Kino, Coiffeur. Nur PCs, Notebooks, Computer gibt es nirgends günstiger als bei uns. «Hier verfügt die Schweiz über die tiefsten Preise in ganz Europa», sagt Branchenexperte Robert Weiss. Er ist ein Urgestein der Branche und kartografiert alljährlich den Schweizer Computermarkt.
Die Preisdifferenz zum Ausland ist substanziell. Die Migros spricht von 10 bis 15 Prozent bei «Notebooks und Zubehörgeräten» im Vergleich zum nahen Ausland. Bei Produkten, die schnell einmal über 1000 Franken kosten, spart man bis zu 150 Franken.
Das haben auch die Ausländer gemerkt. Laut Marc Schnyder, Chef der Firma Also, hat sich in grenznahen Gebieten mittlerweile ein Einkaufstourismus entwickelt. «Vor allem Italiener und Franzosen kommen über die Grenze, wenn sie einen neuen Laptop brauchen», sagt Schnyder. Er importiert Computer, Laptops, Drucker und Ähnliches in die Schweiz und beliefert sämtliche grossen Händler.
Untersuchungen fehlen
Quantifizieren lässt sich der Effekt allerdings nicht. Bei Melectronics laufen grenznahe Filialen «nicht überdurchschnittlich besser als Filialen im Inland», sagt Sprecherin Nathalie Eggen. Fust spürt zumindest keine Veränderung: «Wir hatten in den Grenzgebieten schon immer eine treue ausländische Kundschaft.» Und Interdiscount, wie Fust ein Teil der Coop-Gruppe, mutmasst, dass das Phänomen bei Ausländern vielleicht noch zu wenig bekannt sei. Vor allem, weil sich der Trend in letzter Zeit eher noch verstärkt habe.
Allerdings gibt es bislang auch keine Untersuchungen zum Thema: «Inwieweit Einkäufe in grenznahen Gebieten von ausländischen Kunden getätigt werden, wird nicht gemessen», sagt Interdiscount-Sprecherin Andrea Bergmann stellvertretend für die Branche. Das Segment wird offenbar auch nirgends aktiv beworben.
Markt in der Schweiz sehr fragmentiert
Gründe für diese Anomalie im Schweizer Preisgefüge - der Tiefpreis-Insel inmitten einer Hochpreis-Kultur - gibt es laut Branchenkenner Schnyder mehrere. Der wichtigste dürfte aber die Konkurrenzsituation sein. Im Vergleich zu den meisten anderen Ländern ist der Markt in der Schweiz stark fragmentiert. Es gibt mehrere grosse Computerhändler - Interdiscount, Fust, M-Electronics, Media-Markt, Manor -, die sich gegenseitig bekämpfen. Im Ausland wird der Markt laut Schnyder meist von einem einzelnen Verkäufer dominiert. In Deutschland ist das Media-Markt/Saturn, in Frankreich Carrefour.
Kommt hinzu, dass es in der Schweiz heute mehr Computer gibt als Einwohner. Privat besitzt bald jeder Zweite ein solches Gerät. Diese Zahlen sind nur in den skandinavischen Ländern noch höher. In gesättigten Märkten ist der Druck auf die Preise generell höher.
Ein weiterer Grund ist die relativ hohe Dichte an Grosskonzernen wie Roche, Novartis, Nestlé oder UBS und CS. Weil sie weltweit enorme Mengen an Computern benötigen, können sie besonders vorteilhafte Konditionen aushandeln. «Indirekt hat das auch einen Einfluss auf die Endkundenpreise in der Schweiz», ist Schnyder überzeugt. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 12.02.2010, 15:28 Uhr
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