Die Stunde der Voodoo-Ökonomen
Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 18.10.2011 63 Kommentare
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Andrew Mellon war US-Finanzminister in den 1920er Jahren und einer der Hauptverantwortlichen für die Grosse Depression. Als nach dem Börsencrash von 1929 auch die reale Wirtschaft ins Trudeln geriet, erteilte er dem damaligen Präsidenten Herbert Hoover den inzwischen legendären Ratschlag: «Liquidieren Sie alles, Arbeiter, Aktien, Bauern und Immobilien.» Das ist nicht nur Sadismus pur, es ist auch ökonomisch gesehen das Dümmste, was man einer Volkswirtschaft antun kann, die in der Liquiditätsfalle steckt. Trotzdem ist der Geist von Mellon lebendig wie eh und je.
Briten haben Jobs vernichtet
In Grossbritannien hat die Regierung inzwischen 100'000 Arbeitsplätze in der öffentlichen Verwaltung liquidiert. Gezwungen wurde sie dazu weder vom IWF noch von der Europäischen Zentralbank oder der deutschen Regierung. Die britische Regierung tat dies aus eigenem Antrieb in der Hoffnung, damit die Wirtschaft zu sanieren. Das Gegenteil ist eingetroffen. Die jüngsten Zahlen vom britischen Arbeitsmarkt zeigen, dass die Arbeitslosigkeit auf 8,1 Prozent gestiegen ist, die höchste Zahl seit 15 Jahren. Die britische Wirtschaft stagniert auf tiefem Niveau. Ausser Leid und Arbeitslosigkeit hat die harte Sparpolitik der Regierung Cameron nichts gebracht. Und es gibt keinen Grund zur Hoffnung, dass sich dies in den nächsten Jahren ändern sollte.
Grossbritannien ist eine Insel mit gelegentlich spleenigen Bewohnern, mag man einwenden. Wenn sie also ihre Volkswirtschaft freiwillig zerstören – bitte sehr. Doch Griechenland und Portugal stehen unter Vormundschaft, Spanien und Italien unter scharfer Beobachtung. Sie werden zu harten Sparmassnahmen gezwungen. Die Resultate sind alle gleichermassen deprimierend. Im «Wall Street Journal» kommt Irwin Stelzer zur Prognose: Alle diese Länder werden die gesetzten Sparziele nicht erreichen, weil sie damit mehr Schaden als Nutzen anrichten. «Sie scheitern, weil sie irregeleitete Sparprogramme verfolgen», stellt Stelzer resigniert fest.
Euroländer sparen sich zu Tode
Wenn alle gleichzeitig zum Ausgang rennen, kommt es bekanntlich zur Katastrophe. Wenn alle gleichzeitig sparen, kommt es volkswirtschaftlich ebenfalls nicht gut. Das zeigt eine soeben veröffentliche Studie des IWF. Die Daten zeigen, dass die Sparprogramme der einzelnen Mitglieder der Eurozone dazu geführt haben, dass in den letzten zwei Jahren das Bruttoinlandprodukt durchschnittlich ein Prozent geschrumpft ist. Der Konsum der privaten Haushalte ist um 0,75 Prozent zurückgegangen.
Auf dem Festland treibt es der Geist des ehemaligen US-Finanzministers Andrew Mellon somit noch toller als auf der Insel. Die 17 Euro-Mitglieder verfolgen je eine egoistische Sparpolitik. In der Summe sind die Folgen katastrophal. Der Grund ist insbesondere die falsche Beurteilung der Lage. «Die einzelnen Mitglieder haben Sparprogramme beschlossen, die davon ausgehen, dass sich die Welt um sie herum nicht verändern wird», stellt Wolfgang Münchau in der «Financial Times» fest.
Werden die Politiker daraus lernen und richtige Schlussfolgerungen ziehen? Den Anschein macht es nicht. Es ist regelrecht paradox: Die Folge von gescheiterten Sparprogrammen sind noch härtere Sparprogramme in allen Ländern, ganz im Sinne von Mellons «Liquidieren-Sie»-Ratschlag. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 18.10.2011, 12:17 Uhr
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63 Kommentare
Das ist der Unsinn der an den Universitäten gelernt wird. Diesen Geist werden wir nicht los.
Die Professoren die an diesen Unsinn glauben, meinen eher es sei an der mangelnden konsequemz gescheitert. Paradigmenwechsel geht nur mit Austausch der Köpfe. entlasst die Unfähigen aus der verantwortung.
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