Die Probleme der Migros
Von Romeo Regenass. Aktualisiert am 29.03.2012 114 Kommentare
Einen solchen Gewinneinbruch hat die Migros in den letzten zehn Jahren nie erlebt: Konzernchef Herbert Bolliger. (Bild: Keystone )
Migros erzielt immer noch mehr Gewinn als Coop. (Bild: TA-Grafik ek / Quelle: Geschäftsberichte)
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2011 war für den Detailhandel ein Jahr zum Vergessen. Die Migros-Gruppe traf es besonders stark, wie der Gewinneinbruch um 22 Prozent oder 193 Millionen Franken zeigt. 2010 hatte die Detailhandelsgruppe zwar einen Rekordgewinn erzielt, aber einen so abrupten Rückgang hat die Migros die letzten zehn Jahre nicht erlebt (siehe Grafik). Für das Resultat, das Migros-Chef Herbert Bolliger angesichts des schwierigen Umfelds als «solide» bezeichnet, waren externe und interne Faktoren verantwortlich.
Unter der weiteren Expansion der Discounter Aldi und Lidl und unter dem Einkaufstourismus litt die Migros noch stärker als die Konkurrenz. In Genf fielen die Umsätze im genossenschaftlichen Detailhandel drastisch um 7,3 Prozent, im Tessin um 5,8 Prozent. Schuld daran waren aber nicht nur fremdgehende Kunden. Hinzu kamen schweizweit sinkende Preise: Die Migros gab Preisvorteile beim Einkauf weiter, die sich aus dem hohen Franken und bei Früchten, Gemüse und Fleisch auch aus einem Überangebot ergaben. Insgesamt wurde das Einkaufen in den Supermärkten 3,9 Prozent günstiger. Trotz gestiegenen Mengen sanken dadurch die Beiträge an die Gemeinkosten und in der Folge die Gewinnmargen. Bei den Genossenschaften verringerte sich der Betriebsgewinn so insgesamt um 84 Millionen Franken.
Maschinen statt Muskelkraft
Zum Umsatz der Genossenschaften zählen auch die Fachmärkte, die insgesamt fast 4 Prozent Umsatzverlust beklagten. Melectronics und SportXX verloren zwischen 4 und 6 Prozent, der Markt hatte sich allerdings noch schlechter entwickelt. Problematisch und verglichen mit den Vorjahren eher überraschend ist das Minus von fast 6 Prozent bei den Handwerkermärkten Do it; hier gab der Gesamtmarkt nur leicht nach.
Um Ertragskraft zurückzugewinnen, haben die Genossenschaften wie alle anderen Bereiche in der Gruppe laut Finanzchef Jörg Zulauf nun Effizienzprogramme angestossen, bestehende werden weitergeführt. Dazu gehört auf nationaler Ebene zum Beispiel die umfassende Automatisierung der betrieblichen Abläufe in zwei nationalen Verteilzentren. Sie soll auch mithelfen, körperlich belastende Arbeit zu eliminieren. Ein Stellenabbau ist nicht geplant.
Handlungsbedarf bei Interio
Fast 50 Millionen Franken trug das Geschäftsfeld Handel zur Verringerung des operativen Gewinns bei. Denner konnte den Umsatz trotz Preisabschlägen halten, aber die Ertragslage wird in der Branche nicht allzu rosig gesehen. Die Buchhändlerin Ex Libris setzte über 11 Prozent weniger um, hier kam zum Einkaufstourismus die Konkurrenz im Internet hinzu. Knapp 4 Prozent verloren die Globus-Warenhäuser, deutlich über 5 Prozent die Möbelkette Interio. Die Migros veröffentlicht für ihre Töchter keine Ertragszahlen, aber gemessen am Umsatz hat sich der Betriebsgewinn in diesem Bereich deutlich stärker verringert als in den Super- und Fachmärkten der regionalen Genossenschaften.
Handelschef Dieter Berninghaus sieht vor allem bei Interio Handlungsbedarf und hat hier das Thema Informatik angepackt. Aber auch bei einem Wachstumstreiber wie Migrolino gebe es Optimierungspotenzial. So wurde zum Beispiel der Hauptsitz von Bern nach Suhr AG verlegt. Kräftig zum Einbruch des Betriebsgewinns beigetragen haben auch Migros-Industrie und -Grosshandel. In diesem Bereich wirkte sich der letztjährige Mix an Spezialsituationen gravierend aus. Unter dem Dreijahresprogramm «Fit for Europe» hat Segmentschef Walter Huber bereits substanzielle Effizienzsteigerungen realisiert. Doch die Weitergabe dieser Einsparungen sowie der Vorteile aus günstigerem Rohstoffeinkauf und Wechselkursentwicklung führte zu einer abnehmenden Bruttomarge und schliesslich zu einem kleineren Gewinn.
Revolution trifft Hotelplan hart
Wenig überraschend hat die Reisetochter Hotelplan den Vorjahresverlust um 7 auf 19,4 Millionen Franken ausgeweitet. Der arabische Frühling mit dem fast totalen Ausfall von Tunesien und Ägypten als Reiseziel hat die Migros im Konkurrenzvergleich viel härter getroffen als Coop, die im Reisegeschäft viel weniger umsetzt. Hotelplan hat im Unterschied zum Konkurrenten Kuoni aber auch wenig unternommen, um die Abhängigkeit vom Pauschaltourismus zu verringern.
Der Beitrag der Migros-Bank zum operativen Gewinn blieb in etwa stabil und macht knapp ein Drittel aus. Beeinträchtigt durch die extremen Schwankungen an den Finanzmärkten, verringerte sich das Finanzergebnis um 79 Prozent auf minus 186,8 Millionen und erreichte fast das Niveau der Bankenkrise 2008. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 28.03.2012, 22:04 Uhr
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114 Kommentare
Migros ist 2007 der internationalen Einkaufskooperation AMS beigetreten um kostengünstig auf dem Weltmarkt einkaufen zu können. Leider merkt der Kunde davon nichts. Nicht mal bei Non-Food-Produkten die nicht mit Schutzzöllen belastet sind. Eine Genossenschaft sollte die Produkte möglichst günstig abgeben statt teures Marketing und Gewinnmaximierung zu betreiben. Dann blieben auch die Kunden treu! Antworten
Migros (und Coop) sollten einfach mal erkennen dass der Konsument nicht doof ist. Als Grossverteiler selbst das halbe Sortiment zu Billigpreisen im Ausland einkaufen und den eigenen Kunden überhöhte Schweizer Preise verlangen. Ganz grenzwertig wird es dann wenn Coop oder Migros Anstrengungen unternehmen Kunden den Einkauf im Ausland zu erschweren um sich selbst mit den hohen Preisen zu schützen Antworten
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