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Die Jugendarbeitslosigkeit steigt wie nie zuvor

Von Alex Hämmerli. Aktualisiert am 07.09.2009 35 Kommentare

2010 wird beinahe jeder zehnte Berufseinsteiger arbeitslos sein. Nun soll das Parlament retten, was zu retten ist.

Pausenstimmung an der Berufsschule Dietikon: Für Lehrabgänger wird es schwieriger, eine Stelle zu finden.

Pausenstimmung an der Berufsschule Dietikon: Für Lehrabgänger wird es schwieriger, eine Stelle zu finden.
Bild: Sabina Bobst

Berufseinsteiger trifft die Rezession mit voller Härte: 9,4 Prozent aller Schweizer im Alter von 20 bis 24 Jahren werden im kommenden Jahr keine Stelle finden, so die Prognose des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco). Das wären rund 32'000 junge Männer und Frauen – der höchste Wert, der hierzulande je verzeichnet wurde. Bereits im Juli war die Quote mit 5,6 Prozent fast doppelt so hoch wie zur selben Zeit im Vorjahr. Zum Vergleich: Die Gesamtarbeitslosenquote lag vor zwei Monaten bei 3,7 Prozent und dürfte im kommenden Jahr auf 5,5 Prozent steigen.

«Dass derzeit überproportional viele junge Schweizer keine Arbeit finden, liegt insbesondere an den Einstellungsstopps der Unternehmen», erklärt Bernhard Weber, Arbeitsmarktexperte beim Seco. So würden Neueinsteiger erst gar keine Chance auf eine Anstellung haben. «Besonders benachteiligt sind Jugendliche, die bislang keine Berufserfahrungen sammeln und damit ihre Fähigkeiten noch nie unter Beweis stellen konnten.» Verstärkend wirke, dass Junge vielerorts befristetete Verträge hätten, die nun in der Krise nicht verlängert würden. Die Rezession lasse die Arbeitslosenquote zudem durch alle Altersschichten anschwellen.

Stabiler Lehrstellenmarkt

Bei Jugendlichen im Lehrlingsalter (15- bis 19-Jährige) zeigt sich ein entspannteres Bild: Sie sind sowohl heute als auch nächstes Jahr etwas weniger häufig arbeitslos als der Schweizer Durchschnitt. Laut Arbeitsmarktanalyst Weber widerspiegelt die tiefe Quote unter anderem die vergleichsweise noch stabile Lehrstellensituation.

Fasst man die beiden Gruppen zusammen, ergibt sich für Juli eine Jugendarbeitslosenquote von 4,6 Prozent. Diese Zahl dürfte in den Folgemonaten weiter steigen: Das Seco rechnet für 2010 mit 43'000 jungen Stellensuchenden oder einer Quote von 7,8 Prozent.

Finanzspritze soll Linderung bringen

Nun kümmert sich die Politik um die Jungen. Im Rahmen der Herbstsession entscheidet das Parlament über das 400 Millionen Franken schwere dritte Konjunkturpaket. Morgen liegt es dem Ständerat und in der kommenden Woche dem Nationalrat vor. Im Bereich Jugendarbeitslosigkeit sind zwei Massnahmen zentral:

Weiterbildung: Lehrabgänger sollen trotz fehlender Stelle nicht untätig sein. Für Übergangslösungen wie Sprachaufenthalte im Ausland oder Module an Hochschulen gibt es deshalb einen Zustupf vom Bund. Vorgesehen sind Ausgaben in der Höhe von 40 Millionen Franken.

Berufseinstieg: Für die Einarbeitung von schwer vermittelbaren jungen Erwachsenen zahlt der Staat den Unternehmen eine Entschädigung. Budgetiert sind 12 Millionen Franken.

Die Arbeitnehmerverbände begrüssen diese Bestrebungen. «Allerdings dürfen die Massnahmen nicht zulasten älterer Arbeitnehmer gehen», sagt Unia-Gewerkschaftssekretärin Elena Obreschkow. Bei Praktika bestehe zudem eine hohe Missbrauchsgefahr: «Deshalb müssen klare Rahmenbedingungen gesetzt werden, um Lohndumping zu vermeiden.»

Inwieweit die Massnahmen Wirkung zeigen werden, ist unklar. Inkraft treten würden sie per 1. Januar 2010. Das Seco unterstreicht jedoch den Überbrückungscharakter dieser Instrumente: «Staatliche Hilfen können die Konjunktur nicht ersetzen. Erst der Aufschwung wird die Beschäftigungszahlen wieder merklich anheben», sagt Tony Erb, Leiter des Ressorts Arbeitsmassnahmen. Das Seco erwartet, dass es ab 2011 wieder aufwärtsgeht. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.09.2009, 22:51 Uhr

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35 Kommentare

Karl Klingler

08.09.2009, 11:01 Uhr
Melden 1 Empfehlung

@Linder: Die Erfahrung zeigt, dass junge Schweizer heute oft zu bequemlich sind. Gut ausgebildete Ausländer bringen mehr Motivation mit als die trägen Einheimischen. Dass Personalchefs solche Leute bevorzugen, kann man weder den Ausländern, noch der PFZ anlasten. Letztere führt dazu, dass sich die Firmen wirklich die Besten aussuchen können, was letztlich dem Wirtschaftsstandort CH zugute kommt. Antworten


Gabriel Rickenbacher

08.09.2009, 10:40 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Ich unterstütze die Aussage von Frau Grunder. Das Bild im Artikel spricht ja schon Bände ..... Ich bin der Meinung, dass es in der Wirtschaft mehr Leute braucht, die sich die Jungen "zur Brust nehmen" und auch mal ein Stahlhelmgespräch führen können da die im Elternhaus je länger je mehr nicht mehr stattfindet. Es darf sich nicht mehr lohnen, faul zu sein. Antworten



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