Wirtschaft
Die Geldschwemme der Nationalbank
Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 19.10.2009 15 Kommentare
Ebenfalls ein Experte der Geldvermehrung: Comic-Figur Dagobert Duck.
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Staat und Notenbank kämpfen gemeinsam gegen die Wirtschaftkrise. Die Regierungen versuchen mit Konjunkturmassnahmen die reale Wirtschaft zu stimulieren, die Notenbanken haben die Finanzmärkte mit Geld geflutet, um eine Kreditklemme zu verhindern. Was die Konjunkturmassnahmen betrifft, hat sich die Schweiz vornehm zurückgehalten. Die Mittel des Staates in einer kleinen und offenen Volkswirtschaft sind auch beschränkt. Was die Geldpolitik betrifft, hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) an vorderster Front mitgekämpft. Gemäss Angaben der OECD ist die Geldmenge in der Schweiz seit 2007 um 40,5 Prozent gewachsen, mehr als doppelt so stark wie in den USA (20,1 Prozent).
Die Geldschwemme der Notenbanken war nötig, weil sich die Banken nach dem Kollaps von Lehman Brothers nicht mehr trauten und sich gegenseitig kein Geld mehr ausliehen. Es drohte eine Blockade des gesamten Finanzsystems, die Notenbanken mussten notfallmässig eingreifen. Sie taten es, indem sie an die Grenzen des Erlaubten gingen: Sie nahmen dubiose Ramschpapiere als Sicherheit für Staatsanleihen in ihre Bücher auf, und sie kauften unter dem Stichwort «quantitative easing» selbst Staatsanleihen auf, um die Zinsen tief zu halten. Die SNB (SNBN 1090 -0.64%) musste im Interesse der Exportwirtschaft zudem verhindern, dass der Schweizer Franken in der Krise allzu stark wurde.
Höchste Verschuldung seit dem Zweiten Weltkrieg
Das Finanzsystem ist dank den massiven und koordinierten Interventionen der Notenbanken wieder stabil, doch die Nebenwirkungen der Rosskur sind noch nicht überwunden. Die schlimmste davon ist die chronische Dollarschwäche. Diese hat seine Gründe. Die USA mussten nämlich sowohl die höchste Staatsverschuldung seit dem Zweiten Weltkrieg in Kauf nehmen als auch gleichzeitig dafür sorgen, dass die Zinsen tief bleiben. Diese Gratwanderung erfolgreich zu absolvieren ohne das Vertrauen der Märkte zu verlieren, ist sehr schwierig. Derzeit besteht die Gefahr, dass die Angst vor einer Dollarschwäche zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung wird. «Mit einer zu schnellen Abwertung können die Dinge aus dem Ruder geraten», warnt Anne Krueger, Professorin an der John Hopkins University und ehemalige Vize-Chefin des Internationalen Währungsfonds.
Das Weltwährungssystem ist derzeit eine Art Bastard: Die Wechselkurse bilden sich in einer Mischung aus Markt und Interventionen der Notenbanken. Man spricht deshalb von einem «gemanagten» oder einem «dreckigen» Float. Die Schwellenländer und vor allem China haben ihre Währung an den Dollar gekettet. Die Geldschwemme bringt sie jetzt in eine missliche Lage. Wenn sie verhindern wollen, dass ihre eigene Währung zulegt (und damit die Exporte teurer werden), müssen sie immer mehr Dollars kaufen. Irgendwann werden sie das nicht mehr können, ohne das System zu überfordern.
Knifflige Aufgabe
Handelspolitisch gesehen ist ein schwacher Dollar derzeit zu begrüssen. Nur so können die USA ihr chronisches Handelsdefizit wieder abbauen und nur so kann die Weltwirtschaft ein neues Gleichgewicht finden. Insgesamt jedoch stehen die Wirtschafts- und Geldpolitiker vor einer sehr kniffligen Aufgabe: Sie müssen glaubhaft aufzeigen, wie sie die Geldschwemme in Zukunft wieder eindämmen wollen. Gleichzeitig können sie dies nicht mit harten Massnahmen tun, weil sie sonst die Konjunktur abwürgen; und sie müssen einen Absturz des Dollars verhindern, weil er nach wie vor die Leitwährung der Welt ist – und es wohl noch jahrzehntelang bleiben wird. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 19.10.2009, 15:38 Uhr
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15 Kommentare
Geld ist ein Gut wie jedes andere. Wenn zu viel vorhanden ist wie, nimmt sein Wert ab, sprich Inflation, und sein Preis ebenfalls, sprich Zinsen nahe bei Null. Vorläufig wird es allerdings spekulativ wieder in die Börse gesteckt, und eine neue Blase bildet sich. Man zahlt nun wieder mehr für die gleichen Aktien, also auch eine Art von Inflation, nur auf den Finanzsektor beschränkt.. Wie endet es? Antworten
@ müller - warum nicht 95% Steuern auf Einkommen über 150'000 Fr. ? Das wäre wieder einmal so eine super Link-Idee, wie die von Ihnen ? Und gerade die Linken reden von "Steuergerechtigkeit". Warum soll einer 50% von seinem Lohn abtreten wenn der andere nur 30% zahlt ? Was soll daran gerecht sein ? Aber eben, Links kappiert das eben nie. Die USA machen das einzig richtige mit den Sozialzahlungen ! Antworten
"...weil er (Dollar) nach wie vor die Leitwährung der Welt ist – und es wohl noch jahrzehntelang bleiben wird." War das ironisch gemeint, Herr Löpfe, oder sind sie noch einer der Wenigen, der an so etwas glaubt? Mit Verlaub, aber wenn die USA mit ihrer Finanzpolitik weiter so agieren, werden wir nicht mehr lange unseren "Spass" am Dollar haben. Und aus Spass wurde Ernst. Antworten
Ein Artikel in der gleichen Bund Ausgabe versucht mir die AHV mit 70+ schmackhaft zu machen!!! Geld ist ja genug vorhanden immerhin hat der Bundesrat über Nacht 69000000000 aus dem Hut gezaubert. Sollte eigentlich auch genug für die Sozialwerke da sein. Mir ekelt. Antworten
Auf Kosten der Bürger wird die Geldmenge erhöht, welcher in der kommenden Inflation seine Ersparnisse, 3-Säule und PK schrumpfen sieht und dann bis zum Lebensende arbeiten darf, weil das (virtuelle) Geld keinen Wert mehr hat. Nur die Super Reichen und Gross Verdiener werden profitieren, weil sie Ihre Gelder zu 10% und mehr anlegen können. Antworten
Schade für die verpufften Billionen, die bereits in das System gepumt wurden, das längst an der Realität vorbeilebt und in dieser Form keine Chance zum Überleben haben wird. Mit diesem Kapital, hätten wir die ganze Weltwirtschaft und Geldsystem neu ausgerichtet! Doch was liegt näher: Ein gerechtes System für Alle oder ein System das einige bevorzugt auf Kosten aller? Wir werden es lernen... Antworten
Wenn alle Marktteinehmer die versprochenen Forderungen (Zinsen&Schulden) mal gerne auch Konsumieren wollen (Pensionkassenleistungen usw.),dann werden wir merken,dass dieses Fiat-Moneysystem eine "tickende Zeitbombe" ist. Versprechen-Wetten lässt sich "alles",solange es nicht eingefordert wird.Geld-Girageld lässt sich durch Knopfdruck vermehren. Der Wert ist "egal"-Hauptsache die Zahlen stimmen;-) Antworten
Weshalb sollten Banken sich gegenseitig Geld leihen ? Liegt nicht hier das Problem der ganzen Krise? Eine Bank muss mit dem Einbezahlten Geld Ihrer Kunden wirtschaften und nicht noch Kredite bei anderer Banken aufnehmen. Das ganze Finanzsystem ist unüberblickbar und nur noch auf Krediten welche die nächsten Generationen vielleicht einmal zurückzahlen werden, konnen, wollen oder müssen. Antworten
Da wird die freie Marktwirtschaft zelebriert und gleichzeitig beim Staat gebettelt für die paar schwerreichen Insider, die unsere Gesellschaft immer mehr zerstört haben, da nur noch das GELD zählt, alles andere ist unwichtig. So wird die Menschheit natürlich quasi im "kapitalistischen Klimakollaps" enden. Lügen und Betrug am Volk sind längst zum Alltag geworden. Antworten
Die Löhne der Arbeiter haben die letzten 30 Jahren weltweit abgenommen. Soziale ausgaben wurden stark gekürzt, in den USA wird nach 200 Tagen Sozialbezug überhaupt nix mehr bezahlt seit 5 Jahren. Die Löhne der Manager haben sich um 500 % erhöht. Wen sich da nix ändert kommt die noch grössere Kriese bestimmt. 65 % Steuer auf Einkommen über 500 000 Fr. weltweit wäre wohl das richtig. Antworten
Wie sie es auch immer anstellen. Am Ende wird jemand für das virtuelle Geld, welches real aus dem Kreislauf gezogen wurde, bezahlen müssen. Eine massive Geldentwertung oder aber massive Erhöhung der Arbeitsleistung in der Weltwirtschaft scheint unumgänglich. Das ist es worauf sich das Volk in aller Herren Länder freuen darf... Antworten
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Sabine Hiller
Die Nationalbank hat die Hälfte ihres Goldes verkauft, verschleudert und zwar zu Schnäppchenpreisen. Der Gewinn wäre ohne Golfverkäufe 14 statt 7 Milliarden. Man sollte alle Direktoren der Nationalbank entlassen, die so gefuhrwerkt haben. Als Chef sollte man Christoph Blocher setzen, der mit der SVP wehement gegen die Golfverkäufe gekämpft hat. Aber das wollen Löpfe und Tagivasallen nicht hören. Antworten