«Die Folgen sind gravierend, man schläft tagsüber ein»
Interview: Olivia Kühni. Aktualisiert am 04.11.2011 31 Kommentare
Umfrage zum Schlafmangel
Das deutsche Allensbach-Institut hat im Sommer deutsche Manager und Politiker zu ihren Schlafgewohnheiten befragt und die Studie veröffentlicht. Das Fazit: Die Befragten schlafen durchschnittlich nur 6 Stunden 10 Minuten täglich.
Unter den Politikern gönnt sich jeder Dritte nur 5 Stunden Schlaf pro Nacht, bei den Managern ist es jeder Fünfte. Mehr als die Hälfte der Befragten gab ausserdem an, chronisch unausgeschlafen und müde zu sein.
Schlaf als Machtfaktor
Das Wirtschaftsmagazin Capital, das die Umfrage in Auftrag gab, hält fest, dass die Fähigkeit zum Schlafentzug ein «Machtfaktor» sei: «57 Prozent aller deutschen Top-Entscheider waren schon einmal persönlich dabei, wenn Verhandlungen eine unerwartete Wende nahmen, weil eine Partei plötzlich ermattet Zugeständnisse machte.» Insbesondere in der Politik hätten «Normal- oder Vielschläfer» keine Chance auf einen Top-Job.
Christian Baumann ist Leitender Arzt an der Klinik für Neurologie des Universitätsspitals Zürich. Dort werden unter anderem Patienten mit Schlafstörungen behandelt.
Müdigkeit im Verkehr
Chauffeure sind wegen ihrer Schichteinsätze besonders gefährdet, an Schlafmangel zu leiden. Die Verkehrsbetriebe Zürich lassen ihren Chauffeuren darum die Wahl zwischen verschiedenen Schichtmodellen – Morgenmenschen könnten sich etwa vermehrt für die Frühschicht entscheiden. Eine gewisse Belastung bleibe trotzdem, sagt VBZ-Sprecher Andreas Uhl.
«Sehr wichtig ist natürlich, was der Mitarbeiter in seiner Freizeit macht», sagt Uhl. Wer beispielsweise sehr weit weg wohne, stehe unter einer noch grösseren Belastung. Die VBZ achteten rigoros auf die Einhaltung der gesetzlichen Ruhezeiten. «Verstösse sind ein Entlassungsgrund.»
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Die Staatschefs verhandeln in Cannes und Athen bis zum Morgengrauen über eine Lösung für die Eurokrise – ohne zu schlafen. Wie lange hält ein Mensch das durch?
Von der deutschen Kanzlerin Angela Merkel gewinnt man den Eindruck, dass sie inzwischen drei Wochen lang kaum geschlafen hat. Die Stresshormone sorgen dafür, dass man das oft länger durchsteht als erwartet.
Sind es nur die Stresshormone? Es gibt auch Substanzen, die wachhalten.
Ja, es gibt Stimulantien. Sie werden etwa von Narkolepsie-Patienten eingenommen, um die Tagesschläfrigkeit zu bekämpfen. Für Menschen mit chronischem Schlafentzug sind diese Medikamente aber nicht zugelassen.
Wie ist es mit Drogen, die etwa Amphetamine enthalten?
Ich kann wegen der möglichen Nebenwirkungen und Langzeitfolgen nur von solchen Massnahmen abraten. Sie sind ausserdem allesamt nicht zugelassen.
Was hat es für Folgen, wenn jemand wochenlang kaum schläft?
Die Konsequenzen sind gravierend. Der Betroffene schläft tagsüber ein, seine Gedächtnisleistung, die Konzentrationsfähigkeit und das Urteilsvermögen nehmen ab. Auch körperlich ist man nicht mehr leistungsfähig.
Wenn Frau Merkel und ihre Kollegen mehr schlafen würden, wären also die Entscheide in der Eurokrise besser?
Ob sie besser wären, weiss ich nicht. Sie wären vermutlich besser durchdacht.
Der griechische Premier Giorgos Papandreou wirkt, als sei er in einem Monat um zehn Jahre gealtert. Beschleunigt Schlafmangel den Alterungsprozess?
In Versuchen mit Tieren hat sich gezeigt, dass Schlafmangel Krankheiten wie die Alzheimer-Demenz und den Alterungsprozess generell beschleunigen kann. Solche Experimente lassen sich an Menschen nicht vertreten. Doch jeder hat erlebt, wie etwa junge Eltern mit Schlafmanko plötzlich graue Haare bekommen oder Politiker in kurzer Zeit um Jahre altern. Es ist davon auszugehen, dass Schlafmangel tatsächlich den Alterungsprozess beschleunigt.
Sie betreuen am Zürcher Universitätsspital Patienten mit Schlafproblemen. Ist Schlafentzug ein verbreitetes Phänomen?
Ein sehr verbreitetes und stark unterschätztes Problem, ja. Inzwischen gibt es einen offiziellen Namen dafür: «behaviourally induced insufficient sleep syndrome» – also Schlafmangel aufgrund des Lebenswandels. Es ist inzwischen eine der häufigsten Diagnosen, die wir stellen.
Wer sind Ihre Patienten – Manager, Chirurgen, Banker?
Generell sind es Menschen aus Branchen, in denen Schichtarbeit verbreitet ist. Also etwa ein 55-jähriger Buschauffeur, der abwechselnd Frühschicht und Spätschicht arbeitet. Da kann sich die innere Uhr nicht anpassen. Ebenfalls gefährdet sind natürlich Menschen ohne geregelte Arbeitszeiten, beispielsweise in Führungspositionen.
Woran erkennen Sie, dass ein Patient unter Schlafmangel leidet?
Betroffene sind oft dünnhäutiger, sie wirken müde und berichten von Leistungseinbussen. Deutlich wird das im Schlaflabor – die Patienten schlafen sofort ein, sobald sie sich hingelegt haben.
Das kennt man auch von Grossvätern und Vätern, die von der Arbeit kommen. Ist Schlafmangel ein neues Phänomen?
Studien legen nahe, dass Menschen heute fast eine Stunde weniger schlafen als vor 60 Jahren. Und das liegt sehr wahrscheinlich nicht daran, dass die Menschen weniger Schlaf brauchen. Sondern dass sie sich ihn nicht gönnen. Wie viel Schlaf der Einzelne braucht, ist übrigens sehr unterschiedlich. Das muss jeder für sich herausfinden.
Was raten Sie chronisch übermüdeten Patienten?
Der Rat ist einfach, aber schwierig umzusetzen: Sie müssen ihren Alltag umstellen. Wer mehr schläft, tut dies auf Kosten der Freizeit, deshalb fällt es schwer. Wenn man um 20 Uhr erst von der Arbeit nach Hause kommt, hat man nur noch zwei statt drei Stunden freie Zeit, wenn man genug schlafen will.
Manchmal ist der Schlafmangel so chronisch, dass das Einschlafen schwerfällt. Was kann man dann tun?
Wichtig ist, regelmässig und mit Mass tagsüber Sport zu treiben, um müde zu werden. Entscheidend sind auch regelmässige Bettzeiten. Ausserdem sollte man abends nicht mehr schwer essen und nicht zu viel Alkohol trinken. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 04.11.2011, 15:51 Uhr
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31 Kommentare
Mich interessiert was von Cannes verschwiegen wird.1. Schweiz und Liechtenstein sind in einer neuen Liste mit 11 Paradis fiscaux! 2.Sarkozy, unser freundlicher Nachbar hetzt die G20 Mitglieder auf und will uns mit einem internationalen Bann belegen.Keine CH-Zeitung bringt das!!!!!!! Aber Geschwätz über Schlaflosigkeit.............. Antworten
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