Die EZB hätte sich mit Zinserhöhungen ins eigene Fleisch geschnitten
Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 03.03.2011 1 Kommentar
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- Preisanstieg in Europa deutlicher über Stabilitätsschwelle
- Stabile Leitzinsen in der Eurozone trotz steigender Inflation EZB belässt Niveau auf Rekordtief
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An der Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) wurde entschieden, dass der Leitzins nicht erhöht wird. Dieser verharrt seit Mai 2009 bei 1 Prozent. Dennoch blickte man auf den Märkten heute äusserst gespannt nach Frankfurt, wo um 14.30 Uhr EZB-Präsident Jean-Claude Trichet vor die Medien tritt.
Die maximal tolerierbare Inflationsrate der EZB beläuft sich auf 2 Prozent. Nach den neuesten Erhebungen wird diese Rate im Euroraum um rund ein drittel Prozent übertroffen, in der gesamten EU sogar um rund 0,8 Prozent. Auf den ersten Blick wäre die Zentralbank daher schon jetzt gezwungen, die Zinsen anzuheben. Sie kann und wird aber wohl argumentieren, dass das augenblickliche Preisniveau vor allem durch die höheren Rohstoffpreise verzerrt wurde. Solange die für sie viel wichtigeren Inflationserwartungen nicht ebenfalls drastisch ansteigen, hat sie weniger Handlungsbedarf. Denn ansonsten kommt eine Preis-Lohnspirale in Gang. Das heisst, die Beschäftigten fordern für die rohstoffbedingt höheren Preise entsprechend höhere Löhne, was die Kosten bei den Unternehmen weiter erhöht und damit auch die Inflation.
Die Angst vor Zweitrundeneffekten
Zumindest die Kerninflation, das ist jene ohne Berücksichtigung der Lebensmittel- und Energiepreise hat bisher deutlich weniger zugelegt, als es die erwähnte «Headline»-Inflation tat. Das weist darauf hin, dass zumindest bisher gefährliche Zweitrundeneffekte weitgehend ausgeblieben sind, bei denen die höheren Energiepreise auch weitere Güter – unter anderem über höhere Löhne – verteuert haben. Damit wird Trichet wohl begründen, warum bisher Leitzinserhöhungen ausgeblieben sind.
Dafür gibt es aber noch einen weiteren Grund: Die EZB schneidet sich mit Leitzinserhöhungen sozusagen ins eigene Fleisch. Denn die wirtschaftlichen Unterschiede in der Eurozone stellt die EZB vor ein Problem, das durch die nach wie vor anhaltende Krise noch verschärft wird. Ihr Leitzins ist für boomende Länder wie Deutschland eher zu tief und für wirtschaftlich leidende Länder wie Griechenland, Irland, Portugal oder Spanien eher zu hoch. Erhöht sie ihn, verschärft sich die Krise in diesen Ländern daher weiter. Dadurch gerät aber auch das Bankensystem im ganzen Euroraum weiter unter Druck, das schon jetzt durch massive Geldspritzen der Zentralbank gestützt wird. Eine Leitzinserhöhung gefährdet daher nicht nur die Stabilität der Eurozone weiter, sondern auch jene der Zentralbank, die sie durchführen würde.
Drohungen sind das einzige verbleibende Instrument
Vor diesem Hintergrund müssen selbst scharfe Warnungen Trichets vor einer steigenden Inflation nicht zwingend ein Zeichen für baldige Zinsschritte sein. Es könnte im Gegenteil der etwas hilflose Versuch sein, Druck zu machen, dass die erwähnten Zweitrundeneffekte nicht eintreten, vor allem, dass die Löhne als Folge der Energiepreisteuerung nicht nach oben angepasst werden. Tatsächlich hat Trichet schon bisher immer wieder ähnliche Warnungen ausgestossen, gleichzeitig aber Hinweise auf baldige Zinssteigerungen verworfen. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 03.03.2011, 12:25 Uhr
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Mit Begriffstrickserei versuchen die Zentralbanken das Volk zu betrügen. Inflation: Ist die Geldmengenausweitung und wird unbegrenzt vollzogen. Inflationserwartung: Ist die aus der Inflation zu erwartende Teuerung und die ist gewaltig. Kerninflation: Alle Produkte die niemand unbedingt braucht, auf diese kann in Krisen verzichtet werden, deshalb steigt deren Preis nicht - also alles ausser "Kern". Antworten
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