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Die Deutschen sind die Chinesen von Europa

Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 17.02.2010 62 Kommentare

Ohne die Hilfe der deutschen Konsumenten können sich die Griechen, Portugiesen und Spanier nicht aus dem Euro-Schlamassel befreien.

Deutschlands Konsumenten müssen helfen, wenn die PIGS wieder auf die Beine kommen sollen.

Deutschlands Konsumenten müssen helfen, wenn die PIGS wieder auf die Beine kommen sollen.
Bild: Keystone

Ohne Ankurbelung der deutschen Binnenwirtschaft lassen sich die Ungleichgewichte innerhalb von Euroland nicht beheben: Konsumenten in Duisburg.

Ohne Ankurbelung der deutschen Binnenwirtschaft lassen sich die Ungleichgewichte innerhalb von Euroland nicht beheben: Konsumenten in Duisburg. (Bild: Keystone)

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Meine letzte Kolumne «Schuld sind die Deutschen» hat sehr viele Reaktionen ausgelöst. Viele beruhen auf einem Missverständnis. Deshalb ein Versuch zur Klärung: Die aktuelle Wirtschaftskrise ist durch das Platzen der US-Immobilienblase ausgelöst worden. Das Grundproblem besteht jedoch letztlich nicht in modernen Finanzinstrumenten, sondern in Ungleichgewichten innerhalb der Weltwirtschaft. Was ist damit gemeint? Exporte und Importe müssen global gesehen null ergeben. Die Welt kann kein Handelsdefizit oder einen Handelsüberschuss mit sich selber haben. Deshalb ist es ungesund, wenn ein Land jährlich wiederkehrend viel mehr exportiert als importiert, oder umgekehrt. Beides führt dazu, dass die Balance verloren geht.

Absurdes Ungleichgewicht

Besonders ausgeprägt ist dieses Ungleichgewicht derzeit zwischen den USA und China. Das hat ein gewaltiges Handelsdefizit der Amerikaner zur Folge und führt zu einem ebenso gewaltigen Dollarüberschuss in Peking. Dieses Ungleichgewicht ist an sich absurd. Das arme China kauft im grossen Stil Schulden der reichen USA auf. Eigentlich müsste das Gegenteil der Fall sein. Doch die Chinesen sorgen mit tiefen Löhnen, tiefen Sozialleistungen und Währungsmanipulationen dafür, dass dieser unnatürliche Zustand erhalten bleibt. Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit nimmt der Unmut unter den amerikanischen Arbeitnehmern zu, ebenso die politischen Spannungen zwischen den USA und China.

Makroökonomisch betrachtet sind die Deutschen die Chinesen von Europa. Sie betreiben seit mehr als einem Jahrzehnt ebenfalls eine Wirtschaftspolitik, die ihr Heil im Export sucht. Löhne wurden eingefroren und Arbeitszeiten erhöht, um die Wettbewerbschancen auf den internationalen Märkten zu erhöhen. Das ist gelungen, inzwischen sind die Exporte für rund 70 Prozent des Wirtschaftswachstums zwischen 1999 und 2007 verantwortlich. In die Röhre gucken die übrigen Mitglieder von Euroland. Es wird geschätzt, dass sich die griechischen Lohn-Stückkosten gegenüber den deutschen zwischen 2000 und 2009 um mehr als 20 Prozent erhöht haben.

Auf- und Abwerten, das war einmal

Auch innerhalb der 16 Mitglieder von Euroland nehmen deshalb die Spannungen zu, denn die deutsche Spar- und Exportpolitik bringt die anderen gleich doppelt in Schwierigkeiten. Sie verlieren an Wettbewerbschancen und ihr wichtigster Kunde, Deutschland, konsumiert zu wenig. Seit Jahren leidet Deutschland an einer schwachen Binnennachfrage. Solange es nationale Währungen gab, konnten diese Spannungen über Auf- und Abwertungen teilweise aufgefangen werden. Jetzt sind alle im starren Korsett des Euro gefangen, und die Europäische Zentralbank tanzt nach der Pfeife der Deutschen.

Die Situation verschärft sich gefährlich. Martin Wolf, Chefökonom der «Financial Times» und der wohl einflussreichste Wirtschaftsjournalist der Gegenwart, beschreibt sie wie folgt: «Man kann das nicht delikat umschreiben. Solange die Europäische Zentralbank eine schwache Nachfrage in der Eurozone toleriert und die Kernländer, vor allem Deutschland, weiterhin grosse Exportüberschüsse erzielen, wird es für die schwächeren Mitglieder praktisch unmöglich sein, aus ihrer Schuldenfalle zu entrinnen.»

Alles Sparen nützt den PIGS nichts

Was bedeutet das konkret? Natürlich müssen Griechenland und die anderen PIGS-Staaten ihr Haus in Ordnung bringen, und selbstverständlich geht es nicht an, dass sie Zahlen fälschen und mit dubiosen Finanzinstrumenten ihre Bilanzen schönen. Doch die Griechen, Spanier, Portugiesen und Italiener können sparen, bis es quietscht – es nützt alles nichts, wenn die Deutschen weiterhin Exportweltmeister bleiben wollen. Ohne Ankurbelung der deutschen Binnenwirtschaft lassen sich die Ungleichgewichte innerhalb von Euroland nicht beheben – und das wird langsam ungemütlich. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.02.2010, 14:16 Uhr

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62 Kommentare

Rene Paul

17.02.2010, 16:00 Uhr
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@Michael Berner, woher wissen Sie eigentlich dass Frau Clara S. Pudel eine Deutsche ist? Kann es denn nicht sein, dass auch Schweizer Bürger eine gewisse Kritikfähigkeit haben? Leute wie Sie fühlen sich bei jeder Art von Kritik sofort persönlich angegriffen, das ist leider eine Tugend die in der Schweiz oft anzutreffen ist. Ach ja, ich bin kein Deutscher!! Antworten


Uerli Belzer

17.02.2010, 15:04 Uhr
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Die Berichterstattung hier wird immer unglaubwürdiger ! Gibt es denn wirklich kein anderes Thema mehr ! Hier schreiben ja fast ehe nur Euro-Neider ! Ich wäre froh wenn wir Teil des Euroraumes wären! Unsere Waren lassen sich schon jetzt viel schlechter in die EU verkaufen ! 1. wegen dem schlechten Kurs 2. wegen eben solchen Nachriten der Presse ! Antworten



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