«Die Chinesen fürchten sich vor der Schweizer Exportindustrie»

Aktualisiert am 15.08.2010

Bundespräsidentin Doris Leuthard hat mit China ein Freihandelsabkommen in die Wege geleitet. Seco-Chef Jean-Daniel Gerber warnt jedoch vor zu viel Euphorie.

Schwierige Verhandlungen: Bundespräsidentin Doris Leuthard zu Besuch bei Chinas Präsident Hu Jintao.

Schwierige Verhandlungen: Bundespräsidentin Doris Leuthard zu Besuch bei Chinas Präsident Hu Jintao.
Bild: Keystone

Leuthard in China erfolgreich

Bundespräsidentin Doris Leuthard ist am Sonntag von einer erfolgreichen Wirtschaftsmission in China zurückgekehrt. Bei ihrem Besuch hat Leuthard ein Freihandelsabkommen mit der weltweit zweitgrössten Volkswirtschaft in die Wege geleitet. Ab Januar wird voraussichtlich verhandelt.

Am Freitag kamen die beiden Länder überein, Verhandlungen anzustreben. Im Beisein von Bundespräsidentin Leuthard und Chinas Präsidenten Hu Jintao wurde eine Absichtserklärung unterzeichnet.

«Es ist ein schönes Geschenk», sagte Leuthard und spielte auf das 60-Jahre-Jubiläum der diplomatischen Beziehung zwischen der Schweiz und China an.

Am Samstag teilte Wirtschaftsminister Chen Deming seiner Amtskollegin mit, dass ab Januar verhandelt werden könne. Die Schweiz wäre gemäss Leuthard schon im Dezember bereit, ein Freihandelsabkommen zu erarbeiten.

Obwohl die Verhandlungen bis zu drei Jahre dauern könnten, ist die Schweiz in einer ausgezeichneten Ausgangslage verglichen mit anderen Industrienationen. China unterhält bislang mit keinem europäischen Land einen Freihandelsvertrag.

Ist skeptisch: Seco-Chef Jean-Daniel Gerber. (Bild: Keystone )

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Jean-Daniel Gerber, Chef des Staatssekretariats für Wirtschaft, warnt im Interview mit der Zeitung «Sonntag» vor zu grosser Vorfreude auf ein Freihandelsabkommen mit China: «Der Abschluss einer gemeinsamen Machbarkeitsstudie über ein Freihandelsabkommen mit China ist bereits ein Erfolg.»

«Doch die eigentlichen Verhandlungen mit China werden lang und schwierig sein. Die Chinesen sind der Meinung, dass die Schweizer zu kompetitiv sei, namentlich die Maschinen-, Uhren- und Pharmaindustrie.» Auf die Frage, ob sich die Chinesen vor der Schweizer Exportindustrie fürchten, antwortet Gerber: «Ja, das kann man so sagen.»

Es gäbe aber auch Vorbehalte auf Schweizer Seite, nämlich die möglichen Forderungen Chinas im Landwirtschaftsbereich sowie die Frage, wie leicht sich chinesische Dienstleistungserbringer in der Schweiz temporär niederlassen dürfen. Der Import chinesischer Waren habe bereits massiv zugenommen, sagt Gerber: «Umgekehrt sind unsere Exporte nach China jedoch noch mehr gestiegen. Die Schweiz ist eines der wenigen Industrieländer, das mehr nach China exportiert als importiert.»

Krise noch nicht vorbei

Die Schweizer Wirtschaft beurteilt Gerber zurzeit kritisch: «Es ist vermessen zu behaupten, die Krise sei Vergangenheit. Zwar bin ich wesentlich optimistischer als vor einem Jahr, doch bestehen weiterhin grosse Unsicherheiten, wie etwa der hohe Verschuldungsgrad zahlreicher europäischer Länder oder die letzten Wirtschaftszahlen aus den USA.» Der Spruch «wenn Amerika hustet, bekommt die Schweiz die Grippe», gelte in dem Ausmass nicht mehr. «Aber einen argen Schnupfen bekämen wir schon.» (jak)

Erstellt: 15.08.2010, 14:41 Uhr

Wirtschaft

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