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Der perfekte Wirtschaftsabsolvent

Von Claudia Imfeld. Aktualisiert am 16.05.2011 25 Kommentare

Wer Wirtschaft studiert, ist auf dem Markt gefragt. Doch wo rekrutieren Unternehmen Wirtschaftsabsolventen am liebsten?

Buhlen um Top-Absolventen: Die KPMG setzt sich mit einem Wissensquiz mit Sven Epiney in Szene.

Buhlen um Top-Absolventen: Die KPMG setzt sich mit einem Wissensquiz mit Sven Epiney in Szene.
Bild: Christoph Kaminski

Emmanuelle Belin-Batard leitet das Nestlé Recruitment Competence Centre Switzerland.

Nestlé sucht Praktiker

«Es fehlt manchem an Selbsteinschätzung»

Für Wirtschaftsstudierende ist Nestlé auch in der neusten Universum-Umfrage der Wunscharbeitgeber Nummer 1. Wer hat eine Chance auf eine Stelle?

Frau Belin-Batard, wie viele Bewerbungen von Studierenden erhält Nestlé pro Jahr?
Etwa 1000 – aus verschiedenen Ländern für Stellen in der Schweiz und im Ausland.

Wirtschaftsabsolventen stellt Nestlé in der Schweiz pro Jahr 30 bis 40 an. Wer bekommt die Stellen?
Sprachen und gelebte Multikulturalität sind enorm wichtig bei uns. Auch verlieren heute Hierarchien immer mehr an Bedeutung. Was zählt, ist die Fähigkeit, in Netzwerken erfolgreich navigieren zu können. Hinzu kommt das Übliche: Initiative, Teamwork und so weiter.

Ist es schwierig, in der Schweiz gute Wirtschaftsabsolventinnen und -absolventen zu finden?
Grundsätzlich nicht. Allerdings ist nicht allen Studierenden klar, was in der Praxis auf sie wartet, und es fehlt manchen an Selbsteinschätzung. Bewerbungsinterviews gleichen immer wieder eher einem Gespräch beim Berufsberater: Die Bewerber wissen noch nicht, was sie mit sich und ihrer Zukunft anfangen sollen. Aber unser mehrstufiges Rekrutierungsprogramm mit Interviews, Präsentationen und Aufgaben zeigt uns schnell, wer ein Flair hat für unsere Art zu arbeiten.

Welche Rolle spielen Noten und die Schule, von der man kommt?
Noten sind ein Punkt unter vielen. Wichtiger sind Praktika. Wir brauchen Leute, die nicht nur einen Werkzeugkasten auf den Weg bekommen, sondern auch wissen, welches Werkzeug man wann am besten einsetzt. Wir rekrutieren gerne von universitären Hochschulen und Fachhochschulen, die das fördern. Und wenn die Internationalität – wie an der ETH zum Beispiel – bereits ein fixer Bestandteil des Studiums ist, umso besser. (cim)

Gab sich Mühe, ein junger Topshot der Wirtschaft zu sein: Jim Eastwood, Kandidat in der britischen TV-Show «The Apprentice».

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In der Schweiz studieren derzeit fast 20'000 Personen allein an den Universitäten im Bereich Wirtschaft. Der Markt wartet auf sie. «Die Wirtschaftskrise hat sich bei den Ökonomieabsolventen nur kurz bemerkbar gemacht», sagt Timon Ruther, Geschäftsführer von Academics 4 Business, spezialisiert auf die Vermittlung von Uni- und Fachhochschulabgängern. Auch Markus Kühne, Leiter der Career Services an der Hochschule St. Gallen, stellt fest: «Die Unternehmen sind wieder sehr aktiv – viele unserer Absolventen werden dieses Jahr zwischen mehreren Job-Angeboten wählen können.»

Die Wirtschaft buhlt gezielt um den Nachwuchs. Grossfirmen haben spezialisierte Abteilungen, die an Hochschulen Image-Arbeit leisten und an Job-Messen und in Workshops Kontakte knüpfen. Um die Besten zu bekommen, muss man «ideenreich und schnell» sein, sagt Alexander Senn von KPMG Schweiz. Das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen hat kürzlich ein Wissensquiz durchgeführt, um sich als potenzieller Arbeitgeber zu präsentieren. KPMG stellt jedes Jahr rund 200 Hochschulabgänger an – 80 Prozent davon Ökonomen. Viele Absolventen kämen von Fachhochschulen, sagt Senn. «Was zählt, sind Kommunikationsfähigkeit und Auftreten, weil die Leute ab dem ersten Tag im Kundenkontakt stehen.» Fachlich müssten alle Neueinsteiger zusätzlich «on the job» ausgebildet werden. Auch bei der Credit Suisse, die jährlich rund 300 Absolventen ein internes Trainingsprogramm anbietet, heisst es: Es zählt nicht allein der Abschluss, sondern das Gesamtprofil.

Unrealistische Vorstellungen

Dennoch ist Wirtschaftsstudium nicht gleich Wirtschaftsstudium. André Haelg, Leiter der ZHAW School of Management and Law, bezeichnet seine Studierenden als «ausgewiesene Praktiker». Sie hätten meist bereits eine Lehre hinter sich und seien «in der Regel sofort umfassend einsetzbar». Personalvermittler Ruther beobachtet, dass deshalb gerade KMU gerne Wirtschaftsabsolventen von Fachhochschulen rekrutieren. Den meisten KMU fehlten schlicht die Ressourcen, um Uniabsolventen ohne Berufserfahrung erst zu schulen. Laut Ruther schätzen Fachhochschulabsolventen ihren künftigen Job oft auch realistischer ein – «mit anfänglich kleinem Kompetenzspielraum und unspektakulären Aufgaben wie Powerpointpräsentationen und dergleichen». Manche Uniabsolventen hingegen glaubten, sie würden «gleich ein Team leiten und Strategien entwickeln».

Bei vielen Beratungsfirmen, gerade in der Strategieberatung, sind vor allem Uniabgänger beliebt: «Bei den Kunden der Beratungsfirmen macht sich ein Uniabschluss nach wie vor besser als der einer Fachhochschule», sagt Ruther. Ausserdem sei der analytische Teil der Arbeit in diesem Bereich sehr wichtig und analytisches Denken bei Universitätsabgängern sehr ausgeprägt: «Absolventen von Universitäten und Fachhochschulen gehen Probleme anders an.»

Lieber «siezen»

Unterschiede gibt es auch zwischen den Wirtschaftsabsolventen der Hochschulen: «Wer von der HSG kommt, tritt selbstsicherer auf als andere und lässt sich zum Beispiel gerne siezen», so Ruther. Auf dem Markt hätten sie nach wie vor die besten Chancen. Markus Kühne von der HSG formuliert es so: «Einer der Vorteile der HSG-Studenten ist sicherlich, dass die Wirtschaft sehr gut weiss, welche Qualitäten sie mitbringen.»

Ruther vermutet, dass etwa bei der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Uni Zürich die Beziehungsnetze in der Privatwirtschaft noch nicht gleich spielen wie an der HSG. Die Fakultät schneidet in Rankings zwar top ab. Das sei bislang aber noch nicht zu den Unternehmen durchgedrungen. Probleme, einen Job zu finden, kennen allerdings auch die Wirtschaftsabsolventen der Uni Zürich kaum: Ein Jahr nach Abschluss arbeiten praktisch alle, ein Fünftel im unteren oder mittleren Kader, wie eine Befragung 2007 ergab. Klar ist: Praxiserfahrung ist ein gewichtiger Startvorteil – egal, von welcher Schule man kommt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.05.2011, 20:40 Uhr

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25 Kommentare

Norbert Rufer

16.05.2011, 10:00 Uhr
Melden 46 Empfehlung

In meinen Augen ist die grosse Masse der Wirtschaftsabsolventen von Universitäten und insbesondere von Fachhochschulen ebenso überbewertet wie überbezahlt. Ich möchte nicht verneinen, dass es auch hervorragende Ökonomen mit grossen analytischen Fähigkeiten gibt, doch wer schon einmal in den Genuss einer Wirtschaftsvorlesung kam, der stimmt mir womöglich zu. Antworten


Marcel Kraus

16.05.2011, 08:41 Uhr
Melden 39 Empfehlung

Es fällt mir auf, wie oberflächlich und eindimensional das Campus Recruiting in diesem Beitrag dargestellt wird. Viel ist die Rede von Rankings, Top Absolventen, den Besten, Wissensquiz etc. Die Kaderselektion degeneriert zur unterhaltsamen Casting Show mit 1000 Kandidaten und 30 Gewinnern (siehe Nestlé). Die Qualität der so ausgewählten High Potentials entspricht dem Eurovisionswettbewerb 2011. Antworten



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