Wirtschaft
Der gefährliche Preiskampf am Schweizer Immobilienmarkt
Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 21.01.2010 32 Kommentare
Artikel zum Thema
Es bestehe eine «gewisse Befürchtung», dass es im Immobilienbereich der Schweiz zu «Verzerrungen» komme. Diese Aussage des frisch gebackenen Nationalbankpräsidenten Philipp Hildebrand in einem Interview der letzten «SonntagsZeitung» hat überrascht. Auch die Bankenaufsicht Finma will diesen Markt genauer unter die Lupe nehmen (siehe «Artikel zum Thema»). Branchenkenner können in der Schweiz bisher keine Anzeichen für eine Preisblase ausmachen. «Wir haben dafür bisher keine Hinweise», sagt Lorenz Heim, Hypothekenexperte beim Vermögenszentrum (VZ).
Hildebrand selbst hat im Interview erklärt, die Schweizerische Nationalbank SNB habe «nur wenig explizite Evidenz» für eine Fehlentwicklung bei den Immobilien. Es liege aber in der menschlichen Natur, dass bei den tiefen vorherrschenden Zinsen Übertreibungen drohen könnten. Das SNB hält die Zinsen tief, um die schwache Schweizer Konjunktur zu stützen.
Dumpingpreise bei der UBS?
Die verklausulierte Warnung Hildebrands könnte sich auf das Verhalten der UBS oder auch der Raiffeisenbanken beziehen. Die UBS unterbietet offenbar im Kampf um Anteile im Hypothekenmarkt die von ihr selbst publizierten Sätze. Das stellt das Hypothekenzentrum, welches zum VZ gehört, zumindest bei ihren Kunden fest. «Wir beobachten, dass die UBS die Hypotheken teilweise deutlich unter den risikogerechten Sätzen anbietet», sagt Heim. Es scheine fast so, als tue die Grossbank alles, um im Geschäft zu bleiben, folgert der Hypothekenexperte.
Die UBS selbst bestreitet das. «Wir sind bemüht, unseren Kunden attraktive Angebote zu machen», sagt Sprecher Andreas Kern. Zudem würde die UBS, wie andere Banken auch, in beschränkten Zeitperioden Aktionen anbieten, in keinem Fall aber zu Dumpingpreisen.
Das Risiko des Preiskampfs
Banker bestätigen, dass der Preiskampf bei den Hypotheken über die Zinsen sehr hart geführt wird. Das gilt für alle Institute. Es sei auch nicht so, dass die UBS immer die günstigsten Sätze im Angebot habe, auch sie werde zuweilen unterboten. Besonders die Raiffeisenbank gilt als besonders aggressiv. Das ist auf den ersten Blick eine gute Botschaft für potenzielle Hauskäufer. Für die Volkswirtschaft insgesamt ist das allerdings gefährlich.
Werden Hypotheken zu billig vergeben, könnte sich auf den Immobilienmärkten eine Blase bilden. Die Erfahrung mit dem Platzen einer solchen im so genannten «Subprime»-Immobiliensegment der USA haben gezeigt, welche Gefahren drohen: Das hat erst die Banken und dann auch die Gesamtwirtschaft weltweit in eine schwere Finanzkrise gestürzt. Anfangs der Neunzigerjahre hat auch die Schweiz eine schwere Immobilienkrise erschüttert. Wenn die Immobilienpreise drastisch fallen, kann auch in der Schweiz ein grosser Teil der Bevölkerung praktisch über Nacht überschuldet sein, was auch die Banken ins Wanken bringen würde. (Bernerzeitung.ch/Newsnetz)
Erstellt: 21.01.2010, 13:48 Uhr
KOMMENTAR SCHREIBEN
32 KOMMENTARE
Es ist doch schön, wenn wenigstens auf einem Gebiet bei den Banken der Konkurenzkampf besteht. Wenn die Regeln beim Immobillienmarkt eingehalten werden profitieren alle, die Eigenheimkäufer, die Bauleute und die Banken. Was soll diese Gerede von einer Immobilienblase in der Schweiz, wo 80% zur Miete wohnen?
Jeder der sich jetzt noch mit der UBS einlässt handelt leicht fahrlässig. Zuerst muss dort im Management ausgemistet werden.
Wir müssen uns schon mal entscheiden, was wir wollen: "Freie Marktwirtschaft", wo der "Preiskampf" letztlich sogar vorgschrieben ist und Preisabsprachen streng bestraft werden, oder eben eine (Teil-)regulierte Wirtschaft. Nun spricht in gewissen (wenigen!) Bereichen nichts gegen Regulierungen. Bei den Banken (wie beim Luftverkehr) sinnvollerweise teilweise international abgestützt.
@Hanhart: Vor x Jahren wurde gesagt, dass nie etwas fliegen würde, das mehr wiegt als Luft. Gestern flog der A380 über den Titlis... Ich bin auch der Meinung, dass die Schweiz besser gewappnet ist als die USA, aber ausschliessen sollte man einen solchen "Hosenlupf" nicht, schon gar nicht, wenn man die Preise im Raume Zürich sieht...
Die Gefahr einer Blase ist kaum vorhanden. Nicht von tiefen Zinsen aus lauern Gefahren; diese kommt viel mehr aus Ueberbelehnungen, welche über 80% - 90% oder noch höher gehen. In diesen Punkt haben die Banken gelernt aus den 90er Jahren. Es ist zu billig, die jüngsten US-Verwerfungen auch für den hiesigen Markt kolportieren zu wollen. Der Ertragsausfall bei Hypo-Banken ist eine andere Sache!
Als UBS-ler, der täglich mit Kunden zu tun hat, erinnere ich mich gut, dass wir noch vor kurzem einen sehr schweren Stand bei Hypos hatten und regelmässig von Kantonal- und Raiffeisenbanken deutlich unterboten wurden - jetzt wird bei uns schärfer kalkuliert, schon wirft der Tagi uns Dumpingpreise vor. Wieso steht die UBS wieder im Fokus? Was ist mit Migrosbank und Co? Etwas Fairness wäre schön.
Typisch UBS: Bei tiefen Zinsen Kunden binden - Bei hohen Zinsen kräftig Gewinne einfahren! Diese Hypo-Strategie verfolgt die UBS schon seit längerem, ist also nichts besonderes.
Man sollte endlich verbindliche Richtlinien für Hypothekarbelastungen einführen: Wer nicht min 20% Eigenkapital hat kriegt nichts und niemand kriegt mehr als er bei einem Hyposatz von 5% noch zahlen kann. Sonst haben wir bald ein ähnliches Schlamassel wie in den späten 80er.
Im Grossraum Zürich sind die Immobilienpreise in den letzten 5 Jahren um 26 Prozent- und die Mietzinsen um 17 Prozent angestiegen. Zum Vergleich: 2005- also vor dem Platzen des Bubbles- sind die Immopreise in den USA um 17 Prozent angestiegen- in einem einzige Jahr, wohlverstanden! Zudem ist die Kreditvergabe in den USA wesentlich lascher: Ohne Eigenmittel kriegt man auch Geld von den Banken.
Das ist die logische Folge, wenn kriminelle Firmen subventionert statt gesamtvollstreckt und die frei werdenden Maerkte der Konkurrenz ueberlassen werden. Nebst der Verschleuderung von Volksvermogen wird zwangsleufig auch die ehrliche Konkurrenz dem Doemping dank Staatshilfe und -Beguenstigung ausgesetzt....
UBS bietet Hyoptheken nicht zu Dumpingpreisen an... es gibt immer noch günstigere: Beispiele: bei den kurzfristigen Hypotheken die Migrosbank; bei der 10jährigen die BKB mit ihrer welcome-Hypothek oder ganz allgemein die Versicherungen. Der Markt bietet attraktive Hypotheken an, nicht die UBS mit "Dumpingpreisen"... Der sogenannte "Marktbeobachter" kennt anscheinend nicht den ganzen Markt...
CH-Banken prüfen Schuldner- Bonität mit kalkulatorischem Zinssatz von 5%. Eigenkapital in der Grössenordnung 15-20% muss ebenfalls vorhanden sein. Ein Steigen der Immobilienpreise hat wenig mit tiefen Zinsen - jedoch mit Spekulationskäufen (nicht für Eigenbedarf) und mit Zuwanderung zu tun.
Das Gefahrenpotential wird überschätzt. Kritisch wird es erst, wenn Banken auf breiter Front von der 80-1/3-5-Regel abfallen (max.80% Hypokapital, max. 1/3 des Einkommens für Wohnen, 5% Zinssatz als langfristige Berechnungsgrundlage). Tiefe Hypozinsens hingegen sehe ich nicht als Problem.
Die Schweiz hat keine Unmenge am Bauboden wie USA oder Russland. Darum sind die Preise hoch. Wo keinen Baugrund gibt, schnellen die Preise in die Höhe. Diese Entwicklung ist normal. Im Kanton Zürich gibt es ausser einpaar wenigen Wohnungen keinen Bauboden mehr. Ansonsten geht man doch in die Agglomeration und baut dort, wo Baugrund noch billig ist. Nur keine Panik! Die Russen kaufen doch alles.
Herr Hildebrand ist wie jemand der alles mit Benzin flutet und dann Explosionsgefahr ruft. Unser Geldsystem ist ein Schneeballsystem am Ende des Kreditzykluses und kann nur durch exponentielle Krediterweiterung eine gewisse Zeit weitergehen. Daher muss das Geld immer Billiger werden und die Anforderungen ständig nach unten angepasst werden. Sobald die Zinsen steigen fliegt uns Alles um die Ohren.
@Vogelsanger: Genau so funktioniert es. Wenn nur noch Spekulanten oder "die Vermögenden" und Ausländer in der Schweiz die Preise hochdrücken, wäre es wirklich kein Problem. Eine Preiserhöhung der Immobilien der letzten 5 Jahre um ca. 50% sollte doch der normalo für angepasst halten. Freuen tuts die Spekulanten...Her mit dem billigen Geld, dann mach ich mehr!
Also die Rechnung ist doch ziemlich einfach, die Bank bezahlt der Nationalbank 0.25% Zins und vergibt Hypotheken zu 2% , macht 1.75% Gewinn, bei 1Mio Hypothek macht das 17'500 CHF Gewinn pro Jahr.
Obama unter Naturschutz. Unter Clinton wurde in Amerika ein Gesetz eingeführt, das den Banken vorschrieb, allen amerikanischen Bürgern - ob arbeitslos, verschuldet, ohne Eigenkapital - Hypothekardarlehen zu gewähren. Obama war damals oberster Polizist für dieses Gesetz. Viele Banken wurde gebüsst, die das Unheil kommen sahen. Als die Häuserpreise nicht mehr stiegen, kam es zur grossen Krise.
Es sind Versuche, wieder in den Markt zu kommen. Marketingtechnisch ein guter Zug. Jetzt, wo viele sich mit den TATSACHEN aus der Vergangenheit abgefunden haben und alternative Anlagepartner evaluierten, muss wieder ein Zustrom an Kunden erwirkt werden. Werterhalt ist möglich, aber nur auf realistischen Preisbasen. Die Anlageberater werden es schon richtig machen. Sind ja jetzt unter Beobachtung.
Blase ist dann, wenn die Leute nicht mehr investieren sondern spekulieren. Und grad in der Immobranche ist das seit einiger Zeit der Fall. Wie immer sind die die zuletzt kommen dann die Dummen. Der Dumme ist niemals die Bank. Dotcom schon vergessen?
@Hanhart: Anfang 1900 sagten die grössten Wissenschaftler, dass nie etwas fleigen wird, was schwerer als Luft wiegt. Gestern landete vielbejublet der A380... Ich glaube nicht, dass wir in eine gleich tiefe Krise rutschen werden wie die USA, aber auch wir sind nicht gefeit, dazu ist das Gesamtsystem zu komplex, zu verwirtt und zu undurchschaubar.
Mich würde interessieren was "risikogerechte" Hypothekarsätze sind. Libor ist bei 0.15% - wo bitte schön soll die Bank das Geld den sonst anlegen ? Wenn sie in Aktien investiert ist sie der böse Spekulant. Man kann es den Kritikern nie recht machen.
@ronald rüegg hypotheken werden heute nicht mit sparkkapital finanziert! das war einmal so. das risiko ist mit den tiefen zinsen sicher höher, aber wenn die banken sich an die 5%regel be der vergabe halten ist es weiterhin absolut kein problem!
Realitaetsverweigerung in den Kommentaren: Auch in der Schweiz zahlen Menschen ihre Kredite nicht ab, weil es Steuervorteile bringt und die Zinsen extrem niedrig sind. Bei steigenden Zinsen und schwindenden Steuervorteilen faengt dieser Markt an zu kippen und dann blickt die UBS in der Heimat in den Abgrund. Die Marktgesetze wirken auch in der Schweiz, die Frage ist nur wann.
Man darf die Risiken einer Hypothekarfinanzierung nicht mit dem allgemeinen Zinskonkurrenzkampf in Verbindung bringen! Die Schweizer Banken prüfen die Hypothekarfinanzierung viel umfassender als dies in den USA getan wurde (u.a. durch Maximalbelehnung / Tragbarkeitsrechnung). Wenn also das Geschäft seriös ist, bieten die Banken solche Zinse auf Kosten ihrer Marge und auf nichts anderes!!!
Eventual-Szenarien mit Bezug auf die US Suprime-Krise sind verfehlt, weil hier keine privaten Konsumschulden via Hypothekarkredit finanziert werden. Zudem sind Schweizer Immobilien dank modernster Energiestandards nachhaltige Investitionen mit steigendem Wert und grossem Sparpotential. All dies war in den USA nicht gegeben. Von drohenden Preisblasen oder Krisen zu sprechen ist deshalb grundfalsch.
Das eigentliche Problem liegt m.E. darin, dass die UBS um im Markt zu bleiben einerseits die Sparkonditionen (Kassenobligationen, etc.) klar über dem Markt halten muss und andererseits bei den Hypotheken eher am untersten Ende liegt. Dies könnte bedeuten, dass die UBS höchstwahrscheinlich mit zu tiefen Margen operieren muss was auf die Dauer zu weiteren Problemen führen dürfte....
So wie es aussieht, haben da einige noch nicht begriffen, wie und weshalb die sogenannte Wirtschaftskrise ins rollen kam. Mit "Günstigen" Angeboten hatte auch damals die Bank geworben. Die Kunden freuts...bis der Zins steigt und die Preise der Güter wieder fallen. Viel Glück in der nächsten Spielrunde. Money-Poly
Erst jammern alle, die UBS sei zu teuer und nicht attraktiv. Nun, da die Bank die Eigenmarge senkt ist es auch wieder nicht recht. Es war doch immer schon so, dass publizierte Hypozinsen einen Richtwert darstellten und die Banken eigene Bewertungen über die finanzielle Leistungsfähigkeit der Kunden vornahmen. Das machen alle so. Auch die ZKB und CS; und ja, besonders Raiffeisen und Clientis.
In der Boomregion Zürichsee sitzen wir längst auf einer Immobilienblase. Wenn eine 106m2 Eigentums-Wohnung in Erlenbach 1,7 Millionen Franken kostet (vor 1 Woche im Tagi so angeboten), ist das schon längst irreal und eine direkte Folge der extrem tiefen Zinsen und der massiven Zuwanderung. Beide Faktoren werden ändern, und die Preise werden deutlich abrutschen.
Super....Stillschweigend die Depotgebuehren von 20 auf 25 Basispunkte anheben und dann bei den Hypotheken tief reinhauen.....Die Depotgebuehrenerhoehung ist wohl der Dank fuer die Treue waehrend der Krise....Hoffentlich merken das noch andere und ziehen ihr Geld ab. Ich auf jedenfall bin nun wirklich am Anschlag mit dieser Bank
Tiefe Hypozinsen allein können nicht zu Ueberschuldung führen. Dazu braucht es eine verantwortungslose Kreditvergabe, die es aber auch bei hohen Zinsen geben kann. Solange die Kreditgeber Immobilien vernünftig bewerten und ausreichend Eigenkapital verlangen bringen tiefe Hypozinsen keine Nachteile und Gefahren. Gefährlich wird es erst, wenn fremdfinanzierte Spekulanten "Marktpreise" hochdrücken.
Wirtschaft
Meistgelesen in der Rubrik Wirtschaft
Sagen Sie es nicht! Tabusätze in der Beziehung
PublireportageEmil Frey AG Autocenter Bern
Body Coach
-
Der BodyCoach hilft Ihnen, gesund und nachhaltig abzunehmen. Er stellt einen individuellen Ernährungsplan zusammen, erstellt Einkaufslisten, schlägt Rezepte vor und unterstützt Sie beim Training.
Ihre bernerzeitung.ch
-
bernerzeitung.ch als Startseite Machen Sie bernerzeitung.ch zu Ihrer Startseite. -
Newsletter Wählen Sie, wann der Newsletter an Ihre Mail-Adresse geliefert werden soll. -
RSS-Feeds Abonnieren Sie die Schlagzeilen von bernerzeitung.ch -
bernerzeitung.ch auf facebook.com Werden Sie ein Freund / eine Freundin von bernerzeitung.ch -
Twitter-Feed Folgen Sie bernerzeitung.ch auf twitter.com





