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Der US-Jobmarkt wird zur Chefsache

Von Bernhard Fischer. Aktualisiert am 31.08.2011 10 Kommentare

Das Fed bekommt den Arbeitsmarkt nicht in den Griff. Jetzt kündigt US-Präsident Barack Obama fiskalpolitische Massnahmen an, um den Konsum zu stützen – und damit die endgültige Rezession abzuwenden.

Der US-Konsum ist mit dem Arbeitsmarkt eng verwoben, weshalb Obama nicht mehr dem Fed allein das Feld überlassen will: US-Präsident Barack Obama spricht mit einer Fabrikleiterin in Michigan über die angespannte Jobsituation.

Der US-Konsum ist mit dem Arbeitsmarkt eng verwoben, weshalb Obama nicht mehr dem Fed allein das Feld überlassen will: US-Präsident Barack Obama spricht mit einer Fabrikleiterin in Michigan über die angespannte Jobsituation.
Bild: AFP

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Die US-Wirtschaft stöhnt unter den schlechten Arbeitsmarktdaten. Die Arbeitslosenquote betrug zuletzt 9,1 Prozent, fast 14 Millionen Arbeitskräfte sitzen in den USA auf der Strasse. Das alarmiert jetzt das Fed gleichermassen wie die Obama-Regierung. Hatten die US-Regierung und das Federal Reserve System bisher die Kapitalmärkte und das globale Wirtschaftswachstum im Auge, geht es jetzt um einen der wesentlichsten Eckpfeiler der US-Wirtschaft: den Konsum. Wenn sich die Bürger ihr Eigenheim oder ihr Auto nicht mehr leisten können, dann steht das Rezessionsgespenst vor der Tür. Werden weniger Produkte gekauft, sinkt der Absatz, die Kapazitäten werden zurückgefahren, noch mehr Leute werden entlassen – Preisniveau und Wirtschaftsleistung sinken in den Keller.

Obama holt Krueger an Bord

Deshalb hat US-Präsident Barack Obama jetzt die Schaffung neuer Jobs zum Dreh- und Angelpunkt der US-Wirtschaftspolitik gemacht und gestern den US-Ökonomen und Wirtschaftsweisen Alan Krueger ins Beraterteam geholt. Eine Million Arbeitsplätze will Obama mit der Hilfe Kruegers schaffen. Denn die US-Regierung hat Sorge, auf einen kurzfristig wirksamen Einfluss des Fed auf die US-Konjunktur nicht mehr bauen zu können. Offenbar zu Recht, denn: «Das ist eigentlich Aufgabe der Fiskalpolitik», sagt Julius-Bär-Chefökonom David Kohl.

Das Fed hat zwar auch die Arbeitslosenquote in ihrem Mandat und soll für eine angemessene Auslastung der Kapazitäten in der Wirtschaft sorgen; nur die Inflation niedrigzuhalten, ist nicht das einzige Ziel des Fed. Aber der Spielraum dafür ist auf null geschrumpft. Deswegen hat US-Präsident Barack Obama auch angekündigt, «einiges in die Wege zu leiten, das vieles ändern könnte», Wunderwaffen seien dies aber nicht, wie die «Financial Times Deutschland» schreibt.

Bis jetzt war es das Fed, das mittels einer Erhöhung der Geldmenge und der Liquidität, dem sogenannten Quantitative Easing, versucht hat, die Investoren aus den risikofreien Assets heraus in risikoreichere Anlagen wie Aktien zu drängen, weil diese dann höhere Renditen abwerfen. Investitionen in Unternehmen sollten die finanzielle Basis der Betriebe stärken und damit die Beschäftigung ankurbeln. Bisher wurden damit aber weniger die Wirtschaft und die Beschäftigung innerhalb der USA gestärkt, sondern vielmehr die Kapitalmarkterwartungen ausserhalb der USA erfüllt. «Um die Wirtschaft innerhalb der USA nachhaltig zu stützen, müssten Obama und das Finanzministerium jetzt fiskalpolitische Massnahmen ergreifen wie etwa die Repatriierung von Unternehmensgewinnen», sagt Chefökonom Kohl. Und zwar über attraktivere Steuern und Investitionsvergünstigungen für Unternehmen.

Fed hat keine Handhabe mehr

Die Möglichkeiten des Fed, kurzfristig die US-Konjunktur zu beeinflussen, sind eingeschränkt. Dennoch will Bernanke Schützenhilfe leisten. In der letzten Septemberwoche werden die US-Zentralbanker erneut zusammentreten, um vielleicht doch noch eine weitere Lockerung der Geldpolitik zu beschliessen.

Kritiker sehen dem mit Skepsis entgegen: Am ehesten habe das Fed noch Einfluss auf den Häusermarkt, sind sich Experten einig. Banken haben in den USA – anders als in Europa – ein Recht, sich zum gegebenen Zinssatz zu refinanzieren. Damit könne man den Immobilien- und Bausektor beflügeln, und das würde die Beschäftigung auf einem direkteren Weg fördern. Das funktioniert in den USA derzeit aber nicht, weil die grossen Finanzierungsagenturen Fannie Mae und Freddy Mac, die zu einem grossen Teil sowohl die Bauwirtschaft als auch die Häuslebauer in den USA finanzieren, in einer Konsolidierungsphase feststecken. Diese sind jetzt darauf bedacht, durch Gebühren, Aufschläge und Strafzinsen an ihr Geld zu kommen.

Konsumenten unter Druck

Das erhöht wiederum den Druck auf den Konsumenten, der sich immer schwieriger refinanzieren kann. Denn trotz der Zinssenkung durch das Fed, auch für Finanzierungsdienstleister wie die genannten Agenturen, profitiert der Konsument kaum davon, weil das Kreditzinsniveau durch die Aufschläge unverändert bleibt und die niedrigen Zinsen nicht weitergegeben werden. Das drückt auf die Bonität der Konsumenten, und die Privatkonkurse steigen. Und das ist eine Gefahr für den Konsum.

«Was das Fed tun kann», so Chefökonom Kohl, «ist, mehr Geld durch die sogenannte quantitative Lockerung in den Markt zu bringen.» Dass das Geld bei den refinanzierenden Instituten hängen bleibt, darauf hat das Fed keinen Einfluss.

Die Folge davon ist, dass die Häuser für die Konsumenten unfinanzierbar werden und diese ihre Immobilien wieder verkaufen müssen. Wenn die Zahl zu verkaufender Häuser steigt, dann sinkt auch der Preis der Immobilien und damit auch der Besicherungswert, was die Kredite zusätzlich verteuert. «Auch dem kann das Fed keine Abhilfe schaffen», sagt Kohl.

US-Regierung tüftelt an Konjunkturimpulsen

Ob sich die erwartete Lockerung der Geldpolitik positiv auf die Realwirtschaft und den Konsum auswirken wird, dürfte für das Fed offenbar zur Nebensache geworden sein. Im Grunde würden sich die Massnahmen des Fed ohnehin erst mit zwei Jahren Verspätung auf die Realwirtschaft und den Konsum auswirken und damit zu spät, meint Kohl. Die expansive Geldpolitik würde erst 2013 in der Realwirtschaft ankommen. Das sei nicht vergleichbar mit der unmittelbaren Wirkung wie zum Beispiel einer Abwrackprämie durch den Fiskus.

Gefragt seien jetzt finanz- und arbeitsmarktpolitische Massnahmen Obamas, an denen laut Communiqué der US-Regierung bereits getüftelt werde. Demnächst will der US-Präsident vor die Presse treten, um zu erklären, wie er das Ruder am Arbeitsmarkt herumzureissen gedenkt. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 31.08.2011, 14:12 Uhr

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10 Kommentare

Martina Huber

31.08.2011, 14:40 Uhr
Melden 11 Empfehlung

Mit solchen Aussagen gehts weiter mit der sogenannten "Dienstmädchen-Hausse". In dieser letzten Phase verkaufen die Profi-Anleger zu hohen Kursen an ahnungslose Börseneinsteiger, die glauben, die Kurse würden noch höher, obwohl dafür jede sachliche Basis fehlt. Die Profi-Anleger fahren ihre Gewinne nach hause, die Wertvernichtung beim Kurssturz findet dann im Vermögen der Ahnungslosen statt. Antworten


Reto Zimmermann

31.08.2011, 14:24 Uhr
Melden 9 Empfehlung

Wie wär's wenn die Steueroase Delaware innerhalb der USA trockengelegt würde und dort - wenn auch nur eine minimale - Steuer eingeführt würde...? Oder gehen wir doch gleich soweit wie die USA bzw. Deutschland und England mit der Schweiz: eine Kapital- und Ertragssteuer von mind. 25 %...das würde den Staatshaushalt doch schon mal erheblich entlasten! Antworten



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