Wirtschaft
Ein Banker verdient im Schnitt 9127 Franken
Loehne 2008
Das Lohngefälle zwischen den Branchen hat in den letzten drei Jahren zugenommen: Bauarbeiter, Banker. (Bild: Keystone)
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Frauen verdienen deutlich weniger als Männer
In der Schweiz verdienen Frauen nach wie vor deutlich weniger als Männer. So lag der Medianlohn bei Frauen bei rund 5000 Franken. Bei den Männern dagegen lag dieser Lohn im vergangenen Jahr bei rund 6200 Franken. Die Lohndifferenz variiert laut BFS je nach Anforderungen des Arbeitsplatzes. Für die qualifiziertesten Arbeiten verdienten die Frauen mit einem Lohn von 6500 Franken rund 19 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Bei Aufgaben, die Berufs- und Fachkenntnisse voraussetzen, belief sich die Differenz auf zwölf Prozent und bei einfachen und repetitiven Tätigkeiten auf rund 15 Prozent. Grundsätzlich können laut dem Bundesamt für Statistik rund 60 Prozent der Differenz erklärt werden, und zwar beispielsweise mit unterschiedlicher Ausbildung und Erfahrung. Für rund 40 Prozent gebe es aber keine erklärbaren Gründe, schreibt das BFS.
Die Löhne sind in der Schweiz in den beiden Hochkonjunkturjahren 2007 und 2008 weiter angestiegen. Besonders gilt dies für die Angestellten der Banken, bei denen die Finanzkrise in der Lohnstrukturerhebung (LSE) 2008 noch wenig Spuren hinterliess.
Wie aus der vom Bundesamt für Statistik (BFS) am Dienstag veröffentlichten Studie hervorgeht, stieg 2008 der Medianlohn gegenüber 2006 um 2,6 Prozent auf 5823 Franken brutto pro Monat. Das heisst, dass die Hälfte der Arbeitnehmer in der Schweiz weniger als 5823 Fr. verdiente und die andere Hälfte mehr.
Dabei gibt es je nach Branche erhebliche Unterschiede: Am deutlichsten über dem Medianlohn lagen die Saläre der Banken mit 9127 Franken. Dahinter folgen Forschung und Entwicklung (8061 Fr.) und die Chemie (7774 Fr.). Am unteren Ende finden sich das Textilgewerbe (5026 Fr.), die Schuhindustrie (4259 Fr.) und die persönlichen Dienstleistungen (3683 Fr.).
Kontroverse um Lohnschere
Die 10 Prozent am schlechtesten bezahlten Lohnbezüger verdienten monatlich weniger als 3848 Franken. Die 10 Prozent am besten bezahlten Arbeitnehmer strichen 10'538 Franken ein. Wie bereits in der Berichtperiode 2004-2006 blieb das Verhältnis zwischen den obersten und den untersten 10 Prozent der Löhne in der LSE 2008 stabil: Der Faktor verharrte auf 2,7.
Dabei klaffen die Löhne für Arbeitsstellen mit einem hohen Anforderungsprofil deutlich stärker auseinander. Hier stieg der Faktor zwischen Hoch- und Tieflöhnen seit der letzten Erhebung von 3,5 auf 3,7 an.
Während der Direktor des Arbeitgeberverbandes, Thomas Daum, darauf hinwies, dass die Schweiz deutlich tiefere Werte als die meisten OECD-Staaten habe, hob Daniel Lampart, Ökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB), hervor, dass sich die Schere zwischen den Kadersalären und den Löhnen der meisten Angestellten damit trotzdem weiter öffne.
Lampart kritisierte dabei insbesondere die Entwicklung der Kaderlöhne im Finanzsektor. Hier nahm der Medianlohn um 6,5 Prozent auf 9127 Franken zu. Gleichzeitig stiegen die Löhne der Top- Bankkader um 38,8 Prozent auf monatlich 58'333 Franken.
Serge Gaillard, der Leiter der Direktion für Arbeit im Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), wies darauf hin, dass die Auswirkungen der Finanzmarktkrise auf die Löhne dieser Branche erst verzögert zu erwarten seien. Er freue sich aber auf die nächste Erhebung um zu sehen, ob die Boni und Löhne der Topkader in der Rezession nun symmetrisch zurückgingen.
Bonusanteil steigt
Interessant wird auch sein, ob die Finanzkrise den Vormarsch der variablen Lohnbestandteile abbremst. Seit Jahren steigt in der Schweiz die Zahl der Arbeitnehmenden an, die neben ihrem Grundlohn eine Jahresprämie erhalten. Mittlerweile sind es 27,6 Prozent aller Arbeitnehmenden. Der Durchschnitt der jährlich ausbezahlten Boni stieg seit 1998 von 6852 auf 13'068 Franken.
Mit Abstand die höchsten Prämien zahlte 2008 der Finanzsektor: Mittlerweile fast drei Viertel der Angestellten bezogen hier Boni im Schnitt von 45'300 Franken. Für Top-Stellen sind es gar 139'500 Franken. Zum Vergleich der Detailhandel: Hier bezogen 17,1 Prozent der Beschäftigten einen Durchschnittsbonus von 5280 Franken.
Rückgang der Tieflohnstellen
Zufrieden äusserten sich alle Beteiligten darüber, dass die Zahl der Tieflohnstellen mit weniger als 3500 Franken brutto pro Monat weiter zurückgeht. Sie sank von 6,2 im Jahr 2006 auf 5,4 Prozent.
Thomas Daum freute sich speziell darüber, dass diese Entwicklung nicht zu Arbeitsplatzverlusten geführt habe. Auch wenn es unpopulär sei, brauche es aber weiterhin einen Tieflohnsektor, sagte er.
Dem wollen die Gewerkschaften entgegenwirken. Nach Ansicht von Daniel Lampart hätte in den Hochkonjunkturjahren die Zahl der Niedriglohnstellen noch stärker zurückgehen müssen. In zahlreichen Tieflohnbranchen seien die Lohnerhöhungen zudem durch die Teuerung weggefressen worden. Deshalb brauche es eine Mindestlohninitiative. (sam/sda/)
Erstellt: 17.11.2009, 14:55 Uhr
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