Der Franken ist wieder gefährlich stark
Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 23.08.2010
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Eben noch schien sich die Euro-Krise für die Schweiz deutlich zu entspannen. In den ersten Tagen des laufenden Monats kostete der Euro wieder beinahe 1.39 Franken. Damit war der Franken zwar nach wie vor teuer, doch der Aufwertungstrend schien vorerst gebrochen zu sein. Noch Ende Juni lag dieser Preis unter 1.32. Die Freude war von kurzer Dauer. Der Franken legt parallel zu den steigenden Unsicherheiten auf den Weltmärkten wieder zu und liegt aktuell nur noch knapp über der Grenze von 1.31 pro Euro.
Für viele Marktbeobachter kommt die jüngste Entwicklung nicht überraschend (siehe Artikel zum Thema). Der wichtigste Grund ist, dass die Probleme im Euroraum nicht ausgestanden sind. Zwar haben in den letzten Tagen und Wochen unerwartet hohe Wachstumszahlen aus der Europäischen Wirtschaft für Schlagzeilen gesorgt, und vor allem Deutschland bewies dabei seine Rolle als Lokomotive des Kontinents. Doch diese Daten sollten nicht überinterpretiert werden. Selbst die Wirtschaft von Deutschland hat die Produktionsverluste seit dem Ausbruch der Krise noch nicht wett gemacht.
Schlechte Nachrichten von allen Seiten
Kommt dazu, dass die prächtigen Wirtschaftsdaten aus Europa nicht ein Bild der Zukunft, sondern vielmehr das der jüngsten Vergangenheit zeichnen. Die meisten Konjunkturbeobachter gehen davon aus, dass sich das Wachstum im zweiten Halbjahr abschwächen wird. Ein wichtiger Grund dafür ist die Lage in den USA. In der grössten Volkswirtschaft der Welt erhalten Ängste vor einem Rückfall in die Rezession angesichts von jüngsten Konjunkturdaten immer mehr Auftrieb. Vor allem der Arbeitsmarkt scheint sich nicht von der für das Land rekordhohen Arbeitslosigkeit von 9,5 Prozent zu erholen. Das drückt auf den wichtigsten Treiber der US-Wirtschaft: Den Konsum.
Der US-Konsum hat in den Jahren bis zum Ausbruch der Krise die Weltwirtschaft auf Trab gehalten und damit auch der Wirtschaft Europas Schub verliehen. Mittlerweile hoffen die Europäer vermehrt auf Asien mit ihrer zentralen Wirtschaftsmacht China. Doch da kühlt sich die Wirtschaft ebenfalls ab – was angesichts von Überhitzungserscheinungen dort ganz im Sinn der kommunistischen Machthaber ist. Für die Europäer ist das dennoch keine gute Nachricht. Denn ihre wirtschaftliche Führungsmacht Deutschland baut weiterhin auf Exporte.
Griechenlandkrise ist nicht ausgestanden
Auch die positiven Meldungen aus europäischen Krisenländern wie Griechenland entpuppen sich bei genauer Betrachtung als zweischneidig. Der Internationale Währungsfonds IWF und die EU bescheinigen den Griechen zwar, mit ihren Sparmassnahmen auf Kurs zu sein, weshalb ihnen das versprochene Geld ausbezahlt wird. Die Kehrseite der Medaille ist aber, dass das Land immer tiefer in die Krise abrutscht und weiterhin unklar bleibt, wie viel die Demokratie überhaupt noch erträgt. Die Kapitalmärkte drücken jedenfalls unverändert ihr Misstrauen aus. Der Zinssatz für 10-jährige Regierungsanleihen ist wieder angestiegen und wird bei mehr als 10 Prozent gehandelt. Angestiegen sind auch wieder die ohnehin schon extrem hohen Prämien für Kreditausfallversicherungen, aktuell befinden sie sich bei 8,8 Prozent, noch Anfang August waren sie tiefer als 7 Prozent.
Angesichts all dieser Unsicherheiten wird der Schweizer Franken erneut zum sicheren Hafen, der er schon in den Vormonaten war. Nur, dass damals vor allem die Unsicherheiten in Europa für den Aufwertungsdruck gesorgt haben. Jetzt kommen noch die Ängste um die USA und China dazu. Die Schweizerische Nationalbank SNB (SNBN 1089 2.06%) hat zudem erst eben wieder klar gemacht, dass sie nicht an weitere Interventionen gegen eine Aufwertung des Schweizer Frankens denkt. Schon jetzt wird sie wegen den hohen Eurobeständen in ihrer Bilanz kritisiert. Ausserdem sieht die SNB Inflationsgefahren am Horizont. Eine weitere Ausdehnung der Frankengeldmenge über Eurokäufe erhöht dieses Risiko.
Die Schweizer Exporteure haben bisher noch nicht ausgeprägt unter dem starken Euro gelitten, wichtiger war der Aufschwung in den Absatzländern. Doch wenn dieser sich nun tatsächlich abschwächt und der Franken seine aussergewöhnliche Stärke beibehält oder noch ausbaut, dann beginnt es weh zu tun. Leider spricht im Moment fast alles für ein solches Szenario. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 23.08.2010, 17:59 Uhr
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