Der Euro und die nervösen Märkte
Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 07.06.2010 21 Kommentare
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Weltweit sind die Börsen im Tauchgang. Damit setzte sich die Talfahrt fort, die Mitte April eingesetzt hat und nur von kurzen Zwischenhochs unterbrochen wurde. Seither haben die amerikanischen Börsen gemessen am Dow Jones Index rund 11 Prozent verloren und gemessen am breiteren S&P Index sogar mehr als 12 Prozent. Das gilt auch für den führenden Europäischen Index, den Euro Stoxx 50.
Die Banken waren denn auch der wichtigste Grund für den weltweiten Börsentaucher. Vor allem die Europäischen Institute mussten massiv Federn lassen. Der entsprechende Branchenindex Stoxx Banken ist seit Mitte April um 30 Prozent eingebrochen. Die amerikanischen Finanzinstitute kamen deutlich besser weg. Der entsprechende KBW-Index ist im gleichen Zeitraum «nur» um 16 Prozent gefallen. Die UBS verlor mehr als 20 Prozent, die Credit Suisse beinahe 24 Prozent. Damit mussten sie immerhin weniger Federn lassen, als die europäischen Institute insgesamt.
Schweizer Börse kam relativ gut weg
Die Schweizer Börse schloss besser ab als die grossen Handelsplätze, weil hier sogenannt defensive Unternehmen wie Nestlé, Roche oder Novartis den Leitindex SMI zu beinahe 60 Prozent dominieren. Defensiv heissen die Titel dieser Firmen, weil die Verkäufe von Nahrungsmitteln und von Pharmaprodukten nicht stark vom Konjunkturverlauf abhängen. Dank ihres Übergewichts ist der SMI seit Mitte April trotz der Entwicklung der Grossbankenaktien um weniger als 10 Prozent gefallen. Das gemeinsame Gewicht von Credit Suisse und UBS am Index liegt bei unter 14 Prozent.
Wichtigster Auslöser der Börsenreaktion war die Eurokrise. Der Link zur Börse sind die Aktien der Banken. Vor allem französische, aber auch deutsche Finanzinstitute sitzen auf Staatsobligationen von gefährdeten Staaten wie Griechenland. Mit zunehmenden Ängsten vor einem Staatsbankrott sinkt der Wert dieser Titel. Die noch von der Finanzkrise her angeschlagenen Geldhäuser könnten daher rasch wieder in existenzbedrohende Nöte geraten. Die Schweizer Banken haben offenbar nur unwesentliche direkte Engagements in diesen Titeln. Einer neuen Finanz- und Wirtschaftskrise könnten sie sich aber nicht entziehen. Vor allem um eine solche zu verhindern, haben die europäischen Staaten ein Rettungspaket im Umfang von 750 Milliarden Euro entworfen.
Im Kern eine Vertrauenskrise
Das Paket hat die Märkte allerdings bis heute nicht überzeugt. Das liegt vor allem daran, dass viele Details noch offen bleiben, aber auch weil es keine dauerhafte Lösung der Probleme im Euroraum verspricht. Ein Staatsbankrott in Griechenland wird weiterhin für hoch wahrscheinlich gehalten. Die anhaltenden Ängste um die Eurozone zeigen sich nicht nur an den Bankentiteln, sondern ebenso am Kurs der Gemeinschaftswährung selbst (siehe Bildstrecke). Sie hat gegenüber dem Franken in den letzten 24 Stunden mit einem Kurs von 1.39 Franken pro Euro ein weiteres Allzeittief erreicht.
Die Bankentitel werden ausserdem durch Unsicherheiten zu neuen Regulierungen belastet. Die Befürchtung ist gross, dass sie das Gewinnpotenzial der Finanzinstitute schmälern könnten – daran sind die Aktionäre mehr interessiert, als an den möglicherweise eingedämmten langfristigen Systemrisiken. Belastend für die Finanztitel, wie die Börsen generell, sind ausserdem wieder aufkeimende Konjunktursorgen, insbesondere nach enttäuschenden Arbeitsmarktdaten aus den USA (siehe auch dazu die obige Bildstrecke, die auch auf weitere Entwicklungen eingeht). (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 07.06.2010, 14:26 Uhr
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21 Kommentare
Betrachtet man den Stand des SMI zum DAX vor dem Abwärtstrend im Sommer 2007 und auch während der Tiefststände Anfang 2009 so scheint es, dass sich bis zum heutigen Tag der absolute wie der relative Abstand verringert hat bzw. der Dax hat sich besser entwickelt als der SMI. Hat sich nur die Zusammensetzung der Indices verändert oder wird die deutsche Wirtschaft an der Börse stärker erwartet? Antworten
Die Länder der EU haben ein Riesenproblem, da sie erstens bei der Aufnahme gewisser Länder nur so schnell wie möglich wachsen wollte und die gebotene Vorsicht und Kontrolle ausser acht lies. Zweitens Griechenland hätte man in Konkurs gehen lasse sollen und aus der EURO-Zone nehmen. Leider gibt es keine solche Pläne und die Länder der EU werden da keinen Konsens finden, da so etwas nicht vorgesehen Antworten
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