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Das Risiko tiefer Hypozinsen für Hauskäufer

Aktualisiert am 19.06.2009

Angesichts historisch tiefer Zinsen warnt die Schweizerische Nationalbank Wohneigentümer vor Übermut.

Wohneigentum wird stärker nachgefragt: Neubausiedlung im zürcherischen Baltenswil.

Wohneigentum wird stärker nachgefragt: Neubausiedlung im zürcherischen Baltenswil.
Bild: Keystone

Hauseigentümerverband

Neuer Mitgliederrekord

HEV-Präsident Rudolf Steiner gab an der DV bekannt, dass die Zahl der Verbandsmitglieder einen neuen Höchststand erreicht und erstmals die Grenze von 290'000 überschritten habe. Dies bedeute auch eine Steigerung der politischen Schlagkraft des Verbands. In seinem politischen Tour d'Horizon bekräftigte Steiner die Skepsis zu dem am letzten Mittwoch vom Bundesrat vorgelegten Gegenvorschlag zur HEV-Volksinitiative «Sicheres Wohnen im Alter». Neu in den Verbandsvorstand gewählt wurde der Zürcher FDP-Nationalrat Markus Hutter.

Nach Ansicht der Schweizerischen Nationalbank (SNB) könnten die tiefen Zinsen Wohneigentümer dazu verleiten, ihre Häuser aggressiver zu belehnen. Auch wer ein Haus kaufen will, könnte sich übernehmen. «Haushalte, die zu optimistisch kalkulieren, riskieren, in Zukunft in Schwierigkeiten zu geraten», sagte Thomas Jordan, Mitglied des SNB-Direktoriums, am an der Delegiertenversammlung des Hauseigentümerverbands (HEV) Schweiz.

Banken sollen bei Kreditvergabe vorsichtig sein

Gleichzeitig könnten sich Banken zum Missfallen der SNB zu einer aggressiven Kreditausweitung verleiten lassen, um Marktanteile zu gewinnen. «Die genaue Prüfung der Kreditrisiken und die Einhaltung der maximalen Belehnungsgrade sollten daher weiterhin im Zentrum der Kreditvergabe stehen und dürfen nicht kurzfristigem Streben nach höheren Marktanteilen geopfert werden», sagte Jordan.

In seiner Rede auf dem Säntis appellierte der designierte Vizepräsident der SNB an die Eigenverantwortung der Wohneigentümer wie der Banken. Wohneigentümer müssten auch bei deutlich höheren Zinsen in der Lage sein, ihre Hypothek zu bedienen. Die Verschuldung beim Kauf eines Hauses müsse begrenzt sein.

Zinsen können rasch steigen

Jordan verwies darauf, dass die SNB das viele Geld, das derzeit in die Märkte gepumpt werde, dereinst abziehen müsse, um das Risiko einer Inflation zu begrenzen. Das könne einen raschen und starken Anstieg der Hypozinsen zur Folge haben und zur Zahlungsunfähigkeit des Schuldners und zum Verlust des Eigenheims führen. Das würde die Banken hart treffen und die Stabilität des Finanzsystems gefährden.

Jordan warnte im Weiteren vor «Überinvestitionen». Die Erfahrung zeige, dass in längeren Phasen tiefer Zinsen die Bauaktivität unverhältnismässig stark ausgeweitet werde und am falschen Ort erfolge. Die Folge wären ein signifikanter Anstieg der Leerstände, wie ihn die Schweiz in den Neunziger Jahren erlebte, und ein Zerfall der Immobilienpreise.

In einer robusten Verfassung

Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern sei der Immobilienmarkt der Schweiz derzeit aber in einer vergleichsweise robusten Verfassung, konstatierte Jordan. Die tiefen Zinsen hätten bereits zu einer Senkung der Zinskosten der Wohneigentümer geführt. Auch die Mieter dürften mittelfristig profitieren. Damit würden die Haushalte finanziell entlastet, und sie hätten mehr Spielraum für Konsum und Investitionen. Das trage in der aktuellen Rezession zur Stabilisierung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage bei.

Nach Angaben Jordans verlangsamte sich das Wachstum der Häuserpreise zuletzt auch in der Schweiz. Die Preise blieben seit letztem Sommer aber annähernd stabil. Die Wohnbauvolumen gingen etwas zurück. Das weiterhin hohe Niveau der Baubewilligungen deute aber auf keinen starken Einbruch des Wohnbaus hin. Es seien auch keine Anzeichen einer Kredit-Klemme für Wohnhypotheken zu erkennen. (vin/sda)

Erstellt: 19.06.2009, 15:46 Uhr

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