Das Problem mit unserem Franken

Nach Norwegen ist der Big Mac in der Schweiz am teuersten. Das zeigt der jüngste Index des «Economist». Ein starker Franken ist ein Handicap für die Schweizer Wirtschaft.

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Seit Jahren veröffentlicht das britische Wirtschaftsmagazin «The Economist» den Big-Mac-Index. Es ist eine einfache Art zu messen, ob eine Währung unter- oder überbewertet ist. Der Burger bietet sich für diesen Vergleich an: Er wird rund um den Globus auf exakt die gleiche Art hergestellt. Deshalb kann man anhand seiner Preise auf einen Blick erkennen, wie gross die Kaufkraftparität eine bestimmten Währung ist, mit anderen Worten: Wie viel Big Mac man mit Euros, Yen oder Yuans kaufen kann. Gemessen wird in Abweichungen des Preises eines Big Macs in den USA.

Die Resultate des jüngsten Big-Mac-Index dürften bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB) keine Freude auslösen: In der Schweiz ist derzeit ein Big Mac 68 Prozent teurer als in den USA. Nur in Norwegen zahlt man noch ein bisschen mehr (plus 72). Überall sonst auf der Welt ist der gebratene Hamburger deutlich billiger. In Deutschland und der restlichen Eurozone beträgt die durchschnittliche Abweichung 29 Prozent. In Asien ist der Big Mac durchwegs billiger zu haben, am günstigsten in Hongkong (minus 52 Prozent).

Nur ein Massstab

Natürlich ist der Big-Mac-Index nur ein sehr primitiver Währungsvergleich. Der Preis der gebratenen Hamburger hängt auch ab von der Ladenmiete und den Löhnen der Angestellten. Diese Kosten lassen sich nicht so einfach länderübergreifend vergleichen. Das Problem, das der Big Mac-Index aufzeigt, ist hingegen sehr aktuell. Ein starker Franken ist für die stark exportorientierte Schweizer Wirtschaft ein grosses Handicap. Die schleppende hartnäckige Stagnation der Schweizer Wirtschaft in den Neunzigerjahren war zum grössten Teil die Folge eines überbewerteten Frankens.

Die SNB unternimmt alles, um eine Wiederholung dieser Zustände zu verhindern. Sie hat deshalb bereits im März angekündigt, eine Geldpolitik der «quantitativen Lockerung» zu betreiben. Hinter diesem komplizierter Begriff versteckt sich ein simpler Tatbestand: Die SNB macht alles, um den Franken nicht zu stark werden zu lassen. Im Auge hat sie dabei vor allem den Euro – die Währung der wichtigsten Kunden der Schweizer Wirtschaft – und natürlich den Dollar.

Keine leere Drohung

Die «quantitative Lockerung» ist keine leere Drohung der SNB geblieben. Um den Franken zu schwächen, hat sie bereits mehrmals an den Devisenmärkten interveniert. Von den anderen Notenbanken wird dies gar nicht gerne gesehen. Die SNB muss sich den Vorwurf gefallen lassen, sie betreibe eine protektionistische Geldpolitik. Die SNB hingegen rechtfertigt ihre Interventionen, sie wolle auf diese Weise eine Deflation in der Schweiz verhindern.

Angesichts der gigantischen Verschuldung, die die Bekämpfung der Krise nötig gemacht hat, werden Interventionen der Notenbanken auf den Devisenmärkten zum Spiel mit dem Feuer. Im schlimmsten Fall droht einer Wiederholung der Währungskriege der Dreissigerjahre. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

(Erstellt: 20.07.2009, 15:09 Uhr)

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