Das Franken-Wunder ist passé

Nach einer rätselhaften Abschwächung bis Monatsbeginn hat der Franken mittlerweile wieder deutlich zugelegt. Die eingestandene Impotenz der SNB ist ein Grund dafür.

Wieder da, wo er Mitte Januar lag: Entwicklung des Frankenkurses gemessen am Preis des Euro.

Wieder da, wo er Mitte Januar lag: Entwicklung des Frankenkurses gemessen am Preis des Euro. Bild: Interactive Data

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die überraschende Abwertung des Frankens im Januar ist Vergangenheit. Während der Euro noch zu Monatsbeginn rund 1.12 Franken gekostet hat, sank der Preis der Gemeinschaftswährung gestern Abend auf unter 1.09 Franken, heute Morgen liegt er wieder leicht höher. Ein tieferer Preis für den Euro ist Ausdruck eines stärkeren Frankens und umgekehrt.

Angesichts der Krise auf den Kapitalmärkten und den Ängsten um die Grossbanken Anfang Jahr war es ein Rätsel, warum der Franken angesichts seiner Rolle als sicherer Hafen nicht erneut unter Aufwertungsdruck geriet und sogar so stark abgewertet hat wie noch nie seit der Aufhebung der Euro-Franken-Untergrenze durch die Schweizerische Nationalbank (SNB). Mit grosser Wahrscheinlichkeit war es ein Mix verschiedener Faktoren, der zu diesem Ergebnis geführt hatte: So wohl vor allem der Umstand, dass der US-Dollar angesichts der erwarteten Zinserhöhungen durch die US-Notenbank (Fed) ebenfalls als sicherer Hafen wahrgenommen wurde, was die abschreckende Wirkung von Negativzinsen verstärkt hat und es der SNB mit relativ geringen Devisenmarktinterventionen (Eurokäufen) ermöglichte, die Abschwächung zu verstärken. Derivatstrukturen etwa von Hedgefonds auf den Devisenmärkten tun dann das Übrige, um einen Trend zu verstärken: Etwa wenn solche Investoren durch offene Kredite, Leerverkäufe oder Optionen auf die anhaltende Stärke des Frankens gesetzt haben und dann gezwungen sind, Franken zu verkaufen, um Verluste zu vermeiden.

Ein verschärfter «Währungskrieg»

Dass nun der Franken gegenüber dem Euro bereits wieder auf Werten notiert, wo er noch vor seiner Abschwächung Mitte Januar lag, stützt die obige Analyse, gemäss der die Entwicklung von Anfang Februar nicht auf eine fundamental neue Ausgangslage zurückging und die Abwertung keinen Bestand haben konnte.

Ein weiterer Grund, der die erneute Frankenaufwertung befeuert haben dürfte, ist aber auch der Umstand, dass das Thema «Währungskrieg» und die Impotenz der Notenbanken stark an Bedeutung gewonnen haben. Angesichts der globalen Nachfrageschwäche sind alle grossen Wirtschaftsblöcke an einer Abschwächung ihrer Währung gegenüber anderen interessiert, um so über Exporte die fehlende Nachfrage zu generieren. Wer sich dem entzieht, hat das Nachsehen. Seine Exporte leiden und billigere Importe verdrängen einen Teil der inländischen Nachfrage. Ökonomen sprechen deshalb von einer Beggar-thy-Neighbour-Politik, was so viel bedeutet wie den Nachbarn zum Bettler machen.

Deshalb war auch in den USA die Begeisterung über die relative Stärke des Dollars alles andere als gross. Noch im Dezember hat das Fed seine Leitzinsen um 0,25 Prozent angehoben und angesichts einer relativ stabil erscheinenden Wirtschaftsentwicklung die Erwartung einer Reihe weiterer Anhebungen im laufenden Jahr geschürt. Davon ist mittlerweile keine Rede mehr. Aus den Marktpreisen lässt sich gerade noch die Erwartung von zwei Zinserhöhungen im Herbst herauslesen. Unter Ökonomen spricht man bereits von der Möglichkeit einer Rezession, und es wird öffentlich debattiert, ob auch das Fed seinen Zins nicht nur zurück auf null Prozent, sondern sogar in den negativen Bereich senken soll.

Der Dollar fällt als Alternative aus

Das hat beim Aussenwert des Dollars Spuren hinterlassen. Während die US-Währung ebenfalls Ende Januar und Anfang Februar angesichts der damals noch besseren Einschätzung zur US-Wirtschaft und höheren Leitzinserwartungen deutlich zugelegt hat, hat sie seither ebenfalls wieder eine deutliche Abschwächung erfahren. Die Entwicklung zeigt sich auch anhand der Entwicklung des Zinsniveaus, wie es an der Rendite der US-Staatsanleihen gemessen wird: Auch dieses ist in der gleichen Zeit über alle Laufzeiten deutlich gefallen. Mit anderen Worten: Die Rolle des Dollars als Sicherer-Hafen-Alternative zum Franken hat deutlich an Strahlkraft eingebüsst, damit entfällt ein wichtiger Grund für eine Aufwertung des Frankens sowohl gegenüber dem Euro als auch dem Dollar.

Dazu kommt die jüngst verstärkt diskutierte Sorge darum, dass die Notenbanken mit aussergewöhnlichen Massnahmen wie Zinsen im negativen Bereich oder Aufkäufen von Staatsanleihen (Quantitative Easing) immer weniger Wirkung erzeugen können, um die gemessen an ihren Zielen zu tiefe Inflation anzuheizen oder eben die Währung zu schwächen. Als Beleg dafür galt die Einführung von Negativzinsen durch die japanische Notenbank Ende Januar. Der Yen hat in der Folge dennoch an Wert zugelegt. Wenn die Erwartung steigt, dass alle Notenbanken solche Massnahmen einführen, verpufft deren Wirkung in Bezug auf eine Abschwächung der Währung. Und genau diese Erwartung steigt. Auch die Europäische Zentralbank hat bereits angekündigt, noch weiter gehen zu wollen. Möglich sind auch hier noch tiefer ins Negative gesenkte Zinsen für Einlagen von Banken oder zusätzliche Geldspritzen durch Anleihenkäufe.

Das Eingeständnis des Thomas Jordan

Das bedeutet, dass auch die Schweizerische Nationalbank nachlegen müsste, nur schon, um weiterhin tiefere Zinsen als die Eurozone ausweisen zu können. Dass sie hier allerdings grösste Vorsicht walten lassen will, hat ein Vortrag von SNB-Präsident Thomas Jordan am Dienstag in Frankfurt deutlich gemacht. Dort erklärte er, dass die aussergewöhnliche Geldpolitik bisher zwar nützlich war, nun aber immer näher an die Grenzen ihrer Wirksamkeit käme. Zweitens seien mit dieser Politik auch Kosten verbunden, und schliesslich sagte er wörtlich: «Drittens kann schliesslich Geldpolitik gerade in kleinen offenen Volkswirtschaften nicht jede negative Entwicklung der Weltwirtschaft oder der internationalen Finanzmärkte vollständig abfedern.»

Das tönte wie das Eingeständnis, am Ende der eigenen Möglichkeiten angekommen zu sein. Der Franken reagierte darauf mit einer weiteren Aufwertung zum Euro. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

(Erstellt: 25.02.2016, 17:14 Uhr)

Artikel zum Thema

Die Nationalbank verfehlt ihren Auftrag

Blog: Never Mind the Markets Die Konsequenzen unseres sinkenden Preisniveaus und wie die Nationalbank für Preisstabilität sorgen könnte. Zum Blog

Die wundersame Abschwächung des Frankens

Seit Tagen legt der Euro zum Franken zu. Dabei sprechen viele Gründe für die Gegenrichtung. Erklärungen zu einem Rätsel. Mehr...

SNB-Bilanz so gross wie das Schweizer BIP

Schon 620 Milliarden Franken: Ökonomen der UBS warnen vor zwei «enormen Risiken», die die anhaltende Aufblähung der Bilanzsumme der Nationalbank birgt. Mehr...

Werbung

Kommentare

Sponsored Content

Heisse Escorts?

Erotische Erlebnisse mit Escorts? Es gibt besseres!

Die Welt in Bildern

Ausgelassen: Diese Gruppe geniesst die Feierlichkeit des Notting Hill Carnival. Die Festivität wird seit 1966 im Nordwesten von London durchgeführt und ist eines der grössten Strassenfester Europas (28. August 2016).
(Bild: Ben A. Pruchnie/Getty ) Mehr...