Das Fed zweifelt am Aufschwung

Aktualisiert am 23.06.2010

Die amerikanische Notenbank lässt ihren Leitzins auf Rekordtief – und bleibt auch bei ihrer Prognose vorsichtig.

Nichts Neues: Ein Händler vernimmt am Mittwoch, dass das Fed den Zins auf null bis 0.25 Prozent belässt.

Nichts Neues: Ein Händler vernimmt am Mittwoch, dass das Fed den Zins auf null bis 0.25 Prozent belässt.

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Wegen des zögerlichen Aufschwungs wird die US-Notenbank der Wirtschaft weiterhin mit einer Politik des billigen Geldes unter die Arme greifen. Der Leitzins werde noch eine längere Zeit ausserordentlich niedrig bleiben, kündigte die Federal Reserve am Mittwoch nach einer Sitzung ihres Offenmarktausschusses an.

Die Notenbanker hielten trotz einer Gegenstimme an ihrer gewohnten Formel fest, die niedrige Zinsen auf Monate hinaus signalisiert. Zentralbankgeld ist somit auch künftig praktisch zum Nulltarif zu haben: Die Notenbank beliess das Zins-Band bei null bis 0,25 Prozent. Experten gehen davon aus, dass die Zentralbanker um Fed- Chef Ben Bernanke erst im kommenden Jahr die Zinszügel anziehen werden.

Die Notenbanker blicken nicht mehr so optimistisch auf die Konjunkturentwicklung wie auf der vorherigen Zinssitzung: Die Erholung sei zwar auf gutem Weg, hiess es. Die Fed sprach aber nicht mehr davon, dass die Wirtschaft weiter an Stärke gewinne.

Moderates Tempo

Die Geldpolitiker gehen davon aus, dass das Tempo der Erholung noch einige Zeit moderat bleiben und sich die Lage am Arbeitsmarkt nur schrittweise aufhellen wird. Sorgen bereitet Bernanke & Co. auch die Schuldenkrise in Europa, die sich aus Sicht der Fed dämpfend auf das Wachstumsumfeld in den USA auswirkt.

«Die Fed macht sich Sorgen wegen der Gefahren für das Wachstum, nicht wegen der Inflation», sagte Ökonom Michael Woolfolk von BNY Mellon.

Bernanke geht zwar davon aus, dass die US-Wirtschaft dieses Jahr um drei Prozent wachsen und nächstes Jahr noch weiter an Fahrt gewinnen wird. Doch noch immer treiben die Probleme am Arbeitsmarkt die Notenbanker um, die neben Preisstabilität auch für Vollbeschäftigung sorgen sollen.

Hohe Arbeitslosigkeit

Davon sind die USA meilenweit entfernt: Die Arbeitslosenquote liegt nahe zehn Prozent. Zwar entstehen inzwischen wieder neue Jobs, doch ist der Arbeitsplatzaufbau recht langsam. Laut Fed-Chef Bernanke wird es daher noch «geraume Zeit» dauern, bis die rund 8,5 Millionen Amerikaner wieder in Lohn und Brot sind, die in der Krise ihren Job verloren haben.

Problematisch bleibt aus Sicht der Fed auch der gebeutelte Immobiliensektor, von dem die Finanzkrise ausging. Nach dem Auslaufen einer Steuervergünstigung ist der Immobilienmarkt eingebrochen.

Die Zahl der verkauften neuen Eigenheime sank im Mai um rund ein Drittel. Das ist der stärkste Einbruch seit Beginn der Datenerhebung. Zudem ist die Zahl der Wohnbaubeginne eingebrochen.

Ruhe an der Preisfront

Zumindest an der Preisfront herrscht derzeit Ruhe. «Die Inflation wird wahrscheinlich noch einige Zeit gedämpft bleiben», erklärten die Notenbanker. Rohstoff- und Energiepreise hätten in den vergangenen Monaten nachgegeben.

Angesichts der Konjunkturerholung hält Notenbank-Mitglied Thomas Hoenig das Bekenntnis der Fed zu einer längeren Fortsetzung der Nullzinspolitik jedoch für überholt. Er stimmte als Einziger dagegen.

Der FOMC entschied sich jedoch wie an der vorhergehenden Zins- Sitzung dafür, die Formulierung beizubehalten. Hoenig befürchtet, dass sich bei einem zu langen Festhalten an der Nullzinspolitik neue Vermögensblasen bilden könnten. (oku/sda)

Erstellt: 23.06.2010, 21:14 Uhr

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