Container voll Gold aus Venezuela

Venezuela hat im Januar eine riesige Menge Gold in die Schweiz gebracht. Was das über den Zustand des Landes aussagt.


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200 Tonnen Gold wurden im Januar in die Schweiz importiert. Das ist an sich noch nicht bemerkenswert, im ganzen Jahr 2015 lag der Wert des importierten Goldes durchschnittlich bei 210 Tonnen pro Monat. Bemerkenswert ist allerdings, wie die Importe zusammengesetzt waren. Fast ein Fünftel davon stammte nämlich aus einem einzigen Land: Venezuela. Die Südamerikaner verschifften im Januar Gold im Wert von 1,3 Milliarden Franken in die Schweiz, oder rund 2880 Goldbarren. Das ist der mit Abstand höchste Wert, seit die Goldimporte von der Zollverwaltung veröffentlicht werden, also seit 2012.

Experten vermuten nun, dass die ungewöhnlichen Handelsbewegungen mit den Schulden zusammenhängen, die Venezuela dieses Jahr zurückzahlen muss. Just heute wird die Rückzahlung einer Staatsanleihe in der Höhe von 1,5 Milliarden Dollar fällig. Zusammen mit seinen Geldreserven wäre es Venezuela nach dem Goldverkauf laut Bloomberg Business möglich, diese Schuld zu begleichen. «Gold ist umtauschbar, es ist bloss nicht flüssig», sagt der Analyst Siobhan Morden zum Wirtschaftsnachrichtendienst. «Ich nehme an, das Gold wird verschoben, um es in flüssige Mittel umzuwandeln.»

Die Zentralbank im Fokus

Auch der Expertenblog «Bullion Star» vermutet, dass die riesigen Importe in die Schweiz mit den Staatsschulden Venezuelas zusammenhängen. Die «ungewöhnlich grosse Lieferung» müsse aus Gold von der venezolanischen Zentralbank bestanden haben, schreibt der Goldanalyst Koos Jansen. Denn die Eigenproduktion der venezolanischen Goldminen sei mit 12 Tonnen jährlich viel zu tief, um eine solche Lieferung zu stemmen. Aus der Bevölkerung könne eine solch riesige Menge ebenso wenig stammen. Ausserdem habe Venezuela schon 2011 damit begonnen, seine Goldreserven Schritt für Schritt in die Schweiz zu exportieren – «den weltgrössten Handels- und Veredelungs-Hub für Gold».

Es ist also denkbar, dass Venezuelas Gläubiger ihr Geld heute auch dank dieser Geschäfte zurückbezahlt bekommen. Die Sorge um die wirtschaftliche Zukunft des Schwellenlandes wird deshalb aber nicht abnehmen. Denn im Oktober und November muss Venezuela die nächsten Zinszahlungen in der Höhe von 2,6 Milliarden Dollar begleichen. Ausserdem stünden für den staatlichen Ölkonzern PDVSA weitere Zahlungen über 5,5 Milliarden Dollar an, berechnet Bloomberg.

Wie viel Gold ist noch übrig?

Gleichzeitig stürzt gerade der tiefe Ölpreis Venezuela immer tiefer in die Krise. Die Staatseinnahmen des Opec-Förderlandes gingen im letzten Jahr um 70 Prozent zurück, das Bruttoinlandprodukt schrumpfte um 5,7 Prozent. Die Inflation klettert auf schwindelerregende Höhen: Allein im letzten Jahr stiegen die Preise um mehr als 180 Prozent. Im Februar erhöhte die Regierung deshalb zum ersten Mal seit 20 Jahren die Benzinpreise – der Treibstoff ist nun 15-mal teurer. «Bloomberg» schätzt die Chancen für einen Staatskonkurs in den nächsten zwölf Monaten auf 68 Prozent.

Gut möglich also, dass Venezuela mit dem Goldausverkauf weitermacht, um sein Überleben zu sichern. Immerhin profitiert das Krisenland dabei vom Höhenflug des Goldpreises. Eine Unze kostet am Markt derzeit 1222 Franken, das ist der höchste Preis seit mehr als einen Jahr. Fraglich ist bloss, wie viel des wertvollen Edelmetalls überhaupt noch in den Kellern der venezolanischen Zentralbank lagern. Im Februar 2012 waren es laut dem «Bullion Star» noch rund 366 Tonnen. An die Schweiz hat das Land in den letzten dreieinhalb Jahren insgesamt 86 Tonnen verkauft. (fko)

(Erstellt: 26.02.2016, 14:48 Uhr)

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«Der weltgrösste Handels-Hub»: Goldbarren im Keller einer Schweizer Bank. (Archiv) (Bild: Keystone )

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