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China stellt den Kolonialismus auf den Kopf

Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 13.09.2011 75 Kommentare

Chinesisches Geld für Italien? Möglicherweise wird der Renminbi viel schneller zu einer globalen Leitwährung als wir bisher dachten.

Er soll die italiensichen Staatsfinanzen retten: Jiwei Lou, Chef des weltweit grössten Staatsfonds.

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Bild: Reuters

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Das reiche China

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Heisst die chinesische Währung eigentlich Yuan oder Renminbi? Wie immer das Ding auch heissen mag, es wird immer wichtiger. Der «Redback», wie Chinas Währung in Anlehnung an den US-Greenback (sprich Dollar) gelegentlich genannt wird, ist noch nicht einmal konvertierbar und man kann sich damit im Westen nicht einmal einen Kaugummi kaufen. Doch psychologisch gesehen ist der Renminbi bereits ein Gigant.

Die Welt verändert sich derzeit unglaublich rasch. Gestern noch war Italien eine Bastion der westlichen Kultur. Sicher, das Land hat bessere Tage gesehen: Ein dekadenter Premierminister vergnügt sich mit Minderjährigen und die Staatsschulden sind jenseits von gut und bös. Doch Bella Italia war noch nie ein Musterschüler und hat sich bisher noch immer irgendwie durchgewurstelt. Jetzt aber wird es wirklich ernst. Italien soll Hilfe aus China erbeten haben, Rom verhandelt gemäss «Financial Times» mit dem China Investment Corp (CIC), einem der grössten Staatsfonds der Welt. Die Chinesen sollen angeblich Interesse haben, im grossen Stil italienische Staatsanleihen zu kaufen. Ja, die «FT» will wissen, dass sie bereits rund 4 Prozent der rund 1900 Milliarden Euro hohen Staatsschuld besitzen. China als gewichtiger Langzeitinvestor in Italien? Der Kolonialismus steht Kopf.

Wer pleite ist, kann keine Supermacht mehr sein

Bis vor kurzem hiess es noch: Okay, China ist die kommende Supermacht. Aber bis der Redback auch die Rolle einer globalen Leitwährung spielen und zum ernsthaften Rivalen des Dollar werden kann, wird es noch Jahrzehnte dauern. Schliesslich sind Chinas Märkte, wie es im Jargon heisst, viel zu wenig liquid. Will heissen: Anders als mit Dollar ist es derzeit nicht möglich, jederzeit und rasch in die chinesische Währung oder chinesische Staatsanleihen ein- und auszusteigen. Zudem sind die chinesischen Finanzmärkte für den Geschmack der westlichen Kapitalisten noch viel zu stark von staatlichen Beamten kontrolliert.

Alte Erkenntnisse sterben derzeit schnell. Die Globalisierung hat die Weltwirtschaft viel stärker aufgemischt als bisher für möglich gehalten wurde. Das macht der Verlauf der Finanzkrise immer deutlicher. Der Westen ist angeschlagen, nicht nur ökonomisch sondern auch psychologisch. Wer pleite ist, kann keine Supermacht mehr sein. Das bekommen die USA immer deutlicher zu spüren. Nicht nur ihr wirtschaftlicher, auch ihr kultureller Einfluss, die sogenannte Soft Power, nimmt rapide ab.

Andererseits ist China heute bereits eine Wirtschafts-Supermacht. Kaufkraftbereinigt ist das chinesische Bruttoinlandprodukt inzwischen auf Augenhöhe mit dem amerikanischen, seine Exporte und seine Guthaben im Ausland bereits deutlich höher. Ökonomisch gesehen gibt es bereits eine Grundlage für eine globale Leitwährung.

Zwischenstopp auf dem Weg nach Paris

Es gibt auch vernünftige Gründe, weshalb die Chinesen interessiert sind, den Renminbi zu einer solchen Leitwährung zu erheben. Weshalb, erklärt Arvind Subramanian vom Peterson Institute for International Economics wie folgt: «Die chinesische Regierung sucht nach einem Ausgang aus der Jahrzehnte alten Exportstrategie, die auf einer unterbewerteten Währung und geschlossenen Finanzmärkten basiert.» Mit anderen Worten: China hat erkannt, dass es nicht in alle Ewigkeit seine Wirtschaft mit billigen Exporten auf Touren halten kann, sondern eine vernünftige Binnennachfrage braucht. Für diesen Strategiewechsel macht der Renminbi als starke Leitwährung sehr viel Sinn.

In den 1930er Jahren hat der Dollar das britische Pfund ohne viel Aufhebens als globale Währung ersetzt. Droht dem Greenback jetzt das gleiche Schicksal? Kaum, aber es wird immer wahrscheinlicher, dass der Renminbi zu einem ernsthaften Rivalen wird. Angesichts des rapiden Zerfalls Europas ist Rom daher für die Vertreter des chinesischen Staatsfonds vielleicht nur ein Zwischenstopp auf dem Weg nach Paris. Auch französische Banken halten verzweifelt Ausschau nach potenten Investoren.

(Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.09.2011, 11:56 Uhr

75

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75 Kommentare

Rene Meier

13.09.2011, 12:10 Uhr
Melden 136 Empfehlung

Und in Europa ergötzt man sich an "Glanz + Gloria", "Sex and the City" ..... die Strafe für diese Verblödeleien folgt. Antworten


Heinrich Baur

13.09.2011, 12:42 Uhr
Melden 56 Empfehlung

Ist doch ganz im Sinne aller Kommentatoren, welche die EU und USA ablehnen und sich schon lange die neuen Geschäftspartnern im Osten wünschen. Vielleicht sollte man sich zuvor noch bei den Afrikanern, Taiwanesen, Tibertern etc. nach deren Erfahrungen mit dem chin. Einfluss und Demokratieverständnis erkundigen. Mit etwas Glück wird dann mit dem starken Yuan das ganze CH Bankensystem übernommen. Antworten



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