Bernanke, der Dollar, das Gold und die Ängste der anderen
Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 28.04.2011 42 Kommentare
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Gestern hat der Chef der US-Zentralbank Federal Reserve (Fed), Ben Bernanke, erstmals überhaupt eine Pressekonferenz gegeben, um die Entscheide seines Instituts zur Geldpolitik der USA zu erläutern. Was diese Notenbank tut, hat nach wie vor enorme Auswirkungen auf die ganze Welt: So sind als Folge von Bernankes Rede die Aktienkurse, der Ölpreis und weitere Rohstoffpreise angestiegen, der Goldpreis hat ein neues Allzeithoch erklommen, und der US-Dollar ist weiter abgetaucht. Hier die wichtigsten Details zum Entschluss selbst, zu den Folgen auf die Märkte und zu den Gründen für die Geldpolitik der Amerikaner:
Der Beschluss
In normalen Zeiten interessiert nach einer Sitzung von Notenbankverantwortlichen am meisten, was mit dem Leitzins passiert. Doch die Zeiten in den USA sind nach wie vor nicht normal. Es war schon klar, dass Bernanke den Leitzins auf dem Tiefststand von 0 bis 0,25 Prozent belassen wird, wo er sich schon seit Dezember 2008 befindet. Weil die Leitzinsen sich nicht unter null Prozent senken lassen, hat die Fed eine Reihe weiterer Aktionen gestartet, um die schwache Wirtschaft über zusätzliches Geld anzukurbeln. Die jüngste dieser Massnahmen ist das sogenannte «Quantitative Easing 2», auch bekannt unter der Abkürzung QE2. Mit diesem Programm kauft die Notenbank seit letztem Sommer insgesamt für 600 Milliarden Dollar amerikanische Staatsanleihen auf dem Markt mit dem Ziel auf, Druck auf die langfristigen Zinsen auszuüben. QE2 heisst das Programm deshalb, weil die Fed zuvor schon einmal eine solche Übung durchgeführt hat. Das Programm läuft diesen Sommer aus. Auf dem Markt wurde bereits darüber spekuliert, dass ihm auch noch ein QE3 folgen könnte. Diesen Mutmassungen hat nun Bernanke ein Ende bereitet: Das Programm hat keinen Nachfolger. Zudem hat der Notenbankchef gestern klar gemacht, dass die rekordtiefen Leitzinsen noch für längere Zeit nicht angehoben werden. Fachleute schliessen daraus, dass mit einem solchen Schritt frühestens in der Mitte des nächsten Jahres gerechnet werden kann.
Die Wirkung auf die Währungen
Zinsen und vor allem auch Zinserwartungen sind ein wichtiger Treiber von Wechselkursentwicklungen. Der Wertzuwachs des Euro gegenüber den meisten wichtigen Währungen geht darauf zurück und kann nicht als Hinweis für eine Beruhigung der Euro-Krise gesehen werden. Vor allem der dramatische Anstieg des Euro gegenüber dem Dollar spiegelt den Unterschied in den Zinserwartungen. Dasselbe gilt für das Verhältnis des Schweizer Frankens zum Dollar. Die Europäische Zentralbank hat in diesem Monat einen ersten Schritt zu einer geldpolitischen Straffung mit einer Leitzinserhöhung von einem Viertelprozent unternommen. Angesichts einer Inflationsrate, die über der Komfortzone der Notenbank liegt, ist in Europa mit weiteren ähnlichen Schritten zu rechnen. Auch von der Schweizerischen Nationalbank erwarten die professionellen Marktbeobachter baldige Zinsschritte. Das Bekenntnis der Amerikaner, auf solche Schritte bis auf weiteres zu verzichten, macht daher Anlagen in Euro oder Franken gegenüber solchen in Dollar attraktiver, daher der Wertzerfall des Dollars.
Der Grund für die Wirkung auf die Aktienkurse
Das oben erwähnte QE2-Programm hat von Anfang an auch auf die Aktienmärkte abgezielt. Wenn die Aktienkurse steigen, steigt der Wert des Vermögens der Amerikaner und damit möglicherweise auch ihr Konsum und Investitionsverhalten, so die Überlegung der US-Notenbank. Tatsächlich haben die US-Aktien – und jene auf anderen Märkten der Welt – genau mit der Ankündigung des Programms Ende August einen Aufwärtstrend angetreten. Dass die Aktienmärkte gestern erneut leicht positiv reagiert haben, obwohl Bernanke das Auslaufen des QE2-Programms angekündigt hat, liegt an der gleichzeitig vermittelten Botschaft, nach der die Notenbank die Zinsen noch für längere Zeit tief halten wolle. Tiefe Zinsen unterstützen die Aktien von Unternehmen gleich in mehrfacher Hinsicht: Sie begünstigen ihre Investitionen über billigere Kredite, und sie steigern den Wert ihrer Anlagen – weil künftige Erträge aus diesen Anlagen weniger stark diskontiert werden, weshalb sie einen höheren Gegenwartswert haben. US-Produzenten profitieren überdies vom durch die Tiefzinspolitik geschwächten Dollar, da sie dadurch im internationalen Wettbewerb ihre Produkte kostengünstiger anbieten können.
Der Grund für die Wirkung auf die Rohstoffpreise
Der Anstieg der Rohstoffpreise durch die Tiefzinspolitik der US-Notenbank ist einerseits die direkte Folge des dadurch geschwächten Dollars. Viele Rohstoffe, wie zum Beispiel Gold oder Erdöl, werden in Dollar ausgewiesen. Doch ihr Wert hängt nicht vom Wert der US-Währung ab. Ein tieferer Dollar zeigt sich daher genauso in höheren Preisen anderer Währungen gemessen in Dollar wie in höheren Rohstoffpreisen gemessen in Dollar. Für Schweizer ist zum Beispiel der Goldpreis weit weniger stark angestiegen als für die Amerikaner, da dem Preisanstieg des Edelmetalls in Dollar ein Wertverlust der US-Währung gegenübersteht. Als weiterer Grund für den Anstieg der Rohstoffpreise als Folge der expansiven Politik der USA wird auch die Angst vor einer Inflation in den USA genannt, was Anleger in reale Werte, wie zum Beispiel Gold, flüchten lasse. Dass die in den USA geschaffenen Gelder auf der Jagd nach höheren Renditen in die aufstrebenden Volkswirtschaften fliessen, ist ein weiterer viel genannter Grund für die steigenden Rohstoffpreise. Denn in diesen Ländern treiben sie das Wachstum weiter an, was auch zu einer weiter steigenden Nachfrage nach Rohstoffen führt.
Die Kritik an der Politik der Fed
Die Politik der US-Notenbank steht sowohl international wie in den USA selbst unter Beschuss. Dafür gibt es zwei Gründe. Der erste dreht sich um Inflationssorgen, der zweite um internationale Ungleichgewichte. Zuerst zu den Inflationsängsten: Eine übermässige Geldversorgung der Wirtschaft führt gewöhnlich zu Inflation, das heisst zu einem anhaltenden Wachstum des Preisniveaus. Viele befürchten genau das als Folge der Politik von Ben Bernanke. Da eine höhere Inflation einen einfachen Weg darstellen würde, die reale Last der hohen staatlichen und privaten Schulden in den USA abzubauen, steht die Notenbank erst recht im Verdacht, diesen Weg einzuschlagen. Zu den internationalen Ungleichgewichten: Weil die Geldpolitik der USA den Dollar schwächt – und damit andere Währungen unter relativen Aufwärtsdruck setzt – und weil sie zu spekulativen Finanzströmen in zunehmend überhitzte aufstrebende Volkswirtschaften führt, wirft man den USA vor, mit ihrer Geldpolitik die weltwirtschaftliche Stabilität zu gefährden.
Die Verteidigung der Amerikaner
Ben Bernanke begründet seine Geldpolitik mit der anhaltend angespannten wirtschaftlichen Lage der USA – so hat er auch die Wachstumsprognosen gestern leicht gesenkt. Die wirtschaftliche Schwäche des Landes drückt sich in einer historisch nach wie vor aussergewöhnlich hohen Arbeitslosenquote von 8,8 Prozent aus. Sie bildet sich ausserdem so langsam zurück wie noch nie seit Beginn ihrer Erfassung. Hohe Arbeitslosenquoten sind in den USA angesichts eines weitaus schwächer ausgebauten sozialen Sicherungsnetzes – bei der Arbeitslosenhilfe und vor allem auch bei der Krankenversicherung – ein viel grösseres Problem als in Europa. Selbst nach Prognosen, die Bernanke gestern veröffentlicht hat, wird die Arbeitslosenquote im Jahr 2013 noch bei rund 7 Prozent liegen. Anders als die EZB hat die US-Notenbank nicht nur die Aufgabe, die Inflation zu kontrollieren, sondern auch für eine ausreichende Beschäftigung zu sorgen. Die Teuerung ist zwar angesichts höherer Rohstoffpreise auch in den USA angestiegen und könnte sich nach Schätzung der Fed dieses Jahr auf bis 2,8 Prozent belaufen. Doch das sei ein temporärer Ausschlag, meinte Bernanke gestern, schon im nächsten Jahr soll sie wieder unter 2 Prozent sinken. Die Inflationserwartungen hätten sich immerhin nicht verändert. Damit sei es unwahrscheinlich, dass die höheren Rohstoffpreise über entsprechend steigende Lohnforderungen zu Zweitrundeneffekten mit einer Spirale bei den Kosten und damit bei den Preisen führen werde. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 28.04.2011, 14:42 Uhr
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42 Kommentare
Schon komisch ist doch die US-Zentralbank Federal Reserve eine private institution und nicht wie die nationalbank der schweiz statlich mann muss nicht intelligent sein um zu wissen was eine private institution sich als ziele seztz und das seit mittlerweile 1913 Antworten
Das "alte" Zins und Zinseszinssystem ist nicht mehr tragbar und richtig. Es ist am sterben und jeder tut so, als wäre alles beim alten! Neue Medikamente nützen nichts, genauso wie altbewährte. Das Krebsgeschwür muss herausgeschnitten und dann durch Komplementäre Ansätze neu durchdacht und erarbeitet werden. Wir kommen nicht darum herum. Dann wird vielleicht der Mensch wieder im Zentrum stehen.. Antworten
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