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Ben Bernanke plant die Abmagerungskur

Von Walter Niederberger. Aktualisiert am 27.04.2011 8 Kommentare

Die US-Notenbank hat die Wirtschaft lange mit billigem Geld versorgt. Nun steht sie vor dem Dilemma: Wie kann sie die Zinsen anheben, ohne die Wirtschaft abzuwürgen?

Langsamer Aufschwung und drohende Inflation: Die Sorgen von US-Notenbankchef Ben Bernanke.

Langsamer Aufschwung und drohende Inflation: Die Sorgen von US-Notenbankchef Ben Bernanke.
Bild: Keystone

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Die Federal Reserve ist im Rückstand. Anders als die Europäische Zentralbank hat sie die Leitzinsen auf dem äusserst tiefen Stand gehalten, den sie nach der Finanzkrise 2008 beschlossen hatte. Darüber hinaus besitzt sie mehr als 2300 Milliarden Dollar an US-Staatsanleihen und anderen Wertschriften, die sie gekauft hatte, um die Wirtschaft anzukurbeln. Heute muss Notenbank-Chef Ben Bernanke sagen, wie rasch er die aufgeblähte Bilanz abbauen will und wie lange die Tiefzinspolitik noch anhält.

Was genau entscheidet die US-Notenbank?

Sie muss klar sagen, dass die einmalige «quantitative Zinslockerung« wie geplant per Ende Juni abgeschlossen wird. Bis anhin hat sie in der zweiten Runde (QE 2) für rund 550 Milliarden Dollar US-Staatsanleihen und Papiere der halbstaatlichen Hypothekarinstitute gekauft. Kurzfristige Kredite sollten so günstig gehalten werden, obwohl die Notenbank ihre traditionelle Leitzinspolitik erschöpft hatte. Absicht war es, mit zusätzlichem billigem Geld die Investitionen der Privatwirtschaft zu beleben, den zögerlichen Wirtschaftsaufschwung anzuheizen und eine zweite Rezession zu verhindern.

Formell muss diese Form der Wirtschaftsbelebung nun beendet und die ausser Form geratene Bilanz saniert werden (vgl. Grafik). Seit der Finanzkrise hat die Notenbank netto für mehr als 2000 Milliarden Dollar Staatspapiere erworben. Wie rasch sie diese Anleihen verkaufen wird, ist unklar. Experten erwarten, dass Bernanke sich nur sehr langsam vorantastet und genau beobachtet, wie der Markt auf diesen Rückzug reagiert. Vor Ende Jahr dürfte der Verkauf kaum abgeschlossen sein.

Steht auch eine Zinserhöhung zur Diskussion?

Eine Erhöhung der real bei null Prozent liegenden Leitzinsen steht kaum vor Ende 2011 zur Debatte. Indessen wirkt bereits der Verkauf der Staatsanleihen leicht zinstreibend. Nach Angaben der Notenbank führt das Abstossen von jeweils 200 Milliarden Dollar zu einem Anstieg der Leitzinsen um einen Viertelpunkt. Die Preise für US-Staatspapiere dürften also steigen – was eventuell auch den Zerfall des US-Dollars bremst.

Hat die seit 28 Monate andauernde Zinslockerung ihr Ziel erreicht?

Die erhoffte Stabilisierung der Wirtschaft gelang – eine zweite Rezession wurde vermieden. Allerdings schwächt sich das Wachstum bereits wieder ab. Ökonomen befürchten, das Handelsministerium werde am Freitag für das erste Quartal ein Wachstum von weniger als 2 Prozent bekannt geben, hoffen dafür auf einen Anstieg um 3 Prozent im Sommer und Herbst. Dies aber liegt unter dem Potenzial der US-Wirtschaft, weshalb der Arbeitsmarkt kränkelt und der Immobilienmarkt noch immer keinen Boden gefunden hat.

Wer sind die Verlierer dieser Politik des billigen Geldes?

Alle, die US-Staatsanleihen und US-Wertschriften besitzen. Die Entwertung der eigenen Währung verhilft zwar den amerikanischen Exportunternehmen zu einem Währungsvorteil im Ausland. Gleichzeitig aber reduziert die Gelddruckerei die Ersparnisse vieler Amerikaner. Die Renten halten mit der Teuerung nicht mehr Schritt. Geschädigt werden auch alle Firmen im Ausland, die in die USA exportieren wollen. Schliesslich sind die hohen Rohstoffpreise ein deutliches Signal dafür, wie tief der Dollar gefallen und wie verbreitet die Furcht vor einer Inflationswelle ist.

Sind Bernanke und seine Kollegen so gelassen, wie sie sich geben?

Bernanke kann sich auf zwei, drei Kollegen verlassen, die seine Tiefstzinspolitik teilen. Aber mehrere regionale Gouverneure äussern ihre Beunruhigung über die Inflation öffentlich: Sie glauben, das massive Gelddrucken habe eine neue Spekulationswelle ausgelöst und ziehe eine Inflation nach sich, die weit schädlicher für die Wirtschaft ist, als es eine zurückhaltende Notenbank gewesen wäre.

Bernanke aber scheint sich wenig um sein Image zu kümmern. Seine Entscheide beruhen vor allem auf Wirtschaftsdaten, die seiner Meinung nach dafür sprechen, dass die Inflation vorübergehend ist und zudem nicht durch die Notenbank ausgelöst wurde, sondern durch die sehr starke Nachfrage nach Rohstoffen und Agrargütern in Schwellenländern wie China.

Das Publikum denkt anders: 42 Prozent der Amerikaner erklärten in einer Gallup-Umfrage, sie hätten wenig oder kein Vertrauen in Bernanke. 2009 waren es erst 35 Prozent. Zudem geben ihm führende Ökonomen, vom «Wall Street Journal» befragt, nur die knapp befriedigende Note C. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.04.2011, 09:11 Uhr

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8 Kommentare

Thomas Steffen

27.04.2011, 09:22 Uhr
Melden 7 Empfehlung

Wäre die USA nicht die USA, wäre sie ein 3.Weltland ! Antworten


Doris Neumüller

27.04.2011, 10:01 Uhr
Melden 6 Empfehlung

Gar nicht ausser er hat den Weisheitslöffel gegessen. USA ist in Simbabwe angekommen - nur folgt der Zusammenbruch auf Kosten der blauäugigen Spiesser !!! Antworten



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