Banken droht neues Fiasko
Aktualisiert am 16.03.2010 22 Kommentare
Mit den Bankkrediten im Rücken haben Investoren Gewerbeimmobilien in Boomzeiten zu überhöhten Preisen gekauft. In der Wirtschaftskrise ist nun die Abwärtsspirale in vollem Gange: Büros und Ladenflächen sind weniger gefragt, Objekte verlieren an Wert, Mieten sinken.
Viele Kredite sind «unter Wasser» - die Immobilie ist weniger wert als der Kreditbetrag. Das alles engt die Finanzspielräume der Immobilienbesitzer gerade zu einer Zeit ein, in der sie viele Kredite refinanzieren müssen. Das wiederum bringt die Gläubiger - die Banken - in die Bredouille.
«Wie ein Damoklesschwert über der Branche»
«Das Thema gewerbliche Immobilienfinanzierungen hängt wie ein Damoklesschwert über der Branche», sagt Unicredit-Analyst Markus Ernst. «Wenn es da zu weiteren Ausfällen kommt, wird das die Bilanzen der europäischen Banken zusätzlich schwächen.» Konrad Becker von Merck Finck warnt: «Die Belastungen aus den gewerblichen Immobilienfinanzierungen könnten bei einzelnen Banken mit denen aus der Subprime-Krise verglichen werden.»
Einer Unicredit-Studie zufolge haben Europas Banken insgesamt 1,5 Billionen Dollar solcher Kredite in den Büchern, viel davon im US- Markt. Wie viel wirklich gefährdet ist, lässt sich nur erahnen. In einem Bericht an den US-Kongress hiess es unlängst, den Banken weltweit drohten Verluste von bis zu 300 Milliarden Dollar.
Problem nur ausgesessen
In diesem und im nächsten Jahr stehen viele Kreditverlängerungen an. Problematisch ist, dass Kredite für Gewerbeimmobilien oft erst am Ende der Laufzeit auf einen Schlag getilgt oder verlängert werden. Damit sitzen die Banken auf einem Sprengsatz. Einige Gläubiger lassen sich auf Stillhalteabkommen ein, in der Hoffnung auf eine Markterholung. Danach sieht es in den USA im Moment aber nicht aus.
Das Problem wird also nur ausgesessen. Ganz unübersichtlich wird es selbst für Experten, wenn Banken ihr Engagement am Kapitalmarkt platzieren, wie es etwa die Deutsche Bank mit CMBS gemacht hat - Schuldpapieren, die mit Gewerbeimmobilien besichert sind. Das erinnert frappierend an den Beginn der Hypothekenkrise auf dem US- Eigenheimmarkt 2007. (bru/sda/Kathrin Schich)
Erstellt: 16.03.2010, 22:49 Uhr
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22 Kommentare
Sehr interessanter Artikel - und mit Seitenblick auf den neuesten Fed-Entscheid offenbar auch durchaus begründet. Griechenland, EU-Beitrittsverhandlungen von Island etc. wären allenfalls Anlässe für zweistellige Börsentaucher, doch hier droht der wirklich plausible Grund für einen währschaften Double-Dip. Das bringt selbst mittelfristige Anleger in taktische Bredouille... Die Spannung bleibt! Antworten
Das darf man alles nur nicht zu eng sehen. Mit der etwas kreativen Buchhaltung und das Zweigespann Bangster/Politiker werden es schon richten. Die Vergangenheit hat es überdeutlich gezeigt! Weitermachen wie gewohnt und alles im Kollektiv auf die ganze Bevölkerung überwälzen hilft bestimmt. Den wenn wirklich etwas Grundlegend geändert werden müsste, wäre das ganze heutige System in Gefahr. Antworten
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