Wirtschaft

Banken droht neues Fiasko

Die Banken haben die Krise gerade erst verdaut, da rollt aus den USA die nächste Welle an Belastungen auf sie zu: Abschreibungen auf gewerbliche Immobilienfinanzierungen und Kreditausfälle in Milliardenhöhe.

Die Wirtschaftskrise wirbelt den New Yorker Immobilienmarkt durcheinander: Investoren haben das legendäre Stadtviertel Stuyvesant Town aufgeben müssen, das sie 2006 für die Rekordsumme von 5,4 Milliarden Dollar gekauft hatten.

Die Wirtschaftskrise wirbelt den New Yorker Immobilienmarkt durcheinander: Investoren haben das legendäre Stadtviertel Stuyvesant Town aufgeben müssen, das sie 2006 für die Rekordsumme von 5,4 Milliarden Dollar gekauft hatten.
Bild: Reuters

Mit den Bankkrediten im Rücken haben Investoren Gewerbeimmobilien in Boomzeiten zu überhöhten Preisen gekauft. In der Wirtschaftskrise ist nun die Abwärtsspirale in vollem Gange: Büros und Ladenflächen sind weniger gefragt, Objekte verlieren an Wert, Mieten sinken.

Viele Kredite sind «unter Wasser» - die Immobilie ist weniger wert als der Kreditbetrag. Das alles engt die Finanzspielräume der Immobilienbesitzer gerade zu einer Zeit ein, in der sie viele Kredite refinanzieren müssen. Das wiederum bringt die Gläubiger - die Banken - in die Bredouille.

«Wie ein Damoklesschwert über der Branche»

«Das Thema gewerbliche Immobilienfinanzierungen hängt wie ein Damoklesschwert über der Branche», sagt Unicredit-Analyst Markus Ernst. «Wenn es da zu weiteren Ausfällen kommt, wird das die Bilanzen der europäischen Banken zusätzlich schwächen.» Konrad Becker von Merck Finck warnt: «Die Belastungen aus den gewerblichen Immobilienfinanzierungen könnten bei einzelnen Banken mit denen aus der Subprime-Krise verglichen werden.»

Einer Unicredit-Studie zufolge haben Europas Banken insgesamt 1,5 Billionen Dollar solcher Kredite in den Büchern, viel davon im US- Markt. Wie viel wirklich gefährdet ist, lässt sich nur erahnen. In einem Bericht an den US-Kongress hiess es unlängst, den Banken weltweit drohten Verluste von bis zu 300 Milliarden Dollar.

Problem nur ausgesessen

In diesem und im nächsten Jahr stehen viele Kreditverlängerungen an. Problematisch ist, dass Kredite für Gewerbeimmobilien oft erst am Ende der Laufzeit auf einen Schlag getilgt oder verlängert werden. Damit sitzen die Banken auf einem Sprengsatz. Einige Gläubiger lassen sich auf Stillhalteabkommen ein, in der Hoffnung auf eine Markterholung. Danach sieht es in den USA im Moment aber nicht aus.

Das Problem wird also nur ausgesessen. Ganz unübersichtlich wird es selbst für Experten, wenn Banken ihr Engagement am Kapitalmarkt platzieren, wie es etwa die Deutsche Bank mit CMBS gemacht hat - Schuldpapieren, die mit Gewerbeimmobilien besichert sind. Das erinnert frappierend an den Beginn der Hypothekenkrise auf dem US- Eigenheimmarkt 2007. (bru/sda/Kathrin Schich/)

Erstellt: 16.03.2010, 22:49 Uhr

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22 Kommentare

Fred Büchi

17.03.2010, 17:25 Uhr
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Lasst doch die Spieler und Bluffer weiter ihr undurchschaubares Game erledigen. Das hat erst ein Ende, wenn es keine Banken mehr gibt, worauf das viele Geld dort investiert wird, wo es hilft: bei den Armen. Antworten


Bruno Letter

17.03.2010, 15:12 Uhr
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Karin Zink: Wie ist das nun mit Ihrer Aussage betr. der Unabhängigkeit von Israel?? Wie viele Milliarden fliessen jährlich von den USA nach Israel unter dem Deckmantel von Wirtschafts- und Militärhilfe? Von Unabhängigkeit kann doch keine Rede sein. Antworten


Georg Stamm

17.03.2010, 14:57 Uhr
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Vielleicht sollten die CS und die UBS im Hinblick auf dieses anrollende Ungemach lieber Reserven bilden als fette Milliardenboni und Abgangsentschädigungen an Unfähige zu zahlen. Ob die Nationalbank in einigen Monaten wieder für Milliarden CMBS-Schrottpapiere übernehmen muss zur erneuten Rettung dieser Banken ? Da bin ich dagegen. Jetzt sollen diese Banken selber schauen oder Pleite gehen. Antworten


Patrick Ryf

17.03.2010, 14:19 Uhr
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Gewerbeimmobilien, Kredikartenschulden usw. werden die defacto bankrotten Zombie-Banken weiter durch schütteln. Das Bailout-Spiel ist gespielt, vielleicht kann man noch einmal die Bilanzen fälschen. Die grösste Blase nebst der Derivatenblase, sind im Moment die Staatsschulden, und wenn Die platzt, werden auch die Währungen abverkauft. Bei jedem Schneeballsystem kommt mal der Tag der Abrechnung. Antworten


Stefan Sollberger

17.03.2010, 13:31 Uhr
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Gold wird immer Wert haben und zudem ist die Gesellschaft sehr wohl auf ein Finanzsystem angewiesen, unsere gesamte Wohlstandgesellschaft kann nur mit einem Finanzsystem funktionieren. Ansonsten heisst es dann...zurück zum Tauschgeschäft....Finanzkrise à al Argentine lässt grüssen Antworten


Daniel Stirnimann

17.03.2010, 13:30 Uhr
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die blase am us-immomarkt war vorhersehbar. als investor vergleiche man nur die steuerbewertung vor ort. die nächste 'bubble' platzt doppelt, einerseits wegen us-immobilienmarkt, siehe erwähnte parallelen 2007, andererseits wegen massiver probleme diverser eu-staaten (neben griechenland unter anderem auch irland, portugal, spanien, italien usw.). tipp: absicherung durch kauf von physischem gold! Antworten


Werner Wittmann

17.03.2010, 13:09 Uhr
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Die ganze Wahrheit über die finanzielle Situation werden wir wohl nie erfahren, aber zur weiteren Verschärfung tragen folgende Punkte bei: Immer mehr US-Bürger erklären sich als unabhängig, um sich von Steuern zu befreien. Die eigentliche Arbeitslosenquote liegt bei über 15 %. Viele Immobilienbesitzer können ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen und müssen mit Werteinbussen verkaufen. Antworten


philipp glanzmann

17.03.2010, 13:00 Uhr
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wie lebte der neandhaler in der höhle er nahm sich was er konnte, wie lebt der mensch in den bank er nimmt sich was er kann, und jetzt soll jemand glauben das dann noch etwas sein da könnte, weit gefehlt, das gewohnheitsrecht hat sich über seit der urzeit nicht veränbdert. Antworten


Nadine Binsberger

17.03.2010, 12:28 Uhr
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Die Nachricht ist korrekt. Aber als Reaktion darauf rennen alle wieder in Gold-Investitionen - ohne zu überlegen, dass auch das reine Spekulation darstellt, die im Falle eines Zerfalles unseres Finanzsystems genauso zusammenbricht. Keine Panik: solange es den Menschen gibt, wird er essen, sich kleiden, irgendwo wohnen, etc. Auch ohne Finanzsystem, das eigentlich gesellschaftlich irrelevant ist. Antworten


Thomi Horath

17.03.2010, 12:00 Uhr
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Vielen Dank an Marc Brupbacher (bru), (sda), Kathrin Schich und Kommentatoren! ;) Alexandra Hamiliton, so wie's aussieht gibt es schon welche, die den Ernst begriffen haben, aber es stimmt schon, es gibt auch solche, die meinen, die Schweiz sei sicher und hier würde sich nie etwas ändern.... :[ Antworten


Gian Franco Christen

17.03.2010, 11:49 Uhr
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....aber jetzt werden erst mal kräftig Boni abgesahnt nach der Mentalität "après nous le déluge" Antworten


Bruno Waldvogel

17.03.2010, 11:44 Uhr
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Im letzten Jahr hatte ich die Frage gestellt, woher die Experten wüssten, dass die Krise vorbei sei und die Erholung auf bestem Wege sei. Es gibt eine häufig verwendet Worthülse: unerwartet. Die Krise ist - so traurig das ist - bei weitem noch nicht ausgestanden. Man sollte endlich aufhören, falsche Signale oder Erwartungen zu setzen. Ein Crash wird wahrscheinlicher. Wer rechnen kann, fürchtet es. Antworten


Eugen Fischer

17.03.2010, 10:39 Uhr
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Der Kunde trägt doch all die Zwistigkeiten der Bankenwelt aus. Verantwortung zu tragen können und wollen wir SchweizerInnen sowieso nicht. Wir sind doch auch nicht offen und transparent im Umgang mit problemen, denn sie werden doch immer schön unter den Teppich gewischt! Die Krise haben doch die Banken verursacht und nicht der Pöbbel - wahr ist es doch leider sind wir Vergesslich geworden. Antworten


Karin Zink

17.03.2010, 10:39 Uhr
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Sehr interessanter Artikel und richtig! USA wird Europa mit in den Abgrund ziehen. Daher (und nicht nur deswegen) darf die CH ihre Unabhängigkeit unter keinen Umständen an die EU abgeben. Israel (egal wie sehr man auf dieses Land einschlägt) bewahrt seine Unabhängigkeit und sollte uns Vorbild sein. Antworten


Raffael Grassi

17.03.2010, 10:38 Uhr
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Tja, wenn dem Konsum auf Pump längerfristig keine reale Wertschöpfung gegenübersteht, dann ist das die logische Folge einer Marktbereinigung. Hoffen wir, dass Herr Hildebrand von der SNB bis dahin die "too big to fail" Problematik in der Schweiz gelöst hat. Denken wir daran; die KMU, die am Markt vorbei geschäftet, geht unter - die grossen "Tanker" rettet man. Strukturerhaltung par excellence... Antworten


Renato Tosoni

17.03.2010, 10:28 Uhr
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Das darf man alles nur nicht zu eng sehen. Mit der etwas kreativen Buchhaltung und das Zweigespann Bangster/Politiker werden es schon richten. Die Vergangenheit hat es überdeutlich gezeigt! Weitermachen wie gewohnt und alles im Kollektiv auf die ganze Bevölkerung überwälzen hilft bestimmt. Den wenn wirklich etwas Grundlegend geändert werden müsste, wäre das ganze heutige System in Gefahr. Antworten


Tobias Bläsi

17.03.2010, 09:38 Uhr
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Auch in der Schweiz wird es da noch zu einem bösen Erwachen kommen. Jahrelang haben die hiesigen Banken billig hingeklatschte aber überteuert verkaufte Eigentumswohnungen und Bürobauten finanziert. Wenn die Hypothekarzinsen sich verdoppeln, wird der Grossteil der Käufer nicht in der Lage sein, ihre Wohnung zu halten. Notrecht wirds geben und der Bund wird die Banken mit Steuergeldern stützen. Antworten


Alexandra Hamilton

17.03.2010, 07:55 Uhr
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Dies ist leider nicht nur ein Problem der Banken, sondern dürfte praktisch alle Firmen treffen, die in den nächsten Jahren Kredite refinanzieren müssen. Was nicht alle schaffen werden und die die es schaffen werden mehr dafür bezahlen. Das bedeutet massive Jobverluste und Sozialabbau. Mir scheint viele haben den Ernst der Lage nicht begriffen. Ignoranz schön! Antworten


Reto von Allmen

17.03.2010, 00:19 Uhr
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Die Banken haben die Krise noch überhaupt nicht verdaut sondern werden mit Staatshilfen, Gratisgeld und Buchhaltungsregel-Änderungen künstlich am Leben erhalten. Ihre Bad Debts sind noch lange nicht abgeschrieben, spätestens wenn die Kredite fällig sind, ist dies aber so weit. Es sei denn, die Regeln werden weiter gebogen oder noch mehr Staatsgeldern eingespritzt: Zombie-Banken à la japonaise Antworten


Martin Heimgartner

16.03.2010, 23:26 Uhr
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Sehr interessanter Artikel - und mit Seitenblick auf den neuesten Fed-Entscheid offenbar auch durchaus begründet. Griechenland, EU-Beitrittsverhandlungen von Island etc. wären allenfalls Anlässe für zweistellige Börsentaucher, doch hier droht der wirklich plausible Grund für einen währschaften Double-Dip. Das bringt selbst mittelfristige Anleger in taktische Bredouille... Die Spannung bleibt! Antworten


Marcel Grossglauser

16.03.2010, 23:25 Uhr
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Wieviel von diesen Forderungen befinden sich in den Büchern von Schweizer Banken? Aber die Nationalbank wirds schon richten. Antworten


Hans Saurenmann

16.03.2010, 23:02 Uhr
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Die im Artikel gezeigten Liegenschaft handelt es sich um Wohnliegenschaften und teilweise Genossenschafts-Eigentum. Der Wert befindedt sich in der Groessen-Ordnung fuer das gesamte Viertel um $ 1.8 Milliarden. Einkaufs Zenter und Gewerbe-Liegenschaften sind noch schlechter dran da sich das Konsum-Verhalten der Buerger stark veraendert hat. Das grosse Sterben kommt erst, Geld ist nichts mehr Wert!! Antworten




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