Wirtschaft

  • Region
  • Schweiz
  • Ausland
  • Wirtschaft
  • Börse
  • Sport
  • Kultur
  • Panorama
  • Leben
  • Auto
  • Digital
  • Wissen
  • Forum

Aus dem Gespenst wird Wirklichkeit

Aktualisiert am 25.10.2011 34 Kommentare

Lange wurde ein Schuldenschnitt für Griechenland von allen Seiten kategorisch ausgeschlossen. Nun gilt die Massnahme einen Tag vor dem Krisen-Gipfel plötzlich als der Befreiungsschlag.

Vor entscheidenden Gesprächen: Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, der französische Präsident Nicolas Sarkozy und Griechenlands Regierungschef Georgios Papandreou.

Vor entscheidenden Gesprächen: Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, der französische Präsident Nicolas Sarkozy und Griechenlands Regierungschef Georgios Papandreou.
Bild: Keystone

Finanzminister treffen sich später

Das ursprünglich für Mittwoch geplante Treffen der EU-Finanzminister in Brüssel ist kurzfristig abgesagt worden. Die polnische Ratspräsidentschaft habe sich entschieden, die Sitzung der Ressortchefs abzublasen, teilte ein Sprecher am Dienstagnachmittag mit. Diplomatenkreisen zufolge konnten zuvor nicht alle Fragen zum Gesamtpaket gelöst werden, das anschliessend auf dem Gipfel der europäischen Staats- und Regierungschefs verabschiedet werden sollte. Der Gipfel selbst werde jedoch wie geplant am Mittwochabend stattfinden, hiess es.

Die Finanzminister können ihre Detailarbeit somit erst nach dem Gipfel fortsetzen. Die Gespräche sollen dann auf den Beschlüssen vom Mittwochabend aufbauen. «Das Ziel ist, alle notwendigen Bestandteile und Details des Gesamtpakets so schnell wie möglich anzunehmen», teilte die Ratspräsidentschaft mit. (dapd)

Artikel zum Thema

Stichworte

Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

Von den einen herbeigerufen, von den anderen als Teufel an die Wand gemalt: Seit mehr als einem Jahr geistert das Gespenst eines drastischen Schuldenschnitts für Griechenland über der Eurozone. Nun wird aus dem Gespenst Wirklichkeit.

Meldungen vom Dienstag, es werde zwischen Frankreich und Deutschland noch über einen «Haircut»-Spielraum von 40 bis 60 Prozent gestritten, wurden in Diplomatenkreisen dementiert: «Wir sind über die 40 Prozent längst hinaus», hiess es. Denn die Troika-Analyse vom Freitag hatte eine Finanzierungslücke von 250 Milliarden Euro aufgedeckt. Ohne 60 Prozent Abschlag auf die Forderungen der Gläubiger komme Griechenland auch in den kommenden Jahrzehnten nicht auf einen grünen Zweig, lautete die unmissverständliche Botschaft.

Freiwilliger oder erzwungener Schnitt

Die Banken tun sich natürlich schwer, diese Botschaft zu akzeptieren. Der Internationale Bankenverband (IFF) blieb zunächst hart, wollte allenfalls 40 Prozent akzeptieren, so hiess es. Am Dienstag standen die Verhandlungen noch auf der Kippe. Dabei sollten sich die Politiker nicht beirren lassen, meint zumindest der Schuldenexperte Guntram Wolff vom Brüsseler Thinktank Bruegel: Schliesslich passe es nicht in die Logik der einzelnen Banken, sich freiwillig auf den maximalen Haircut einzulassen. «Sie werden bis zuletzt versuchen, das Beste für sich herauszuholen.» Notwendig sei eine «Kollektivintelligenz» der Branche. Denn auf lange Sicht würden auch die Banken zu den Gewinnern zählen.

Weil die Kollektivintelligenz noch zu fehlen scheint, rät Wolff den Euro-Staats- und Regierungschefs zum Durchgreifen. Sie sollten den Banken einfach ein Rückkaufangebot unterbreiten: Für jeden Euro Schulden erhalten sie 40 Cent. Wer nicht mitmache, riskiere den Totalverlust. «Und vom Markt würde ein erzwungener Schuldenschnitt positiv aufgenommen, weil er zeigen würde, dass die Euroländer zu harten Entscheidungen fähig sind.»

Angst vor der Kettenreaktion

Die Geldhäuser treibt - ebenso wie viele Regierungen - die Angst for einem forcierten Haircut um. Denn dies zöge eine Herabstufung Griechenlands durch die Rating-Agenturen nach sich, wodurch die sogenannten Kreditausfallversicherungen ausgezahlt werden müssten. Da viele Hedgefonds und Banken tief in den Handel mit diesen Risikopapieren verflochten sind, könnte eine Kettenreaktion drohen. Soweit die Theorie.

Wolff hält die Angst vor einem Kreditereignis indes für «völlig übertrieben». Die Verluste für die Banken blieben überschaubar. Auch das Ansteckungsrisiko für Italien oder Spanien sei geringer als heraufbeschworen, weil die Märkte nicht davon ausgingen, dass Schuldenschnitte für andere Länder folgen würden. «Ich gehe nicht davon aus, dass die Risikoaufschläge für andere Länder nach einem harten Schnitt am Donnerstag in die Höhe schnellen.» Allerdings wäre es nicht das erste Mal, dass sich die Märkte über Expertenprognosen kaltschnäuzig hinwegsetzten.

EU-Staaten haben stärkere Verhandlungsposition

Aber ob freiwillig oder nicht, letztlich befinden sich die EU-Staaten in der stärkeren Verhandlungsposition. Liessen sie Griechenland einfach in die Pleite rauschen, dann sähen die Banken noch weniger von ihrem Geld wieder. Denn die Kredite des IWF müssten im Pleitefall vertragsgemäss vorrangig bedient werden. Anschliessend dürften sich die EU-Staaten und die Europäische Zentralbank ihre Unterstützung der vergangenen Monate soweit wie möglich erstatten lassen. Private Gläubiger kämen in der Nahrungskette an letzter Stelle.

Möglicherweise einigen sich die Euro-Staaten also einseitig auf eine Prozentzahl, die sie dann den Banken als Henkersmahlzeit vorsetzen - ganz nach dem Motto: Friss oder stirb! Diese bekämen dann eine letzte Chance, sich darauf einzulassen und nach aussen den Schein einer gütlichen Einigung zu wahren. Falls sie stur bleiben, dürften sie auch kaum darauf hoffen können, noch einmal mit Steuermilliarden gerettet zu werden.

(jak/dapd)

Erstellt: 25.10.2011, 18:59 Uhr

34

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.

34 Kommentare

Mario Meier

25.10.2011, 19:44 Uhr
Melden 62 Empfehlung

und die SNB kauft munter weiter Euro. bis zum bitteren Ende. Wir sitzen dann auf 500 Milliarden wertlosen Ramschpapier Euros. Bravo nur weiter so......... Antworten


Rainer Marti

25.10.2011, 19:19 Uhr
Melden 47 Empfehlung

Kann ich als Privater auch einen "Haircut" für meine Steuernschulden beantragen? Möchte gerne meinen Ferrari, mein Ferienhaus und die gebuchten Ferien nicht zurückgeben. Hab ja genügend Zeit dafür schliesslich kann ich ja auch mit 45 in die Pension gehen....oder?! Antworten



Wirtschaft

Populär auf Facebook Privatsphäre


Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Remund führend in Werbetechnik

Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.

Online-Wettbewerb

Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!