«Aufwärts geht es nirgends»
Interview: Olivia Kühni. Aktualisiert am 13.12.2011 4 Kommentare
Roland Aeppli ist Ökonom mit Spezialgebiet Arbeitsmarkt und Wertschöpfung in der Schweiz bei der KOF Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich.
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Herr Aeppli, laut dem Arbeitsmarktbarometer von Manpower muss man 2012 vor allem im Detailhandel mit einem Stellenabbau rechnen. Teilen Sie diese Einschätzung?
Ja, wir kommen bezüglich des Detailhandels zu einem ähnlichen Ergebnis. Insgesamt aber ist es im Moment noch viel schwieriger als sonst, Prognosen zu erstellen. Der Blick in die Kristallkugel bleibt verwehrt.
Lassen Sie uns trotzdem teilhaben.
Es sind nicht alle Arbeitsmarktindikatoren komplett eingetrübt. Unser Beschäftigungsbarometer zeigt einen regelrechten Einbruch. Die Zahlen des Seco wiederum zeigen einen Rückgang der offenen Stellen, der allerdings nicht dramatisch ist. Und der Jobpilot-Index der Fachhochschule Nordwestschweiz zeigt ebenfalls einen Rückgang, der allerdings zum grossen Teil saisonbedingt ist. Man kann also durchaus sagen: Aufwärts geht es nirgends, in keiner Branche.
Überraschend ist, dass die Manpower-Daten einen beachtlichen Optimismus in der Finanzbranche anzeigen. Kommt der erwartete Strukturwandel doch nicht?
Banken befinden sich, wenn man den Verlautbarungen traut, in einer ständigen Umstrukturierung. Da wird immer wieder ein Arbeitsplatzabbau angekündigt. In den Daten des Bundesamts für Statistik aber schlug sich dieser bislang kaum nieder – offenbar geht es hier hauptsächlich um betriebsinterne Verlagerungen.
Gibt es eine Branche, in der strukturell bedingt ein Jobabbau zu befürchten ist?
Konjunkturelle Einbrüche verschärfen erfahrungsgemäss strukturelle Probleme. Sicher kommt es im Gastgewerbe zu einer Bereinigung. Hier gibt es viele Betriebe, die seit Jahren ständig mit einem Bein im Roten stehen. Das hat mit der Liberalisierung des Gewerbes zu tun, die neue Konkurrenz gebracht hat. Aber auch mit verändertem Verhalten der inländischen Kunden: Heute fragt man sich nicht mehr, ob man im Winter nach Davos oder doch lieber nach Arosa fahren will. Sondern eher, ob es die Schweiz sein soll, Österreich oder vielleicht doch die Karibik.
Sie sagen, Prognosen seien momentan besonders schwierig zu treffen. Wovon hängt ab, wie schlimm es kommt?
Die wohl wichtigste Frage ist, was in Europa passiert. Das schlimmste Szenario ist, dass die Schuldenkrise zu einer Bankenkrise wird, von der alle angesteckt werden. Da spielen Landesgrenzen keine Rolle mehr. Das würde auch die Schweiz stark treffen.
Wir müssten mit einer ähnlichen Situation rechnen wie 2009?
Es hätte Folgen, die sich kaum beschreiben lassen.
Worauf müssen die Schweizer Arbeitnehmer hoffen?
Vor allem, dass die Regierungen die europäische Krise lösen. Wie, das würde ich nicht sagen und erst recht nicht entscheiden wollen. Auf den Zuständigen lastet eine immense Verantwortung.
(Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 13.12.2011, 19:44 Uhr
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4 Kommentare
aha. "die schweizer arbeitnehmer müssen also darauf hoffen, dass die regierungen die europäische krise lösen......." ja das sind aber tolle aussichten! ich denke, der ch-arbeitnehmer sollte nun auch mal von der pfz profitieren und in sizilien orangen pflücken gehen. ist sicher die bessere lösung als "hoffen" und sich von den arbeitgebern in der schweiz scheinargumente für lohnkürzungen anzuhören. Antworten
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