Auch eine Grossmacht ist «too big to fail»
Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 04.05.2011 5 Kommentare
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«Der Dollar ist unsere Währung, aber euer Problem.» Dieser flapsige Spruch wird John Connally, dem US-Finanzminister unter Richard Nixon, zugeschrieben. Heute trifft er mehr zu denn je. In den Siebzigerjahren bestimmte der Wechselkurs des Greenback das Geschick der Weltwirtschaft. Inzwischen hat er auch entscheidenden Einfluss auf die Bilanzen anderer Notenbanken: Rund die Hälfte der US-Staatsanleihen sind in nicht amerikanischen Händen. Allein 25 Prozent entfallen auf China, 20 Prozent auf Japan und je 5 Prozent auf die Erdöl exportierenden Länder und Brasilien.
Dieser Dollarschatz wird jedoch immer weniger wert. Gegenüber dem Durchschnitt der wichtigsten Währungen hat der Greenback innerhalb eines Jahres rund 9 Prozent an Wert verloren und ist schon fast wieder auf jenem Tiefstpunkt angelangt, den er im Herbst 2008, mitten in der Finanzkrise, hatte. Angesichts dieser Schwindsucht müssten die Chinesen eigentlich alles Interesse daran haben, möglichst viele Dollar möglichst rasch loszuwerden. Das Gegenteil ist der Fall: Im ersten Quartal dieses Jahres nahmen die Reserven der chinesischen Notenbank zu und betragen heute mehr als 3 Billionen Dollar. Warum tun die Chinesen sich das an?
«Hard power» bleibt wichtig
Die Antwort ist banal: Weil sie gar nicht anders können. Der Ausdruck «too big to fail» trifft nicht nur auf Grossbanken zu, sondern auch auf Grossmächte. Ein amerikanischer Staatsbankrott hätte unweigerlich den Kollaps des internationalen Finanzsystems zur Folge. Daran ist auch China nicht interessiert. Deshalb bleibt der Dollar als Leitwährung unangefochten, obwohl die US-Staatsschulden inzwischen auf mehr als 14 Billionen, also 14'000 Milliarden Dollar, geklettert sind. So schnell wird sich das auch nicht ändern: «Solange die Währungen der wichtigen Rohstoffexporteure und Schwellenländer auf den US-Dollar fixiert sind, dürfte die Nachfrage nach US-Staatsanleihen hoch bleiben», hält die Bank Sarasin in ihrem jüngsten Newsletter fest. Nur zur Erinnerung: Die USA sind nach wie vor die bei weitem stärkste Militärmacht der Welt. So wichtig die «soft power» geworden sein mag, bedeutungslos ist die altmodische «hard power» deswegen nicht. China muss sich daher auf absehbare Zeit mit rhetorischen Scharmützeln begnügen. Die Optionen sind begrenzt: Entweder wird vom Internationalen Währungsfonds eine massive Ausweitung der Sonderziehungsrechte, einer Kunstwährung, gefordert, oder mit dem Abbau der Dollarreserven gedroht. Beides hat mit der Zeit stark an Wirkung verloren.
Renminbi noch kein Rivale
China setzt daher alles daran, den Renminbi langfristig zu einer globalen Leitwährung neben dem Dollar aufzubauen. Seit einiger Zeit werden auf dem Finanzplatz Hongkong Tests durchgeführt, wie man die chinesische Währung konvertierbar machen könnte. Mit einzelnen Ländern wie Argentinien hat China auch Abkommen geschlossen, die den Handel mit den eigenen Währungen ermöglichen – ohne Umweg über den Dollar. Bisher ist der Renminbi jedoch weit davon entfernt, ein ernsthafter Rivale des Dollar zu sein.Auch Brasilien will verhindern, mit schwindsüchtigen Dollars überschwemmt zu werden. Deshalb hat die aufstrebende Führungsmacht Südamerikas ein Prinzip des freien Marktes über Bord geworfen und wieder Kapitalkontrollen eingeführt. Wer fremde Devisen ins Land bringt, wird mit einer Strafsteuer belegt. Damit wollen die Brasilianer eine Flut von Dollars und eine damit verbundene, überstürzte Aufwertung ihres Real verhindern.Und was ist mit der Schweiz? Ein schwacher Dollar heisst auch, dass der Aufwertungsdruck auf den Franken zunimmt. Kapitalkontrollen sind keine Option, sie ziemen sich für einen Finanzplatz ganz einfach nicht. Negativzinsen, wie das während der Ölkrise Ende der Siebzigerjahre der Fall war, sind ebenfalls auszuschliessen. Wird also die Nationalbank wie beim Euro mit massiven Dollarkäufen eingreifen? Wohl kaum. Der Aufwertungsdruck des Dollar auf den Franken ist viel kleiner als beim Euro, darum sind solche Interventionen derzeit wenig gefragt. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 03.05.2011, 21:27 Uhr
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5 Kommentare
«Der Dollar ist unsere Währung, aber euer Problem.» Damit hat Connally absolut Recht. Die U.S.A. leben schon seit Jahrzehnten mit OPM (Other Peoples Money), indem sie mit wertlosen Dollars wertvolle Materialien und Produkte in aller Welt einkaufen. Im Gegensatz zu Connally haben es die Anderen nur immer noch nicht gemerkt. Antworten
Schon seit Jahren war der Untergang der USA von Besserwissern vorausgesagt. Wenn eine Wirtschaft nicht untergeht, ist es diejenige der USA. So flexibel ist niemand auf der Welt. Heute gibt es mehrere Industrienationen die höher verschuldet sind als Amerika. Antworten
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