Arbeitslosenquote leicht angestiegen
Leichter Anstieg: Im Vergleich zum Vormonat hat sich die Arbeitslosenquote um 0,1 Prozent erhöht. (Bild: Keystone)
Die Zahl der Arbeitslosen überschritt Ende August erstmals seit Februar 2006 wieder die Marke von 150'000. Sie nahm gegenüber dem Vormonat um 5467 auf 150'831 zu, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) am Dienstag mitteilte. Die Arbeitslosenquote stieg von 3,7 auf 3,8 Prozent. Unter Ausklammerung der saisonalen Effekte erhöhte sich die Quote von 3,9 auf 4,0 Prozent. Bankökonomen hatten einen Anstieg auf 4,1 Prozent vorausgesagt.
Für den Seco-Arbeitsmarktspezialisten Gaillard entspricht die Entwicklung ziemlich genau den Erwartungen. Dies gelte auch für die Jugendarbeitslosigkeit. 29'298 Menschen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren waren Ende August ohne Job. Im Vergleich zum Vorjahr entsprach dies einer Zunahme um fast drei Vierteln. Die Arbeitslosenquote stieg auf 5,3 Prozent, nach 4,6 Prozent im Juli und 3,0 Prozent vor einem Jahr. Bei den 20 bis 24-Jährigen erreichte die Quote sogar 6,2 Prozent. Unter den gut 21'000 Betroffenen seien viele Jugendliche, die in befristeten Arbeitsverhältnissen tätig gewesen seien oder temporär gearbeitet hätten, sagte Gaillard. Die Situation der Studienabgänger lasse sich wegen der sechsmonatigen Wartefrist hingegen noch nicht einschätzen.
Stabile Lehrstellensituation
Die Zahl der arbeitslosen Lehrabgänger betrug 4335. Sie hat innerhalb von zwei Monaten um rund 2000 zugenommen. Gaillard relativierte diesen Anstieg mit dem Hinweis, dass über 50'000 Jugendliche die Lehre abgeschlossen hätten. Damit zeige sich, dass die Bemühungen der Unternehmen, Lehrabgänger weiter zu beschäftigen, erfolgreich seien. Stabil präsentiert sich auch die Lehrstellensituation zum Beginn des neuen Lehrjahrs, wie das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie gleichentags mitteilte.
Die regionale Verteilung der Arbeitslosigkeit macht gemäss Gaillard nach wie vor deutlich, dass es sich um eine Industriekrise handelt. So sind die Zahlen im Vorjahresvergleich in den Industriekantonen Neuenburg, Solothurn, St. Gallen und Neuenburg besonders stark gestiegen. Im Vergleich zum Juli machte die Arbeitslosigkeit in Neuenburg den grössten Sprung, von 6,1 auf 6,5 Prozent. Sie näherte sich damit dem landesweit höchsten Wert von 6,9 Prozent in Genf.
Die Kurzarbeit scheint sich auf hohem Niveau zu stabilisieren, wie die Zahlen für den Juni und jene der Voranmeldungen zeigen. Das Seco ist laut Gaillard offen für die Forderung, dem Bundesrat die Kompetenz für eine weitere Verlängerung der maximalen Dauer der Kurzarbeit von 18 auf 24 Monaten zu erteilen. Diese Frage wird vom Parlament in der laufenden Session bei der Beratung des dritten Konjunkturpakets behandelt. Die weiteren Stabilisierungsmassnahmen, die vor allem auch der Zunahme der Jugendarbeitslosigkeit Rechnung tragen, hätten nach wie vor ihre Berechtigung, betonte Gaillard. Denn der Beschäftigungsabbau setzte erst jetzt voll ein. Verbesserte Wirtschaftsprognosen wirkten sich frühestens ab Mitte 2010 positiv auf den Arbeitsmarkt aus. (mbr/ap/sda)
Erstellt: 08.09.2009, 10:20 Uhr
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