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Anlageberater bringen nichts

Von Hansueli Schöchli . Aktualisiert am 30.03.2009

Noch ein Schlag für die gebeutelte Finanzbranche. Eine statistische Analyse über 30'000 Anleger in Deutschland sagt: Der Beizug von Vermögensberatern senkt die Renditen.

Schimpanse Ola

Eine Affenschande für die Börsenmakler präsentierte die schwedische Zeitung «Expressen» im Jahr 1993. Sie stellte fünf Finanzprofis und dem Schimpansen Ola je 10.000 Kronen zur Verfügung - sie sollten damit an der Börse den maximalen Gewinn herausschlagen. Ola gewann. Das Depot der Äffin stieg zwischen 3. August und 3. September 1993 um 1.542 Kronen - deutlicher als alle Portfolios der Börsenmakler. Dabei war Olas Methode der Aktien-Auswahl sehr einfach: Der Schimpanse warf Dartpfeile auf einen in der Stockholmer Börse ausgehängten Kurszettel.

Die Finanzmärkte sind nicht wirklich rational. Dieser Satz tönt nach der wilden Achterbahnfahrt der letzten Jahre mit zuerst grossem Boom und danach scharfen Kursstürzen wieder besonders plausibel. Was «rational» genau heisst, ist zwar nicht immer ganz klar. Aber kaum bestritten ist, dass menschliche Triebe wie Gier, Angst und Herdentrieb an den Aktienbörsen in kurzer Zeit wilde Schwankungen bewirken können, die nicht allein durch die Schwankungen der zugrunde liegenden Firmenwerte erklärbar sind. Kurz: Die Märkte «übertreiben» – mal nach oben, mal nach unten.

Eine ganz andere Frage ist, ob kühle Finanzprofis mit dem Wissen um solche Übertreibungen dauerhaft höhere Renditen erreichen können. Dahinter steckt die Frage, ob die Übertreibungen und deren Korrekturen in gewissem Sinn prognostizierbar sind. Viele Finanzprofis – Fondsverwalter, Anlageberater, Vermögensverwalter – behaupten es direkt oder indirekt: Auf dem Versprechen einer überdurchschnittlichen Rendite beruht ein grosser Teil der Branche. Und in der Tat: Jedes Jahr gibt es viele Profis mit überdurchschnittlichem Erfolg. Doch statistisch ist nichts anderes zu erwarten, als dass jährlich die Hälfte über dem Schnitt und die andere Hälfte darunter liegt. Analysen über Anlagefonds deuten darauf, dass die Renditen in der Vergangenheit kaum ein verlässlicher Indikator für künftige Renditen sind – dass also überdurchschnittliche Renditen oft mehr mit Zufall als mit Können zu tun haben.

Nettorenditen sind tiefer mit Berater

Einen weiteren Schlag für die gebeutelte Finanzbranche liefern nun drei europäische Ökonomen. Sie hatten Zugang zu den Daten von fast 33'000 Anlagekunden eines deutschen Brokers für 2001 bis 2006. Gut 4000 dieser Kunden arbeiteten mit einem Finanzberater zusammen. Die Forschungsfrage: Erreichten die Anleger mit Finanzberater bessere Renditen als jene, die auf eigene Faust handelten? Die erste Antwort der Forscher mag die Finanzbranche beruhigen: Ja – mit mittleren Monatsrenditen von 0,64 Prozent (mit Berater) gegen 0,45 Prozent (ohne Berater).

Doch nebst dem Berater haben viele andere Faktoren Einfluss auf Anlagerenditen. Zum Beispiel die Erfahrung des Anlegers (Anleger mit mehr Erfahrung erreichen in der Tendenz bessere Resultate), das Geschlecht (Frauen erreichen in der Tendenz bessere Resultate als Männer, weil sie sich weniger überschätzen) und das Vermögen (Reichere erreichen in der Tendenz bessere Resultate). Unter Berücksichtigung solcher Faktoren kehrt sich das Fazit um: Anleger mit Finanzberater erreichten im Schnitt schlechtere Nettorenditen als vergleichbare Anleger ohne Finanzberater. Und dies, obwohl die Portfolios der Anleger mit Berater im Schnitt höhere Risiken enthielten (das heisst grösseren Kursschwankungen ausgesetzt waren). Die Forscher hatten nur Informationen über die Nettorenditen – nach Abzug von Gebühren. Selbst falls die Berater einen Mehrwert bringen sollten, so resümieren die Autoren, dann lägen die Gebühren über den Zusatzrenditen.

Wichtig ist vor allem, nicht zu viel zu bezahlen

Solche Analysen sind nie hieb- und stichfest: Statistische Zusammenhänge sind kein Beweis dafür, dass das eine (hier: Beratung durch einen Profi) die Ursache des anderen ist (tiefere Renditen ). Die neuste Analyse ist aber immerhin ein weiteres Indiz dafür, dass Privatanleger von Beratern nicht allzu viel erwarten sollten – und vor allem nicht allzu viel bezahlen sollten.

Das heisst nicht unbedingt, dass die Anlageberatungs- und Vermögensverwaltungsbranche per saldo überhaupt keinen Mehrwert für die Kundschaft liefert. Doch der Mehrwert ist vermutlich eher bescheiden. Erstens: Seriöse Berater können Risikofähigkeit und Risikolust des Kunden einschätzen und auf dieser Basis zum Beispiel den Hinweis geben, welcher Anteil des Vermögens sinnvollerweise in Aktien zu investieren ist. Und: Berater können auch «heisse Tipps» geben – diese bringen zwar im Schnitt kaum eine Mehrrendite, aber für Privatanleger mit Spiellust vielleicht einen gewünschten Adrenalinschub. (Der Bund)

Erstellt: 30.03.2009, 12:22 Uhr

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