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Angst drückt den Franken hoch

Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 25.08.2010

Heute Morgen hat der Franken einen historischen Höchststand erreicht. Laut Analysten dürfte es nicht der letzte gewesen sein. Wie das Gold und die Zinsen ist die Schweizer Währung ein Fiebermesser der Angst.

Für die eigene Währung erhalten die Schweizer immer mehr in Euro und in Dollar: Geldwechseln am Bankschalter.

Für die eigene Währung erhalten die Schweizer immer mehr in Euro und in Dollar: Geldwechseln am Bankschalter.
Bild: Keystone

Und wieder fällt der Euro gegenüber dem Franken auf Tiefststände. Laut Analytikern wird dieser Trend vorerst noch weitergehen: «Der Aufwärtsdruck auf den Schweizer Franken hält an», sagt zum Beispiel die Währungsexpertin der Bank Sarasin, Ursina Kubli. Auch der US-Dollar sackt gegenüber dem Franken ab. Heute notiert die US-Währung bei weniger als 1.03 Franken. Grund für die Frankenstärke sind die Konjunkturängste, die sich auf allen Finanzmärkten immer mehr ausbreiten. Das zeigt sich besonders deutlich an den rekordtiefen Langfristzinsen, aber auch am steigenden Goldpreis.

Wie das Gold dient der Schweizer Franken auf den internationalen Märkten nach wie vor als sicherer Hafen. Nächste Woche könnte der Franken laut Kubli zum Beispiel nach der Publikation der ISM-Daten aus den USA, die nächsten Mittwoch publiziert werden, einen neuen Höhenflug erleben. Diese Daten beruhen auf Umfragen unter Einkaufsmanagern und zeigen ein gutes Bild vom Zustand der amerikanischen Wirtschaft. Laut Kubli weist alles darauf hin, dass die Daten einen weiteren Hinweis auf eine anhaltende Schwäche der weltgrössten Wirtschaft liefern werden: «Die Ängste vor einem Rückfall in die Rezession würden dadurch verstärkt, weitere Frankenkäufe wären die Folge», sagt die Währungsanalystin.

Eine Zinserhöhung der SNB im September ist unwahrscheinlich

Die einzige Institution, die den Franken schwächen könnte, wäre die Schweizerische Nationalbank SNB. Doch auch von da erwarten die Analysten keine Aktivitäten. «Nichts in den Verlautbarungen der Nationalbank deutet auf eine Währungsintervention hin», sagt Kubli. Bisher hat die Notenbank die Märkte jeweils auf solche Schritte vorbereitet. «Wenn die SNB daher jetzt doch eingreift, würde das ihrer Glaubwürdigkeit schaden. Schon deswegen wäre ihre Durchsetzungskraft auf den Märkten gering.» Gering waren sie schon bisher. Selbst die Euro-Käufe der Nationalbank, die die Fremdwährungsreserven auf Rekordwerte ansteigen liessen, konnten den Aufwärtstrend bisher nicht bremsen.

Die neue Frankenstärke lässt es immerhin sehr unwahrscheinlich erscheinen, dass die Nationalbank im September ihren rekordtiefen Leitzins erhöht, was bisher einige Bankanalysten offiziell noch erwarten. Ein höherer Zins würde den Franken als Anlagewährung noch attraktiver machen. Ein anhaltend ausgeprägt teurer Franken senkt über tiefere Importkosten die Inflationsgefahr, die die Nationalbank selbst am mittelfristigen Horizont sieht. Dadurch sinkt auch die Notwendigkeit von Zinserhöhungen.

«Euro-Schwäche passt nicht zu den Konjunkturdaten»

«Die Schwäche des Euro passt nicht zu den Konjunkturdaten aus dem Euroraum», sagt der Chef-Währungsanalyst der UBS, Thomas Flury. Besonders Deutschland vermeldet bisher Daten, die auf einen robusten Aufschwung hinweisen. Auch Flury hält daher den Frankenauftrieb wie auch die tiefen Langfristzinsen für einen Ausdruck der vorherrschenden Angst. Immerhin würden die Schweizer Exporteure besser mit dem teuren Franken umgehen können, wenn sich die Konjunkturlage vor allem in Deutschland weiter verbessert. Viele Kommentatoren rechnen allerdings nach wie vor auch dort mit einer Abschwächung im zweiten Halbjahr.

Während vieles in nächster Zeit für einen weiteren Verfall des Euro gegenüber dem Franken auf unter 1.30 pro Euro spricht, gilt das nicht für einen längeren Zeithorizont. Laut Ursina Kubli von Sarasin ist der Franken jetzt deutlich überbewertet. «Sobald die Ängste wieder nachlassen und sich in den weltweiten Konjunkturdaten eine klare Bodenbildung abzeichnet, wird der Franken sich gegenüber dem Euro in Richtung seines fundamentalen Werts bewegen.» Kubli sieht ihn bei einem Kurs von rund 1.45 Franken erreicht. Bis zum dritten Quartal 2011 erwartet sie einen Kurs von 1.40, was genau der Konsensschätzung unter den Analysten entspricht. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.08.2010, 13:03 Uhr

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