Aktienmärkte: Der Jahrhundert-Ausverkauf
Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 17.03.2009 32 Kommentare
Die letzten sechs Monate waren die brutalsten seit 1932: Börse in New York. (Bild: Keystone)
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Lawrence Summers, ehemaliger US-Finanzminister und heutiger ökonomischer Chefberater von Präsident Barack Obama, hat kürzlich in einem Vortrag seine Einschätzung der Wirtschaftslage erläutert. Die Zuhörer waren Wissenschafter des Brookings Institut, ein renommierter Think Tank. Der Inhalt dürfte aber auch Investoren interessieren.
1. Summers geht davon aus, dass wir derzeit nicht eine normale Rezession erleben, sondern eine Schulden-Deflations-Rezession. Sie ist entstanden, weil Immobilien- und andere Blasen geplatzt sind und deshalb in kurzer Zeit grosse Vermögenswerte vernichtet wurden und jetzt Unternehmen und private Haushalte vor allem eines müssen: Schulden abbauen.
2. Die Vermögensvernichtung der letzten 18 Monate hat inzwischen gigantische Ausmasse angenommen. Summers spricht von insgesamt 50'000 Milliarden Dollar, die weltweit verschwunden sind. 7000 Milliarden Dollar wurden allein am US-Aktienmarkt verloren, etwa 6000 Milliarden Dollar im Immobilienmarkt.
3. Diese Vermögensvernichtung hat inzwischen auch die reale Wirtschaft erfasst und zu einer globalen Rezession geführt. Die amerikanische Wirtschaft beispielsweise ist regelrecht eingebrochen. Sie schöpft ihr Potenzial bei weitem nicht mehr aus, sondern könnte eigentlich für rund 1000 Milliarden Dollar mehr Güter und Dienstleistungen produzieren.
4. Dieses brach liegende Potenzial widerspiegelt sich auch in den Kursen der Aktien. Der Dow-Jones-Index, der bekannteste Massstab für amerikanische Aktien, ist derzeit auf dem Stand von 1966; natürlich nur, wenn man die Inflation herausrechnet. Was dies konkret bedeutet, illustriert Summers wie folgt: Die gesamte US-Wirtschaft ist heute so viel wert wie in einer Zeit, «als es noch keine PCs gab, kein Internet, keine flexible Produktion, keine Softwareindustrie, als die erwerbstätige Bevölkerung halb so gross war wie heute und der Kapitalstock gar nur ein Drittel.» Wenn das nicht der Ausverkauf des Jahrhunderts ist, was dann?
5. Trotzdem zögern viele Investoren zuzugreifen. Die letzten sechs Monate waren die brutalsten seit 1932. Die Bären feierten Triumphe, die Kurse sanken und sanken. Alle Zwischenhochs haben sich als kurze Strohfeuer entpuppt. Deshalb sind die Investoren zermürbt. Das hat zu bizarren Zuständen an den Märkten geführt. In den USA und Grossbritannien beispielsweise sind die Dividenden der Aktien höher als die Renditen der Staatsobligationen, ein Phänomen, das die Welt zum letzten Mal in den 50er-Jahren gesehen hat.
Können die Aktien noch tiefer fallen? Grundsätzlich schon. Trotzdem können die Investoren langsam wieder Mut fassen. Die Talsohle kann nicht mehr weit entfernt sein. So geht die Bank Goldman Sachs davon aus, dass die US-Aktien 32 Prozent unter ihren fairen Wert gefallen sind und mehr als 50 Prozent vom normalen Wert entfernt sind. «Die heutigen Preise mögen nicht die absoluten Tiefstpreise sein», schreibt auch der «Economist». «Aber sie haben eine grosse Sicherheitsmarge für Investoren, die sich Geduld leisten können.» (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 17.03.2009, 19:20 Uhr
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32 Kommentare
"....grosse Sicherheitsmarge für Investoren die sich Geduld leisten können..." --- sofern die Firma nicht Pleite geht! Würde sofort einsteigen, wenn ich wüsste, dass die entsprechende Firma das Desaster überleben wird. Die Banker habe gründliche arbeit abgeliefert - 50'000 Milliarden vernichtet - das muss erst mal jemand nachmachen. Antworten
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