2010 wird alles besser

Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 30.12.2009

Warum ein Absturz der Weltwirtschaft vermieden werden konnte, und warum es wieder aufwärts geht: eine Analyse.

Hoffnung zum Jahresende: Grossväterchen Frost und Schneedamen in Minsk, Belarus.

Hoffnung zum Jahresende: Grossväterchen Frost und Schneedamen in Minsk, Belarus.
Bild: Keystone

Vor einem Jahr taumelten die USA wie ein angeschlagener Boxer durch den Ring: Die Wirtschaft befand sich im freien Fall, die Börsenkurse sackten ins Bodenlose und die Arbeitslosenzahlen stiegen. Von links bis rechts wurden Abgesänge auf das angelsächsische Modell des Kapitalismus geschrieben. Das Ende der Globalisierung angekündigt. Doch eine Wiederholung der Grossen Depression hat bisher nicht stattgefunden. Im Gegenteil: Der Dow Jones ist wieder auf über 10'000 Punkte geklettert und das Finanzsystem hat sich stabilisiert.

Sehr viel entscheidender ist jedoch die Tatsache, dass sich auch die reale Wirtschaft zu erholen scheint. Auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt kündigt sich eine Wende an. Folgende Entwicklung lässt sich beobachten: Beim Ausbruch einer Krise entlassen Unternehmen überflüssig gewordene Arbeitskräfte und stellen keine neuen mehr ein. Wenn die Nachfrage wieder anzieht, dann versuchen sie zunächst, die Arbeitnehmer zu mehr Leistung anzustacheln und die Produktivität zu erhöhen. Wenn das nicht mehr ausreicht, werden Temporärkräfte angeheuert. Das ist auf dem US-Arbeitmarkt bereits der Fall, im November sind 52'000 temporäre Jobs geschaffen worden. Besser noch: Im Dienstleistungssektor entstehen wieder Vollzeitstellen, 58'000 waren es im November. Angesichts der Tatsache, dass die Krise mehr als sieben Millionen Arbeitsplätze vernichtet hat und sich die Arbeitslosenquote nach wie vor rund zehn Prozent beträgt, mag dies ein Tropfen auf den heissen Stein sein. Doch entscheidend ist: Der Trend stimmt.

Obama-Bashing ist angesagt

Erstaunlicherweise werden wirtschaftspolitischen Erfolge der Regierung und des Fed kaum gewürdigt. Derzeit ist Obama-Bashing angesagt. Für die Konservativen kann er ohnehin nichts recht machen. Sie haben sich zur totalen Opposition entschieden und lehnen alles ab, sei es die Reform des Gesundheitswesens oder Massnahmen gegen die Klimawandel. Was die Wirtschaft betrifft, ist Obama für die Rechte ein sozialistisches Monster. Er wurde gar mit Stalin oder Hitler verglichen. Unterstützt werden die konservativen Extremisten von neoliberalen Hardlinern, Ökonomen, die im Staat grundsätzlich nur das Böse erkennen können, und die deshalb Konjunkturspritzen auch dann ablehnen; selbst dann, wenn sie nachweislich wirken, wie das bei der Abwrackprämie der Fall war.

Auch bei den Linken gerät Obama zunehmend unter Beschuss. Ihnen hat er zu viele Konzessionen bei der Gesundheitsreform gemacht, zu viele Truppen nach Afghanistan geschickt und den Klimawandel zu wenig energisch bekämpft. Was die Wirtschaft betrifft, bemängeln sie, dass Obama die Wall Street Banker viel zu wenig hart angefasst hat und das Stimulierungsprogramm für die reale Wirtschaft zu mickrig ausgefallen sei.

Es gibt auch geopolitische Gründe

Das könnte tatsächlich zu einem Problem werden. Aufgrund der Erfahrungen Japans in den 1990er Jahren warnt auch der Chefökonom des Nomura Research Institute, Richard C. Koo, davor, die staatliche Unterstützung vorschnell einzustellen. «Die Politiker (…) sehen die Gefährlichkeit eines ausgedehnten privaten Schuldenabbauprozesses nicht», warnt er in einem Interview mit der «Finanz und Wirtschaft». «Wird zu früh auf die Sanierung des Staatshaushaltes gesetzt, implodiert das Wirtschaftswachstum, und die Rechnung für den Staat wird teurer.»

Möglicherweise wird es jedoch gar nicht so schlimm werden. Nicht nur das energische Handeln von Regierung und Notenbank haben eine Depression vermieden. Es gibt auch geopolitische Gründe. Fareed Zakaria, Chefredkator des «Newsweek» führt drei davon auf: Erstens geht es derzeit auf dem Planeten relativ friedlich zu. Zweitens ist die Inflation besiegt. Das erlaubt den Unternehmen, langfristig zu planen. Und drittens hat die technische Entwicklung die Wirtschaft weltweit verzahnt. Nationalismus und Protektionismus kann sich die Wirtschaft nicht mehr leisten. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 30.12.2009, 17:19 Uhr

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