Väter sollten Teilzeitarbeit einfordern
Auch Väter wollen Familienarbeit übernehmen. (Bild: colourbox)
Bund fördert Teilzeit
Der Bundesrat möchte die Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben verbessern. Deshalb soll, wer beim Bund angestellt ist, Teilzeit arbeiten können. Die Landesregierung hat kürzlich beschlossen, dass neu zu besetzende Vollzeitstellen nach Möglichkeit als 80- bis 100-Prozent-Stellen ausgeschrieben werden. Überprüft wird auch, ob die Stellen im Rahmen eines Jobsharings vergeben werden können. Weiter soll die finanzielle Unterstützung der Bundesangestellten bei der externen Kinderbetreuung harmonisiert werden. sda
Die Schweiz ist im Vergleich zu anderen Ländern gegenüber frischgebackenen Eltern schockierend knausrig, wie eine neue Studie zeigt. Müttern steht gemäss Gesetz 14 Wochen Mutterschaftsurlaub mit 80 Prozent des Lohns zu. Einen Vaterschaftsurlaub gibt es überhaupt nicht. Zum Vergleich: Deutschland gewährt Eltern insgesamt 47 Wochen Urlaub zum vollen Lohn.
Nicht nur Sache der Frauen
Das wahre Problem der Schweiz liege jedoch nicht allein beim kümmerlichen Elternurlaub, sagt Daniel Huber, Geschäftsführer der Fachstelle UND. Er hält fest: «Das traditionelle Familienmodell hat im Arbeitsleben noch immer die besseren Rahmenbedingungen.» Diese einengenden Rollenvorstellungen behinderten Eltern, die sich sowohl im Beruf als auch in der Familie engagieren möchten. Die Fachstelle UND setzt sich dafür ein, dass Männer sowie Frauen die Familien- und Erwerbsarbeit vereinbaren können. Eine konservative Mentalität herrscht allerdings nicht nur in der Schweiz, sondern auch in vielen anderen europäischen Ländern (siehe Tabelle).
Es sei wichtig, den Blick zu öffnen, findet Huber. «Zu oft wird die Frage der Vereinbarkeit von Beruf und Familie auf Frauen fokussiert.» Die Unternehmen müssten auch den Vätern gute Lösungen anbieten. Dabei sei entscheidend: Nicht nur die Politik und die Betriebe stünden in der Pflicht, sondern auch die Männer selbst.
Mehr möglich als gedacht
Huber meint: «Vor allem junge Väter wollen vermehrt weniger arbeiten. Oft getrauen sie sich aber nicht, das einzufordern – entweder, weil ihnen die Vorbilder fehlen oder weil sie befürchten, sie gälten als zu wenig motiviert.» Die Folge: Die Vorgesetzten gehen davon aus, ihre männlichen Mitarbeiter möchten gar nicht das Pensum reduzieren.
Daniel Huber verlangt deshalb: «Junge Paare sollten mutiger werden.» Sie müssten flexiblere Arbeitszeiten einfordern und die Gleitzeiten mehr ausnützen, damit sie etwa ihre Kinder am Morgen in die Krippe bringen könnten.
Und wenn der Chef nun sagt, das sei zwar eine schöne Idee, aber leider betrieblich nicht umsetzbar? «Es ist viel mehr möglich, als viele denken. Oft sehen Unternehmen nur die Nachteile», betont der Geschäftsführer der Fachstelle UND. Doch es gelte noch anderes in die Waagschale zu werfen: «Die Vorgesetzten sollten einsehen, dass Teilzeit arbeitende und zufriedene Mitarbeiter oft motivierter und konzentrierter sind.» (Berner Zeitung)
Erstellt: 05.08.2010, 08:06 Uhr
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