«Ungekünstelt heisst keineswegs kunstlos»
Von Stefan Schlegel. Aktualisiert am 15.10.2009
Gute Fachsprache ist nicht nur eine Frage der Sachkompetenz, sondern auch des Augenmasses. Wer meint, kompetenter zu wirken, je komplizierter er sich ausdrücke, imponiert höchstens Anfängern.
Es ist erfrischend, dass Umberto Eco diese Feststellung an den Beginn seines Standardwerkes über wissenschaftliches Arbeiten stellt. Tröstlich ist dagegen der Einstieg ins Buch von Regina Ogorek, Peter Forstmoser und Hans-Ueli Vogt: «Keine Frage: Textproduktion ist anstrengend. Das heisst aber nicht, dass auch die Lektüre von Texten eine Tortur sein muss.»
Eco richtet sich mit seinem Buch an Geisteswissenschaftler, das Trio Ogorek/Forstmoser/Vogt an Juristen. Beide Bücher sind aber fächerübergreifend hilfreich, denn sie sind von Autoren verfasst, die nicht nur ihr Fach beherrschen. Auch im Umgang mit der Sprache sind sie erfahren und haben nebst vielen guten Büchern auch viele schlechte Seminararbeiten gelesen.
Wer sich entschuldigt, soll nicht schreiben
Umberto Eco erzählt freimütig von den Schwierigkeiten, mit denen er selber beim Schreiben seiner frühen Arbeiten zu kämpfen hatte. Trotzdem ist er nicht bereit, bei seinen Studenten sprachliche Saumoden durchgehen zu lassen. Wer Ironie als solche deklariert, erkläre seinen Leser für einen Idioten, und wer sich für das, was er schreibt, entschuldigt, der sollte besser nichts schreiben, donnert Eco die verunsicherten Studenten an.
Das Buch von Ogorek/Forstmoser/Vogt besticht durch die vielen eingefügten Beispiele dazu, wie man es nicht machen sollte. Und die Prägnanz seiner Merksätze: «Als Faustregel kann man festhalten, dass Genauigkeit immer vor Anschaulichkeit (und selbst vor sprachlicher Eleganz) geht.» Aber: «Ungekünstelt heisst keineswegs kunstlos.» Stefan Schlegel
Umberto Eco: Wie man eine wissenschaftliche Abschlussarbeit schreibt. UTB.
Regina Ogorek, Peter Forstmoser, Hans-Ueli Vogt: Juristisches Arbeiten. Schulthess. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 15.10.2009, 14:08 Uhr
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