Wirtschaft
«Der Eid erscheint wie eine Show»
Von David Vonplon. Aktualisiert am 02.10.2009 28 Kommentare
«Als Manager ist es meine Aufgabe, der Gesellschaft zu dienen.» So beginnt der Schwur, den MBA-Studenten der Universität St. Gallen erstmals vor ein paar Wochen geleistet haben und auch Vollzeitstudenten künftig abhalten können. Dabei geloben die Absolventen auch, mit der grösstmöglichen Integrität zu handeln und ihrer Arbeit in einer ethischen Weise nachzugehen. Die Ausbildungsstätte für die angehende Wirtschaftselite folgt einer Initiative der Harvard Business School: So wie Ärzte eine hippokratischen Eid ablegen, heben dort angehende Manager bei der Zeugnisvergabe die Finger zum Schwur.
Die Botschaft hinter dem moralischen Versprechen: Auch wenn in den Investmentbanken viele MBA-Absolventen jene Finanzprodukte zusammengeschustert haben, welche den Bankencrash ausgelöst haben, werden an der Business School keine gewissenlosen, gierigen Manager ausgebildet. Der Eid ist denn auch Teil einer breiten Initiative, den Beruf des Managers in eine angesehene Profession zu verwandeln; und sich von der früheren Generation von Bankern und Managern abzugrenzen, welche die Exzesse der letzten Jahre zu verantworten hat. Es gilt die weit verbreitete Ansicht zu korrigieren, dass an den Business School, das kurzfristige Gewinndenken geradezu eingeimpft wird.
Der hippokratische Eid als Show
Unumstritten ist, dass die Reputation der Manager zuletzt arg gelitten hat. Weniger eindeutig ist allerdings, ob das feierliche Versprechen mehr darstellt als eine Alibiübung. «Der Eid erscheint wie eine Show – oberflächlich – und wirft ein bedenkliches Licht auf das Studium selbst», sagt dazu Wirtschaftswissenschaftler Fredmund Malik, der in seinem Management Zentrum St. Gallen selber Weiterbildungskurse für Kaderleute anbietet. Was gemäss Malik viel wichtiger wäre als ein Eid: Das MBA-Studium müsste mit jenen Inhalten gefüllt werden, die dem Nachwuchs das richtige Handwerk des Managements beibringen. Der Ökonom vermutet, dass dieser Schwur ein reines Marketinginstrument ist, mit dem man den Managern und insbesondere den Bankern begegnen will.
Auch andernorts begegnet man dem Harvard-Eid mit Ablehnung. So etwa an der IMD-Business School in Lausanne. Deren Präsident hält dies laut «Handelszeitung» eher für eine clevere Marketing-Strategie. Und an der Universität Zürich schliesst man die Einführung eines Eides kategorisch aus. «Eine Diskussion über die Einführung eines entsprechenden Eides unserer Absolventinnen und Absolventen gibt es nicht», erklärt Josef Falkinger, Dekan der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät auf Anfrage von Bernerzeitung.ch/Newsnet. Zur verantwortlichen Wissenschaft gehöre die ethische Reflexion, erklärt der Professor. Diesem Leitbild sei man verpflichtet und messe der gesellschaftlichen Verantwortung grösste Bedeutung bei.
Uni Zürich: «Mit Schwüren sollte man nicht spielen»
«Mit Eiden und Schwüren sollte man meiner Meinung nach nicht spielen», kritisiert Falkinger. Zumal es schwierig scheine, mit der Einführung des Eides festzugelegen, wie eine Verletzung überprüft und geahndet werden könnte. Genau dies aber hat die Harvard Business School im Sinn. Sie werkelt in Zusammenarbeit mit dem World Economic Forum und dem Aspen Institute daran, dem Gelöbnis mehr Biss zu verleihen. Im Gespräch sind unter anderen auch die Einführung einer Art Lizenz für Manager oder die Etablierung einer Organisation, die unprofessionelles Verhalten bestraft. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 02.10.2009, 11:32 Uhr
WRITE A COMMENT
28 Kommentare
Dieser MBA-Schwur ist nichts mehr als reines
Hejeijei, bitte! Hier ist die Rede vom "MBA" an der HSG! Das sing genau 40-50 Absolventen pro Jahr. Das hat rein gar nix mit den 1000 "normalen" Studenten zutun und ist auch eine komplett andere Ausbildung! Und diese falschen Anschuldigungen was "anscheinend" den ganzen Tag an der HSG gepredigt" wird. Ich bite euch, geht mal an eine Vorlesung bevor ihr Behauptungen ins Netz stellt! Antworten
Ich hatte einen grossartigen Chef der noch ohne Eid an der HSG studiert hat, grossartig wäre er vermutlich auch gewesen wenn er nicht an der HSG gewesen wäre. Der Eid wird ja vermutlich nicht einzeln abgegeben, da kann man dann auch sagen: "Ich höre es". Antworten
Ich frage mich, wie gross der Anteil der Kommentatoren ist, die weder die HSG jemals von innen gesehen noch je deren Vorlesungsverzeichnis in Händen gehalten haben. Und doch wissen viele angeblich mit Sicherheit 'vom Kollegen eines Kollegen' was dort inhaltlich gelehrt wird und was für Räubergeschichten die Studierenden ach so oft liefern.. Meinungsbildung by hear saying ist doch etwas Tolles... Antworten
Bitte nich die Studenten anprangern. Wie wäre es denn mit den Professoren, den Eltern, den Politikern, etc.etc. SInd sie es nicht, die unserer Jugend das Vorbild für eine ethische Verhaltensweise zeigen sollten. Für junge Menschen sind doch in der Regel die Erwachsenen die Vorbilder oder sehe ich dies falsch. Ist z.B. ein Vasella ein Vorbild oder ein Ospel, etc.etc.. Oder sogar unsere Politiker. Antworten
Was bitte ist "grösstmögliche" Integrität? Das implziert ja bereits den aktiven und vorsätzlichen Vertsoss gegen Integrität. Wo liegt nun der Sinn eines solchen Schwurs ausser der eidesstattlichen Erklärung eben nicht integer zu sein. Und wer hat den Text geschrieben? Der Ethikdozent der HSG? Ehrlich wäre doch wenn die Studies auf den Mammon schwören würden. Aber dazu bräuchte es Rückgrat Antworten
Der MBA läuft über ein völlig anderes Gefäss als die regulären Abschlüsse der HSG. Man versucht dort, der Kundschaft etwas für ihr Geld zu bieten (nach US Vorbild halt, so wie MBAs auch) Darüber lässt sich natürlich streiten. jedoch heute sind normale HSGler zumindest akademisch mehr auf Wirtschaftsethik und Nachhaltigkeit getrimmt als andere CH Wirtschaftsstudenten. und nicht alle wollen zur UBS! Antworten
Die HSG zieht Studenten an, welche sehr schnell sehr viel Geld verdienen wollen, oft ohne moralische Skrupel. Was nicht verboten ist, ist erlaubt. Ein Eid hilft da nicht viel. Das ganze Management Studium von Harvard wie auch von der HSG muss neuen Prinzipien folgen, ohne Eid, dafür neue Professoren! Eine Alternative ist die London School of Economics wo seit jeher verantwortlich unterrichtet wird Antworten
Die HSG und deren Absolventen sind ein Ausbund an Egoismus. Zählen tut das Ich, das WIR ist grundsätzlich aus dem Wortschatz gestrichen, es sei den man ist unter einesgleichen oder hält einen weiteren dummen Vortrag vor Mitarbeitern. Augen schliessen und zuhören, es kling gleich, egal wer vorne redet. Gruss von einem 'outgesourcetem' :-) Antworten
das hauptproblem der universität sg in zusammenhang mit der "mitschuld" der herren professoren und absolventen am letzten wirtschaftscrash meines erachtens: die hohe fremdfinanzierung. wie heisst es doch so schön: "wes brot ich ess, des lied ich sing". vielleicht müssten gewisse institutsleiter in zukunft bei der annahme von mandaten aus der privatwirtschaft ein bisschen kritischer sein Antworten
Der Geld-Geist der HSG ist mitverantwortlich für die heutige Finanzkrise. Diese Absolventen haben mitgeholfen, die Wirtschaft an die Wand zu fahren. In St. Gallen braucht es eine Ausbildung, die sich primär am Menschen und nicht am Kapitalgewinn orientiert. Wenn an der HSG keine Umkehr in Richtung nachhaltiger Wirtschaftslehre stattfindet, wird der Nutzen diese Bildungsstätte sehr fraglich. Antworten
Ist vergleichbar mit dem Eheversprechen! Wie lange das hält, ist so individuell wie die Menschen, die es abgeben. Managen ist m.E. gleich, wie organisieren einer anvertrauten Gruppe (vom Chaos in die Ordnung führen...) - tut z.B. auch eine Hausfrau, eine Mutter, oder einfach der Teil, welcher zu Hause zum Rechten schaut... wie wirkt sich dieses Versprechen nun auf die Arbeit aus? Enjoy the show! Antworten
Pro Jahr werden hunderte von Personen an der HSG ausgebildet. Das darunter auch einige Status bzw. Geldgetriebene Personen darunter sind möchte ich überhaupt nicht abstreiten; dafür umso mehr darauf hinweisen, dass meine persönlichen Erfahrungen klar zeigen, dass die Mehrheit der Studenten sich nicht so verhalten, bzw. andere Ziele haben als den TradingFloor der UBS. Antworten
Die HSG ist dann eine Top-Uni, wenn wirklich die Besten ausgebildet werden und dies nach hohen Massstäben auch was die Sozialkompetenz angeht. Leider ist die Uni SG leider v.a. ein Anziehungspunkt für viele selbstverliebte und statusgeile junge Menschen. So schafft sich die HSG ihren Ruf selber - mit oder ohne Ethik-Schwur. Antworten
Man wägt sich im falschen Film, wenn man diese Zeilen liest. Eine Universität, die ihr eigenes Institut bzw. ihre eigenen Mitarbeiter (ich erinnere an die Geschichte um Ulrich Thielemann) verunglimpft bzw. deren wissenschaftliche Arbeit nicht Ernst nimmt bzw. respektiert, kann doch nicht ernsthafterweise per "Eid" ihren Studenten verantwortungsvolles Handeln abverlangen. Blanke Ironie ist das!!! Antworten
Die HSG fällt offensichtlich nichts besseres ein als verlogene amerikanische Konformitätsrituale nachzuäffen. Angesichts des neoliberalen ideologischen Unterbaus ist der einzige pausible Effekt, dass die eifrigen Schäfchen - wie ihre amerikanischen Glaubensbrüder und Schwestern - ohne Mühe das Ritual in ein Kredo "was gut für mich ist, ist gut für die Gesellschaft" umdeuten werden. Antworten
Ich schwöre täglich weniger süsses zu essen und breche diesen Schwur immer wieder... Ohne Konsequenzen, ohne Reue. Ohne (vor-)gelebte Verantwortung und ohne gelernte Vernunft und ohne Mut gegen Missetäter vorzugehen ist ein solcher Schwur nur ein billiges Verkaufsargument einer kleinen aber leider immer noch bedeutenden Vorortsschule... Antworten
HSGler werden unter dem Credo ausgebildet 'die Besten der Besten' zu sein. Eine HSG-Studentin hat mir gegenüber geäussert, dass es ihr Ziel sei, als erste ihres Jahrganges mit eigenem Porsche vor der HSG vorzufahren. Für viele HSGler ist es das oberste Ziel, möglichst schnell in's Investmentbanking oder Trading bei UBS&Co. zu kommen. Status und Geld über allem - da nützt auch ein Schwur nichts! Antworten
Wirtschaft
Emil Frey AG Autocenter Bern
Geniessen sie die Strasse mit dem neuen Subaru XV. Nur im Emil Frey Autocenter Bern.







Gianin May
I.d.R. arbeitet man sich von Unten nach Oben. Wenn man Unten schon keinen guten Charakter hat(te), dann Oben schon gar nicht. Denn umsomehr unser unstillbarer Hunger nach MEHR befriedigt wird umso grösser wird er und umso mehr leidet dieser Charakter. Antworten