Angst vor Jobverlust: Schweizer schieben Überstunden wie nie
Von Rahel Koerfgen. Aktualisiert am 24.03.2009 13 Kommentare
Hauptsache beschäftigt: Viele Arbeitnehmer machen Überstunden, um vor dem Chef unersetzlich zu wirken.
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Die Lage auf dem Schweizer Arbeitsmarkt verdüstert sich wegen der Wirtschaftskrise zusehends: Das Staatssekretariat für Wirtschaft gab letzte Woche bekannt, dass es bis 2010 mit einem Anstieg der Arbeitslosenquote auf bis zu 5,2 Prozent rechnet. Das Amt für Wirtschaft und Arbeit im Kanton Basel-Stadt geht von ähnlichen Zahlen aus: Amtsleiter Hansjürg Dolder rechnet damit, dass die Arbeitslosenquote im Kanton bis Ende Jahr von derzeit 3,5 Prozent auf bis zu 5 Prozent ansteigt. «Im Sommer wird die Quote wegen saisonaler Einflüsse wohl konstant bleiben oder nur leicht zunehmen. Im Herbst rechne ich dann aber mit einer starken Zunahme», sagt Dolder.
Angesichts dieser Horrorprognosen befürchten immer mehr Angestellte, dass sie ihren Job verlieren. Sie suchen deshalb vermehrt Rat bei Angestelltenverbänden und Gewerkschaften. Bei der Unia Region Nordwestschweiz ist die Beratung bei arbeitsrechtlichen Fragen derzeit sehr gefragt. «Die Leute suchen unsere Unterstützung», sagt Regiosekretärin Rita Schiavi.
Bei den Leuten angekommen
Und auch beim Kaufmännischen Verband KV Schweiz läuft das Telefon derzeit heiss: Laut Kaderfrau Barbara Gisi haben Anfragen zu Themen wie Arbeitsplatzsicherheit oder Kündigung in den vergangenen Wochen stark zugenommen. «Die Wirtschaftskrise war lange eine abstrakte Grösse, nun scheint sie bei den Leuten aber tatsächlich angekommen zu sein», sagt Gisi. Viele Angestellte würden mit einem deutlich gesteigerten Pflichtbewusstsein auf den Druck, der auf ihnen lastet, reagieren: «Man will seine Arbeit gerade jetzt besonders gut machen, um keinen Anlass für eine Kündigung zu geben. Deshalb werden deutlich mehr Überstunden geleistet.»
Dieses Verhalten überrascht den Psychologen und Laufbahnberater Michael Francesco Gschwind vom Zentrum für psychologische Beratung in Basel nicht: «So will der Angestellte seinem Vorgesetzten klar machen, dass er unersetzlich ist und keinesfalls entlassen werden kann.» Auch beobachtet Gschwind in Krisenzeiten, dass Arbeitnehmer sehr vorsichtig agieren: «Lohnforderungen oder der Wunsch nach einem Abteilungswechsel werden im Moment auf die lange Bank geschoben und nicht ausgesprochen», sagt er.
Der Konkurrenzdruck steigt
Barbara Gisi von KV Schweiz ist zudem überzeugt, dass der Konkurrenzdruck unter Angestellten grösser geworden ist: «Der Mitarbeiter denkt, dass er mindestens ebenso gut arbeiten muss wie die Kollegen, damit seine Stelle nicht gefährdet ist.»
Bei solchen Problemen können sich Angestellte grosser Firmen eigentlich an den internen Arbeitspsychologen wenden. Doch diese Möglichkeit wird laut Gisi im Moment wenig genutzt: «Wenn die Angst um die Stelle eine gewisse Schwelle überschritten hat, getrauen sich viele nicht mehr, den Psychologen zu kontaktieren, weil dies als verminderte Leistungsfähigkeit verstanden werden könnte.» Viel eher suchen Arbeitnehmer jetzt Rat bei Gewerkschaften. Beat Schwaller von der Syna rechnet deshalb im Laufe des Jahres mit vielen neuen Mitgliedern.
Gewerkschaften haben auch Angst
Bei der Unia ist man nicht so optimistisch: «Kurzfristig profitieren wir sicherlich von einer gewissen Sensibilität gewerkschaftlichen Themen gegenüber», sagt Sprecher Nico Lutz. Mehr Mitglieder habe man deshalb seit Beginn des Jahres aber nicht verzeichnet. Ewald Ackermann vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund ist sogar überzeugt, dass die Krise den Gewerkschaften schaden könnte. Dauert sie nämlich zu lange an und hat es deswegen viele Arbeitslose, wirke sich dies negativ auf die Mitgliederzahl aus: «Wenn man arbeitslos ist, lohnt es sich nicht mehr, Mitglied einer Gewerkschaft zu sein», sagt er. (Basler Zeitung)
Erstellt: 24.03.2009, 10:53 Uhr
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13 Kommentare
Wer den Job verloren hat braucht keine Gewerkschaft mehr und auch keinen Psychologen. Denn diese beiden Elemente sind Hindernisse in der Privatindustrie um wieder einen Job zu erhalten. Die Privatwirtschaft kann jetzt die Löhne tief ansetzen und schwache Mitarbeiterinnen/er entlassen und durch junges Blut ersetzen und die Schwachen den Versicherungen/Gemeinden/Staat übergeben. Antworten
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