Als alle schliefen, machte er eine Milliarde

PorträtWenn George Soros Klartext spricht, hören ihm alle zu, auch seine Gegner.

Spekulant mit Starstatus: Der ungarisch-amerikanische Milliardär George Soros.(8. Dezember 2010)

Spekulant mit Starstatus: Der ungarisch-amerikanische Milliardär George Soros.(8. Dezember 2010) Bild: Reuters

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Anfang Woche trat George Soros vor ein fachkundiges Publikum in Frankfurt und sprach, wie so oft, Klartext: Hört auf mit der unsinnigen Sparpolitik. Sie wird nicht nur Griechenland und Portugal, sondern auch Deutschland und die Niederlande ins Elend treiben. Sorgt deshalb endlich dafür, dass eine Bankenunion geschaffen wird und Eurobonds emittiert werden. Nur ihr Deutschen seid dazu in der Lage. Und wenn ihr dazu nicht bereit seid, lasst den Euro sein.

Mit seinem Appell hat sich Soros beim konservativen Finanzestablishment keine Freunde gemacht, aber gehört wird er allemal. Niemand käme auf die Idee, ihn als ökonomischen Ignoranten abzutun, denn niemand hat auf den Finanzmärkten mehr Geld verdient als er. George Soros’ Vermögen wird heute auf deutlich über 20 Milliarden Dollar geschätzt, und wenn er ein gutes Jahr hat, kommen jeweils ein bis zwei Milliarden dazu.

Eine Milliarde Dollar in einer Nacht

Wenn es Soros ganz gut läuft, dann verdient er eine Milliarde Dollar in einer einzigen Nacht. Das gelang ihm am 16. September 1992. An diesem schwarzen Mittwoch ging er eine gigantische Wette gegen die Bank of England ein. Das britische Pfund war damals noch Teil des Europäischen Währungssystems, des Vorläufers des Euro. Die Notenbank war deshalb verpflichtet, seinen Wert innerhalb einer engen Bandbreite zu den anderen Währungen Europas zu halten, vor allem gegenüber der D-Mark. Die britische Wirtschaft befand sich jedoch in einer tiefen Rezession. Das Pfund war stark überbewertet, und die Bank of England hatte nicht genügend Devisenreserven, um den Kurs über längere Zeit zu stützen.

Das alles hatte Soros erkannt und auch die Durchhalteparolen der damaligen Regierung von John Major durchschaut. Er verdoppelte kühl seinen Einsatz, sprengte die Bank von England – und wurde der erste Spekulant mit Rockstarstatus.

Unerschrockener Philantrop

Sein Coup hat ihn berühmt gemacht und auch beliebt. Selbst die Linken haben Sympathien für den Meisterspekulanten. Zudem ist Soros, wie der legendäre Investor Warren Buffett, ein Philanthrop, der sein Vermögen für wohltätige Zwecke einsetzt. Solange die Mauer noch stand, unterstützte der gebürtige Ungar den Kampf gegen den Kommunismus. Heute ist der wohltätige Milliardär, der in den USA lebt, zum Schrecken der Rechten geworden. Einst war ihm eine Kampagne gegen George W. Bush Millionen wert. Heute profitieren linksgerichteten Aktivisten wie Moveon.org von seiner Wohltätigkeit. Soros ist aber nicht nur engagiert, er ist auch unerschrocken. Im Zweiten Weltkrieg musste er als Jude aus Budapest vor den Nazis fliehen. Er kann es sich also leisten, das mächtige American Israel Public Affairs Committee und die israelische Politik zu kritisieren. Und er tut es.

Inzwischen wird der ehemalige Antikommunist von ganz rechts attackiert. Glenn Beck etwa, Chefideologe der Tea Party, sieht in ihm den geheimen Anführer einer weltweiten Verschwörung. Dabei hat Soros in den 1950er-Jahren an der London School of Economics studiert und sich ganz zum liberalen Philosophen Karl Popper bekannt. Der grösste Wunsch des Ökonomen ist ohnehin, als Philosoph anerkannt zu werden. Dass er bisher gescheitert ist, hat schon damit zu tun, dass kein Mensch sein Buch über die «Theorie der Reflexivität» versteht. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 11.04.2013, 06:34 Uhr)

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