Wirtschaft

«Als Haar-Gel benutze ich ‹Jovial› von Denner»

Von Andrea Freiermuth. Aktualisiert am 09.12.2009

Neun Jahre lang war er Chef des grössten Schweizer Discounters. Nun tritt Philippe Gaydoul als Denner-CEO ab und taucht in die Luxuswelt ein. Trotzdem könnte er jeden zweiten Tag Wurst-Käse-Salat essen.

Vom Schnäppchenjäger zum Luxusunternehmer: Noch überlegt Philippe Gaydoul, mit welchen Marken er sich nach Denner beschäftigen soll – Fogal und Navyboot gehören ihm   schon.

Vom Schnäppchenjäger zum Luxusunternehmer: Noch überlegt Philippe Gaydoul, mit welchen Marken er sich nach Denner beschäftigen soll – Fogal und Navyboot gehören ihm schon.
Bild: Keystone

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Er ist jung und erfolgreich. Er stammt aus einer reichen Familie. Und er ist bereits mit 37 Jahren einer der charismatischsten Unternehmer der Schweiz. Das alles strahlt Philippe Gaydoul aus. Auch an jenem Tag, als er die beiden Journalisten dieser Zeitung im Denner-Haus in Zürich empfängt. Gaydoul, der Ende Dezember den Posten als CEO von Denner aufgibt, um mit der Gaydoul-Group die Luxuswelt zu erobern, ist wie immer gut angezogen: weisses Hemd, gestreifte Krawatte, dunkler Anzug. Zurückgegeltes Haar, wacher Blick.

Herr Gaydoul, sind Sie so streng, wie Sie aussehen?
Philippe Gaydoul: Wirke ich wirklich streng auf Sie?

Zumindest Ihre Haare vermitteln den Eindruck, dass bei Ihnen alles unter Kontrolle bleiben muss.
Ob ich streng bin oder nicht, das müssen andere beurteilen. Leute, die mich kennen, sagen, ja der ist streng – aber mit dem kann man auch lachen. (Die anwesende Pressefrau nickt zustimmend und lacht.) Aber Disziplin ist mir schon wichtig. Und was meine Haare betrifft: Ich kann nichts dafür, dass die so sind. Wenn ich nichts reintun würde, dann würden sie gerade abstehen.

In zwei Wochen hören Sie als Denner-CEO auf und wollen mit der Gaydoul-Group künftig im Luxus-Segment tätig sein. Warum arbeiten Sie überhaupt noch? Immerhin wird das Vermögen Ihrer Familie auf rund 1,5 Milliarden Franken geschätzt.
Wenn ich jetzt 65-jährig wäre, würde ich vielleicht sagen: Gut, Sie haben recht, ich spiele jetzt einfach pro Woche eine bis zwei Runden mehr Golf – was mir im Übrigen nicht schaden würde (schmunzelt). Aber ich bin noch jung, ich will etwas bewegen. Ich bin einfach nicht der Typ, der von morgens bis abends nichts anderes tut, als auf dem Bildschirm zu verfolgen, wie sich sein Geld entwickelt. Dass ich weiter arbeiten will, ist keine Geldfrage. Geld war mir nie wahnsinnig wichtig.

Es gibt auch Erben, die haben eine andere Auffassung – Carl Hirschmann beispielsweise.
Entscheidend ist das, was man von zu Hause mitbekommt. Ich weiss nicht, was Carl Hirschmann für eine Erziehung genossen hat. Ich weiss nur, wie meine war – und dafür bin ich auch dankbar. Ich bin von der Art her schon etwas ähnlich wie mein Grossvater. Der hatte bis ins hohe Alter den Antrieb, etwas zu bewegen – und wahrscheinlich wäre es nicht schlecht, es gäbe mehr Menschen in diesem Land, die etwas bewirken möchten.

Wie erziehen Sie Ihren Sohn, damit das Geld seinen Charakter nicht verdirbt?
Meine Frau und ich müssen ihm vorleben, dass Geld nicht das zentrale Thema ist, dass es andere, wichtigere Werte gibt. Wir wollen unseren Sohn Kind sein lassen, wollen ihn nicht unter Druck setzen. Er soll nicht den Eindruck haben, er müsse nun dieses oder jenes erfüllen. Und er soll möglichst normal aufwachsen.

Das heisst, er geht auch nicht in eine Privatschule?
Doch. Er geht in einen privaten Kindergarten. Mir ist es ein Anliegen, dass mein Sohn zweisprachig aufwächst. Bei mir sind die Sprachen zu kurz gekommen. Mein Sohn soll früh Englisch lernen – und das ganz spielerisch.

Die Gaydoul-Group besitzt mit Navyboot und Fogal bereits zwei starke Marken. Man hört, Sie hätten bereits weitere 300 Labels unter die Lupe genommen. Was fällt in Ihr Beuteschema?
Wir haben unseren Fokus klar definiert: Fashion, Accessoires, Beauty, Wellness und Sport. Und dann gibt es Kriterien, die ein Label erfüllen muss, um in die engere Wahl zu kommen: Emotionalität, internationales Potenzial und Mehrheitsbeteiligung. Auch suchen wir keine Sanierungsfälle, wobei es natürlich mittlerweile einige davon gibt.

Calida wäre für Sie nicht interessant? Immerhin ist das eine Schweizer Marke, die international bekannt ist, aber derzeit etwas in Schwierigkeiten steckt.
(zögert) Es muss nicht zwingend eine Schweizer Marke sein. Inzwischen werden uns auch europäische Firmen angeboten. Unser Geschäftsmodell ist vor allem für Familienunternehmen, die keine Nachfolger haben, interessant.

Sie haben es bereits angetönt: Eine Marke interessiert Sie nur, wenn sie Emotionen weckt.
Das ist das Allerwichtigste. Wenn mich ein Label emotional nicht berührt, können die Zahlen noch so beeindruckend sein.

Wie stark identifizieren Sie sich mit Fogal? Die stellen ja hauptsächlich Frauenstrümpfe her...
Ich trage keine Strümpfe – nein, Sie müssen gar nicht unter den Tisch schauen (lacht). Trotzdem überzeugen mich die Qualität der Produkte und die Emotionen, die sie auslösen.

Sie gelten seit Jahren als «Discount-König», nun beschreiten Sie die Luxuswelt. Haben Sie keine Angst vor diesem Spagat?

Der Spagat ist gar nicht so gross. Discount ist ein dehnbarer Begriff. Wenn ich Luxusuhren zum halben Preis verkaufen könnte, hätte ich das auch bei Denner getan. Im Übrigen können alle Unternehmen, wirklich alle, von einem gut geführten Discounter lernen.

Sie tauchen nicht oft an Cüpli-Partys auf. Das gehört aber im Lifestyle-Business dazu.
Ich kann mich nicht verbiegen. Man wird mich auch in Zukunft nicht wesentlich häufiger an solchen Anlässen sehen. Das ist auch nicht meine Aufgabe.

Werden Sie weiterhin bei Denner einkaufen, oder ziemt sich das für einen Luxus-Unternehmer nicht?

Denner wird immer einen grossen Platz in meinem Leben und meinem Herzen haben. Das Unternehmen hat unsere Familie jahrelang geprägt. Es ist mir nicht egal, was mit Denner passiert. Sicher ist: Sie werden mich auch in Zukunft bei Denner antreffen.

Dann kommen bei Ihnen also auch in Zukunft hin und wieder Denner-Wienerli auf den Tisch und nicht bloss Hummer und Kaviar?

Ich sage immer: Je einfacher, desto besser. Erst gestern hat meine Frau zum Beispiel einen simplen Hörnli-Auflauf zubereitet. Das Firlifanz-Zeug muss nicht sein. Ab und zu ist das schon nett. Aber man kann mir auch jeden zweiten Tag Wurst-Käse-Salat auftischen.

Die Rollenverteilung im Hause Gaydoul ist demnach klassisch?
Wir sind eine klassische Familie, da haben Sie Recht. Meine Frau führt den Haushalt und nimmt ihre Mutterrolle vollumfänglich wahr, der Vater geht arbeiten. Ich versuche aber, möglichst viel Zeit mit meiner Frau und meinem Sohn zu verbringen.

Blicken wir zurück auf Ihre Zeit bei Denner: Sie waren während 20 Jahren im Unternehmen, vor neun Jahren übernahmen Sie von Ihrem Grossvater Karl Schweri die Leitung. Wie viel Wehmut ist dabei, wenn Sie Ende Dezember aufhören?
Ich konnte mich auf diesen Moment vorbereiten. Ich weiss jetzt seit bald drei Jahren, dass Ende 2009 fertig ist. Der letzte Tag wird schon etwas speziell sein. Aber mir wird nicht langweilig, und ich bleibe ja vorerst noch im Verwaltungsrat und werde das Unternehmen somit nicht komplett verlassen.

Als Sie das Erbe Ihres Grossvaters Karl Schweri antraten, trauten Ihnen nicht viele zu, dass Sie das Unternehmen erfolgreich würden weiterführen können. Was entgegnen Sie diesen Kritikern heute?
Ich hatte schon damals einen gesunden Ehrgeiz. Heute weiss ich: Ich muss niemandem mehr etwas beweisen, und das macht mich auch stolz. Ich hinterlasse ein kerngesundes Unternehmen.

Dass Sie Konflikte nicht scheuen, haben Sie zuletzt in Ihrer Funktion als Präsident von Swiss Ice Hockey bewiesen, indem Sie den langjährigen Nationaltrainer Ralph Krueger öffentlich mit Kritik eindeckten.

Die ganze Geschichte wurde medial völlig aufgebauscht. Wenn man mich für etwas will, dann weiss man auch, was man bekommt und dass ich etwas bewegen will. Ich sage, was ich denke. Mir ging es nie um Personen, sondern immer nur um die Sache.

Schlussfrage: Welches Haargel benutzen Sie?
«Jovial» von Denner. Das ist das beste und das günstigste.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 09.12.2009, 09:00 Uhr

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