Grosse Detailhändler halten an Verpackungen fest

Was in anderen Ländern bereits gang und gäbe ist, hält in der Schweiz nur langsam Einzug: Der verpackungsfreie Verkauf von Lebensmitteln. Die Gründe.

Schlecht für die Umwelt: Plastikverpackungen an der Kasse eines Detailhändlers.

Schlecht für die Umwelt: Plastikverpackungen an der Kasse eines Detailhändlers. Bild: Archivbild/Keystone

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Die Schweiz ist nach Dänemark der zweitgrösste Abfallproduzent Europas. 2014 verursachte jeder Einwohner 729 Kilogramm Abfall, wie kürzlich publizierte Zahlen des Bundesamts für Umwelt (Bafu) zeigen. Im Jahr 1990 waren es erst 603 Kilogramm pro Kopf.

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Einer der Gründe für den Anstieg sind laut dem Bafu die Verpackungen von Nahrungsmitteln, die immer aufwendiger werden und aus Materialien bestehen, die schwierig zu recyceln sind.

Begrenztes Potential

Bei den grossen Detailhändlern ist das Problem erkannt. Coop beispielsweise hat den Plastikanteil bei den Wasserflaschen seiner Konzernmarken verringert. Zwischen 2009 und 2015 konnten so Materialeinsparungen von 6500 Tonnen erzielt werden, wie ein Sprecher auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte.

Auch die Migros hat seit 2013 fast 1800 Tonnen an Verpackungsmaterial eingespart. Bis ins Jahr 2020 sollen es mehr als 6000 Tonnen sein. Aldi wiederum setzt bei seinen Frischprodukten auf wiederverwendbare Verpackungen. Beim Gemüse testet der Anbieter kompostierbare Tüten aus Zellulose.

Durch solche Massnahmen kann der Abfall zwar reduziert, nicht aber eliminiert werden. Bei Coop wurde zwar geprüft, den Offenverkauf auszubauen. Aus Hygienegründen blieb es aber bei Testläufen. Laut der Migros wäre der komplette Verzicht auf Verpackungen auch aus ökologischer Sicht nicht sinnvoll. Die Lebensmittel wären dann beim Transport ungeschützt und würden schneller verderben, argumentiert der orange Riese.

In der Romandie ist der Trend weiter

In der Romandie ist der Trend hin zu unverpackten Produkten schon weiter. In Sitten, Genf und Biel gibt es bereits Läden, die Lebensmittel fast ausschliesslich offen verkaufen. Im Frühling wird es auch in Zürich und Basel solche Läden geben, die das Tante-Emma-Prinzip wieder aufleben lassen.

Neben der Abfallvermeidung hat der Offenverkauf für den Kunden auch einen finanziellen Vorteil: Durch den Wegfall der Verpackungen können die Händler den Angebotspreis zwischen 10 und 40 Prozent senken.

Einsparpotenzial für Verpackungen begrenzt

Doch selbst bei den Läden, die den offenen Verkauf zelebrieren, ist das Einsparpotenzial für Verpackungen begrenzt. So werden vor allem unverderbliche Produkte verpackungsfrei angeboten – beispielsweise Frühstücksflocken, Teigwaren, Tee, getrocknete Früchte oder auch Reinigungsmittel.

Bei den Frischprodukten ist das schwieriger. Immerhin können in gewissen Läden Kunden ihre eigenen Behälter mitbringen, mit denen sie das gekaufte Fleisch und Gemüse oder den Käse nach Hause transportieren können. Auch bei Manor ist diese Praxis in gewissen Filialen und Abteilungen erlaubt, wie ein Sprecher bestätigt. (pat/sda)

Erstellt: 11.01.2017, 12:16 Uhr

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