Wohin mit dem Geld?
Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 26.08.2010 27 Kommentare
Fallstricke bei aktuellen Investitionen
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Inflation, Deflation, Double Dip, Aufschwung: Was kommt nun wirklich? Gescheite Ökonomen und Analysten liefern Argumente für fast jedes Szenario. Die Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft und der Aktienmärkte ist momentan so gross wie noch selten.
Wer sein Geld jetzt anlegen möchte, ist deshalb nicht zu beneiden. Denn die verschiedenen herumgereichten Szenarien wirken sich sehr verschieden auf jede gewählte Anlageform aus. Wie also soll man sich verhalten?
Bernerzeitung.ch/Newsnet gibt einen allgemeinen Überblick über die Vor- und Nachteile jeder Anlageform in der aktuellen Situation:
Aktien
Aktienkurse nehmen nicht die zukünftige Entwicklung vorweg. Sie drücken die vorherrschenden Erwartungen zu dieser Zukunft aus. Das zeigt sich sehr deutlich an den Schwankungen, die diese Märkte im laufenden Jahr durchlaufen. Aufs ganze Jahr betrachtet, liegt der Schweizer SMI noch immer fast 7 Prozent im Minus. Wie Studien zu den Folgen von Finanzkrisen zeigen, können solche Schwankungen noch lange anhalten. Die Grundregel, dass man sich mit einer breiten Diversifizierung besser schützt, ist zwar noch gültig, doch korrelieren die Schwankungen in allen entwickelten Aktienmärkten, was diesen Schutz zumindest relativiert. In solchen Phasen kann man Gewinne machen, wenn man gute Einstiegs- und Ausstiegsmomente erwischt. Doch die Gefahr ist gross, dass man sich von der allgemeinen Stimmung anstecken lässt und kauft, bevor der Markt wieder dreht. Ausserdem bezahlt man jedes Mal Gebühren, die die Rendite drastisch schmälern. Fazit: Von Aktienmärkten lässt man momentan besser die Finger, wenn man am Vermögenserhalt interessiert ist und nicht am Nervenkitzel des Zockens.
Obligationen
Vor allem die Staatsanleihen gelten gewöhnlich als besonders sichere Anlage. Doch die befinden sich momentan auf Höchstständen, wenn man sich an den extrem tiefen Renditen der Titel von entwickelten Volkswirtschaften orientiert. Das heisst, dass es sich kaum lohnt, auf hohe weitere Kursgewinne zu setzen, da das Potenzial nach oben begrenzt ist und die Wahrscheinlichkeit einer Korrektur nach unten steigt. Eine solche tritt dann ein, wenn die Ängste um die Konjunktur nachlassen, die Zentralbanken ihre Leitzinsen anheben und wenn die Sorge um die Inflation wieder überhand nimmt. Doch selbst wenn sich die Konjunkturängste verfestigen sollten und die Staatsanleihen auf ihren hohen Werten verharren, bieten sie zu wenig Rendite, um das Risiko ihres Kaufs zu rechtfertigen. Bezogen auf den aktuellen Preis einer zehnjährigen Schweizer Bundesobligation erhält man gerade noch 1.05 Prozent. Nur wenn tatsächlich eine Deflation eintritt, Anleihen von Unternehmen sind generell riskanter als Staatsobligationen, weil sie zusätzlich zum Zinsrisiko noch jenes der Zahlungsunfähigkeit von Unternehmen enthalten. Auch hier gilt: Wer hohe Risiken liebt, hat hier Chancen auf höhere Gewinne und Verluste. Dasselbe gilt für Investitionen in Staatsanleihen von gefährdeten Staaten wie Griechenland. Wer sein Vermögen nicht derart aufs Spiel setzen will, lässt besser die Finger davon.
Immobilien
Für Immobilien gilt weitgehend dasselbe, wie für Obligationen: Sie sind einem sehr hohen Zinsrisiko ausgesetzt, eben weil das Zinsniveau sich auf historischen Tiefstständen befindet. Steigen die Zinsen, verteuern sich die Hypotheken. Damit verteuert sich die Möglichkeit, Immobilien zu erwerben. Das senkt die Nachfrage nach dieser Investition und damit auch die Immobilienpreise. In der Schweiz ist sogar die Rede von einer drohenden Immobilienblase. In den Daten zeigt sich das noch kaum. Dennoch: Die Gefahr, dass die Preise mittelfristig sinken werden, ist gross. Die Schweizerische Nationalbank könnte sich sogar gezwungen sehen, bei einem weiteren Preisauftrieb die Zinsen gerade deshalb zu erhöhen.
Gold
Das Edelmetall ist die traditionelle Krisenanlage. Das gilt besonders bei einem Misstrauen in Papiergeld wegen Inflationsängsten. Doch wie die jüngste Entwicklung gezeigt hat, steigt der Goldpreis sogar bei Deflationsängsten. Doch insgesamt kannte er seit dem Beginn des Jahrzehnts nur eine Entwicklung: nach oben. Diesen Sommer befindet er sich daher auf historischen Höchstständen. Kehrt auf den Märkten generell mehr Vertrauen in einen stabilen Wirtschaftsverlauf bei einer tiefen Inflation ein, könnte der Goldpreis auf der Verliererseite stehen. Das ist allerdings in nächster Zeit kaum zu erwarten. Grosse Vermögensverluste mit Gold sind daher kaum wahrscheinlich.
Derivate
Derivate sind, wie ihr Name sagt, Instrumente die sich auf zugrunde liegende Anlagen wie Aktien, Obligationen, Rohstoffe oder Währungen beziehen. Die einfachste Form sind Optionen oder Futures. Doch die Banken basteln auch weit komplexere Gebilde. Derivate ermöglichen Effekte wie eine Hebelung (Verstärkung einer Kursentwicklung) oder einen Mindestschutz bei einem Kurszerfall. Derivate teilen grundsätzlich das Problem der ihnen zugrunde liegenden Anlageformen. Welche Produkte sich empfehlen, hängt davon ab, wie sich die Wirtschaft entwickelt. Die aktuelle Unsicherheit macht die Wahl eines geeigneten Produkts besonders herausfordernd, sofern man überhaupt in diese Märkte investieren will und mit ihren grundsätzlichen Risiken vertraut ist.
Volatilität
Eine besondere Spielart von Derivaten sind solche, die nicht auf Anlagen beruhen, sondern auf den Schwankungen auf den Märkten: die Volatilität. Das heisst, mit solchen Derivaten – zum Beispiel Zertifikate, die sich auf einen sogenannten Volatilitätsindex beziehen – kann man von einer steigenden Unsicherheit profitieren. Doch diese Anlageform ist ebenfalls hoch riskant. Vor allem tendieren sie mittelfristig um einen Mittelwert. Auf keinen Fall steigen sie langfristig an.
Cash
Das reine Halten von Geld gilt normalerweise als schlechte Anlageform. Denn einerseits mindert die Teuerung dessen reale Kaufkraft, andererseits wirft es keine Rendite ab, wie Aktien oder Obligationen. Ausser man versteht unter Geldhaltung auch «Anlagen» auf dem Bankkonto oder in sehr kurzfristigen Kapitalmarktanlagen. Doch dort ist der Zins momentan kaum der Rede wert, wenn es sich auch lohnt, sehr genau abzuklären, wo man was erhält. Derzeit verliert das Halten von Geld die üblichen Nachteile. Die Teuerung befindet sich auf aussergewöhnlich tiefem Niveau und viele sehen sogar eine Deflationsgefahr. Die entgangenen Renditen in anderen Anlagen sind klein, vor allem wenn man die Risiken mitberücksichtigt, die man jetzt damit eingeht. Das halten von Geld ist daher in einer Unsicherheitsphase wie jetzt für Anleger eine vernünftige Strategie. Für die Gesamtwirtschaft insgesamt kann diese Einsicht allerdings verheerende Folgen haben. Denn wenn alle Geld horten, wird weniger konsumiert und investiert.
Fazit
So lange die Angst auf den Märkten anhält, empfiehlt sich am meisten, das Geld überhaupt nicht zu investieren. Markus Lakner, Finanzanalyst des Vermögenszentrums VZ würde trotz all den genannten Nachteilen dennoch von anderen Anlageformen nicht ganz die Finger lassen. «Das Risiko ist gross, dass man sonst den Einstieg verpasst, wenn die Märkte sich wieder beruhigen», sagt er. Auf den geeigneten Moment für optimale Investitionen zu warten, sei wenig sinnvoll. Darum empfiehlt er Neuanlegern zeitlich verteilt über mehrere Tranchen und über mehrere Anlageinstrumente diversifiziert mit einem Einstieg zu beginnen. Damit braucht man sich aber nicht zu beeilen, denn auch Lackner hält fest: «Warten kostet im Moment wenig.»
(Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 26.08.2010, 13:53 Uhr
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27 Kommentare
@Schrämmli Rolf: auf Ihre Frage kann ich Ihnen nur empfehlen: bin seit Jahren gut gefahren mit €-Kto u. -Depot in CH sowie in DE Kto u. -Depot. So bleibt man flexibel weil nichts bleibt wie es ist. Ausserdem sind die Zinsen in DE einiges höher als in CH u. der CHF ist seit längerer Zeit überbewertet, wie der € auch. Es wird sich alles einpendeln mit der Zeit u. der € ist die Währung der Zukunft. Antworten
Der Artikel bringt es auf den Punkt! Cash wird in der Krise King sein, wobei Gold in der Krise je nach Währung noch Liquider sein wird als die Fiat-Währungen. Gegenüber einer vom Staat garantierten Fiat-Währung, kann Gold aber nicht Bankrott gehen. Seit es 1913 die FED gibt, gab es in den 30er Jahren eine Deflation und in den 70er Jahren eine Inflation. Gold bewährte sich in beiden Szenarien. Antworten
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