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Wofür Vekselberg nochmals 450 Millionen Franken drauflegt

Von Andreas Flütsch. Aktualisiert am 24.03.2010 3 Kommentare

Der sonst verschwiegene russische Grossinvestor erklärt im Interview mit dem «Tages-Anzeiger», wie er Oerlikon retten will. Und spricht über die harten Verhandlungen mit den Banken.

Glaubt an die Zukunft von Oerlikon: Grossaktionär Viktor Vekselberg.

Glaubt an die Zukunft von Oerlikon: Grossaktionär Viktor Vekselberg.
Bild: Keystone

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Monatelang wurde über die Sanierung von Oerlikon gestritten. Dachten Sie je, die Refinanzierung könnte scheitern?
Sie hätte scheitern können, hätte Renova nicht als Grossaktionär dem Unternehmen in Verhandlungen mit Kreditgebern den Rücken gestärkt. Wir hatten uns sehr früh bereit erklärt, neues Geld einzuschiessen, um Oerlikon zu retten. Dass diese Verhandlungen dennoch so lange gedauert haben, hängt mit der komplexen Struktur der Restrukturierung und der verschiedenen involvierten Parteien zusammen. Aber wir sollten jetzt nach vorne schauen. Es liegt ein guter Vorschlag auf dem Tisch, und er wird die Finanzprobleme, die zur Restrukturierung geführt haben, endgültig lösen. Wir sind stolz und froh, Teil dieser Lösung zu sein.

Was können Sie schon über den Restrukturierungsvorschlag sagen?
Zentral ist, dass Oerlikon so stabilisiert wird, dass die Firma nicht zu einem späteren Zeitpunkt wieder mit ihren Gläubigern verhandeln muss. Viele Details der neuen Kreditvereinbarung und der Kapitalerhöhung sind noch vertraulich und müssen von den Gläubigern noch formell bewilligt werden. Ich kann aber bestätigen, dass Renova rund 450 Millionen Franken einbringen wird. Wir gehen davon aus, dass die jetzigen Aktionäre und neue Investoren auch einen Beitrag zur Rekapitalisierung von Oerlikon leisten und dann am Unternehmenswachstum beteiligt werden.

Was ermöglichte in den Verhandlungen den Durchbruch?
Renova konnte Garantien für eine Kapitalerhöhung abgeben; dies war für eine Einigung immens wichtig. Wir waren uns alle bewusst, dass es um eines der innovativsten Schweizer Unternehmen geht, bei dem Tausende von Arbeitsplätzen auf dem Spiel standen. Für uns war relevant, dass die Mittel, welche die Aktionäre einschiessen sollten, zum erheblichen Teil bei der Firma verbleiben, zur Sicherstellung der notwendigen Liquidität. Wir haben auch darauf bestanden, dass die Kapitalerhöhung allen Aktionären von Oerlikon offensteht.

Wie gross ist die Gefahr, dass der Deal in letzter Minute scheitert?
Ich sehe keinen Grund, warum die Restrukturierung jetzt noch scheitern sollte. Oerlikon ist eine solide Firma. Dennoch braucht das Unternehmen finanziellen Spielraum, auch um Marktvertrauen zurückzugewinnen. Der Vorschlag stellt dies sicher, deswegen hat er starke Unterstützung, sowohl von Oerlikon, als auch von den wichtigen Gläubigern und uns.

Werden die fünf Hedge-Funds, die neu dabei sind, grösster Aktionär?
Renova wird weiterhin der grösste Aktionär bleiben. Generell werden alle anderen Aktionäre das Recht und die Gelegenheit haben, an der Kapitalerhöhung teilzunehmen. Wir erwarten auch, dass bei der Kapitalerhöhung einige neue Aktionäre dazukommen werden. Wir stehen einer möglichen Zusammenarbeit mit diesen positiv gegenüber.

Haben Sie Verständnis dafür, dass viele Kleinaktionäre von Oerlikon wohl ziemlich verärgert sind?
Solche Gefühle sind nachvollziehbar. Leider ist die grosse Kapitalerhöhung eine notwendige Voraussetzung für eine nachhaltige Lösung. Ich betrachte die Teilnahme in dieser Situation auch als Ausdruck meiner Verantwortung als Aktionär gegenüber der Firma. Es verschafft Oerlikon neues Kapital. Dies und die neue finanzielle Stabilität werden auch wieder zu positiven Ertragsperspektiven für Aktionäre führen.

Ist zu befürchten, dass viele Kleinaktionäre bei der Kapitalerhöhung nicht mitmachen werden?
Renova wird gemeinsam mit dem Unternehmen und den Kreditgebern den Kleinaktionären darlegen, warum wir von der Attraktivität der Kapitalerhöhung überzeugt sind. Oerlikon wird sich nach der Restrukturierung in einer deutlich besseren Position befinden, um ihr Wirtschaftspotenzial zu entfalten. Ich glaube an die Zukunft von Oerlikon. Genau deswegen bin ich bereit, neues Geld zu investieren.

Wie wollen Sie und die fünf HedgeFunds Oerlikon neu ausrichten?
Zunächst einmal haben wir es mit dieser finanziellen Restrukturierung geschafft, das Unternehmen als Ganzes zu bewahren und Notverkäufe unter dem Wert zu vermeiden. Das ist ein grosser Erfolg! Ich erwarte, dass das Management und der Verwaltungsrat die Struktur und die Geschäfte des Unternehmens überprüfen werden. Aber sie werden nicht unter finanziellem Druck Entscheidungen treffen müssen. Wir können endlich sicherstellen, dass Oerlikons Entscheidungen komplett auf industrieller Logik basieren.

Was meinen Sie damit?
Wir möchten, dass Oerlikon vom anstehenden Aufschwung profitiert. Das gilt speziell für die frühzyklischen Einheiten. Die Sparte Textil etwa hat eine gute Marktposition. Ich sehe auch Potenzial für die Sparte Solar in neuen Märkten, in Russland, dem Nahen Osten und Südafrika. Renova trägt bereits zu dieser Entwicklung aktiv bei. Die Sparten Beschichtung und Vakuum sind als Marktführer auf einem guten Weg. Der Bereich Antriebe kann von langfristigen Wachstumstrends profitieren.

Welche Stellung wird der Sanierungsbeauftragte der Fonds in der Oerlikon-Konzernleitung haben?
Details zum Mandat eines Chief Restructuring Officer muss der Verwaltungsrat von Oerlikon ankündigen. Renova hat diesem Punkt rasch zugestimmt, das war unstrittig.

Werden die Fonds als neue Grossaktionäre im Verwaltungsrat eine Mehrheit stellen?
Nach der nächsten Generalversammlung wird der Verwaltungsrat eine Mehrheit an unabhängigen Mitgliedern haben. Damit meine ich unabhängig vom Aktionär Renova sowie unabhängig von anderen Einzelaktionären.

Bleibt Oerlikon als Konzern zusammen, oder werden Teile wie Textile, Solar oder Balzers verkauft?
Wie gesagt, Renova bleibt grösster Einzelaktionär. Wir sind natürlich offen für einen Dialog mit anderen Aktionären, egal, ob neu oder alt. Der Kauf eines signifikanten Aktienanteils zum jetzigen Zeitpunkt ist für sich schon bereits ein Commitment. Jede Geschäftsentscheidung, ob man in einen bestimmten Markt eintritt, ob eine neue Technologie entwickelt wird oder ob ein Firmenteil gekauft oder verkauft wird, darf nicht vor einem Zeithorizont von nur wenigen Jahren geschehen. Deswegen brauchen wir die Restrukturierung, um den finanziellen Druck zu verringern, unter dem Unternehmensentscheidungen getroffen werden.

Ist ein Zusammengehen von Oerlikon und Sulzer endgültig vom Tisch?
Oerlikon und Sulzer sind zwei selbstständige börsenkotierte Unternehmen. Wie sie Entscheidungen treffen, das liegt an ihren Verwaltungsräten und ihrem Management. Wir haben immer gesagt, dass Oerlikon als eigenständiges Unternehmen saniert werden muss. Mit der Unterstützung für den vorliegenden Lösungsvorschlag hält Renova Wort.

Hat die Sanierung einen Stellenabbau oder Entlassungen zur Folge?
Gute Corporate Governance erfordert, dass Aktionäre solche Fragen dem Management überlassen müssen. Aber ich bin sicher, dass die finanzielle Restrukturierung Arbeitsplätze erhält, die sonst verloren gehen würden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.03.2010, 08:59 Uhr

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3 Kommentare

Marcel Zufferey

24.03.2010, 09:23 Uhr
Melden

Notverkäufe vermeiden? HC Oerlikon in Schieflage? Hedge Funds, gleich fünfe an der Zahl? Nachhaltigkeit unter diesen Vorzeichen? Und "Investor" Ronny Pecik, diese "treue" Seele- was ist mit dem? Was genau ist da schief gelaufen? Und wer ist dafür verantwortlich? Ist das ganze ein gut getarntes Schmierenstück? Oder bin ich einfach schlecht informiert? Antworten


Thomas Müller

24.03.2010, 09:30 Uhr
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Tja, die Übernahme von Saurer durch OC Oerlikon hat eh niemand verstanden. Das ist jetzt der Preis für die zu teure Übernahme, die betriebswirtschaftlich eh keinen Sinn gemacht hat. Mein Mitleid für Viktor Vekselberg hält sich in sehr engen Grenzen. Antworten



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