Soll man jetzt Aktien kaufen?
Von Claude Chatelain. Aktualisiert am 03.02.2009 16 Kommentare
Aktienkäufe werden zu Schnäppchen. (Bild: Keystone)
Wie kauft man Aktien?
Wie kauft man Aktien? Man eröffnet ein Sparkonto und ein Wertschriftendepot. Im Wertschriftendepot werden die gekauften und verkauften Wertschriften aufgeführt. Das Depot verbucht keine Geldflüsse, deshalb gehört zu jedem Wertschriftendepot auch ein Konto. Ausgeschüttete Dividenden und Zinsen werden diesem Konto gutgeschrieben. Wer nun börsenkotierte Anlagefonds (ETF) im Gegenwert von 5000 Franken kaufen möchte, muss diese Summe auf dem Konto haben. Auf dem Konto werden dann die 5000 Franken plus Spesen ausgebucht. Bei den allermeisten Banken kann man auch Wertschriftenaufträge via Internet abwickeln. Das kommt billiger zu stehen. Ein Beispiel: Für eine Wertschriftentransaktion bis 5000 Franken verlangt die Handelsplattform von Postfinance, Yellowtrade, 25 Franken. Ein telefonischer Auftrag in der gleichen Grössenordnung kostet bei den meisten Banken 80 Franken. Andere günstige Anbieter für elektronischen Börsenhandel: Swissquote, Tradejet, E-Sider.com der Waadtländer Kantonalbank und Trade-Net der Berner Kantonalbank. cch
Das Ritual wiederholt sich in hartnäckiger Regelmässigkeit: Aktienkurse steigen und steigen, nur um irgendwann in die Tiefe zu fallen, ehe sie wieder zum Steigflug ansetzen. Anleger scheinen aus diesem Auf und Ab keine Lehren zu ziehen, obwohl das Phänomen der schwankenden Börsenkurse so alt ist wie die Börsen selbst. Die meisten Anleger kaufen, wenn die Börse boomt, und sie verkaufen, wenn die Kurse im Keller sind. Dabei sagt doch eine altbekannte Börsenregel: Kaufe in der Baisse – verkaufe in der Hausse.
Menschen sind wie Schafe
Jetzt haben wir eine solche Baisse: Am 4. Juni 2007 lag der Swiss Market Index (SMI) bei 9548 Punkten. Heute liegt der Index bei 5200 Punkten. Somit sind die wichtigsten Aktien der Schweiz im Schnitt um 45 Prozent günstiger zu haben als vor 20 Monaten. Und doch will niemand Aktien kaufen.
Im Juni 2007, als die Aktien viel teurer waren als heute, wollten dagegen alle Dividendenpapiere poschten, obschon die Aktienkurse während vier Jahren von Rekord zu Rekord geklettert waren. Dieses irrationale Verhalten ist auf einen psychologischen Effekt zurückzuführen, der Myopie genannt wird, Kurzsichtigkeit. «Der Mensch tendiert dazu, kürzlich gemachte Erfahrungen in die Zukunft zu extrapolieren und weiter zurückliegende Erfahrungen zu vergessen», schreibt Professor Erwin Heri in «Moden und Mythen an den Anlagemärkten». Ein anderer psychologischer Effekt ist das Herdenverhalten. Auch hier haben Experimente bestätigt, dass Anleger dazu tendieren, das nachzuahmen, was alle anderen auch gerade tun. Laut Heri scheint es einfacher, einen Fehler zu rechtfertigen, den alle gemacht haben, denn als Einziger falschzuliegen.
Cockpit statt Tribüne
Womöglich sind manche Anleger heute der Meinung, die Kurse könnten noch tiefer fallen, was sehr wohl möglich ist. Doch es ist eine Binsenwahrheit, dass es selbst professionellen Anlegern höchstens zufällig gelingt, den Zeitpunkt zu erwischen, in dem die Kurse die Talsohle durchqueren. Und wenn die Kurse nach einer längeren Baisse zum Steigflug ansetzen, tun sie das in den ersten Stunden derart rasant, dass die meisten Anleger zu spät kommen und erst wieder Aktien kaufen, wenn die Kurse deutlich höher notieren. Deshalb heisst die Devise: Wenn Aktien kaufen, dann jetzt. Nur so besteht die Gewähr, dass man beim nächsten Börsenrallye im Cockpit sitzt, statt es von den Zuschauerrängen aus zu verfolgen.
Nicht alle sind risikofähig
Allerdings gilt es bei jedem Aktienkauf, gewisse Regeln zu befolgen. Man muss wissen, dass Aktienkurse fallen und längere Zeit am Boden verharren können. Und vor allem muss man mit diesem Umstand umgehen können. Die Finanzlehre spricht hier von Risikofähigkeit und Risikobereitschaft. So wird geraten, nur mit jenem Geld Aktien zu kaufen, auf welches man notfalls auch verzichten kann. Diese absolute Formulierung ist zu relativieren, solange man nicht in einzelne Aktien, sondern in Aktienfonds investiert. Diese setzen sich aus einer Vielzahl von Aktien zusammen, was das Risiko begrenzt. Jedoch können auch solche Anlagefonds über Jahre im Minus liegen. Konsequenterweise sollte man also nur mit solchem Geld Fonds kaufen, auf welches man während mindestens fünf Jahren verzichten kann. So viel zur Risikofähigkeit.
Schwieriger zu erfassen ist die Risikobereitschaft, denn viele Menschen erliegen dem Hang, ihre Risikobereitschaft zu überschätzen. Der Tatbeweis wird erst bei einem veritablen Börsencrash erbracht. Risikobereit ist, wer mit Turbulenzen umzugehen weiss und bei allfälligen Kursstürzen trotzdem gut schlafen kann. Wer bei Kurseinbrüchen kalte Füsse bekommt und Hals über Kopf seine Aktien auf den Markt wirft, lässt das Aktiensparen lieber sein.
ETF statt Anlagefonds
Oberstes Gebot einer Aktienanlage ist die Diversifikation, also eine möglichst breite Streuung verschiedener Anlagen. Dazu eignen sich Anlagefonds, die eine Vielzahl von Wertschriften enthalten. In der Schweiz sind um die 3500 Anlagefonds registriert. Nicht alle eignen sich für Privatanleger. Am besten bedient sind Privatanleger mit sogenannten ETF, Exchange Traded Funds. Es sind dies börsenkotierte Anlagefonds, die eins zu eins einen Börsenindex abbilden. Mit solchen Instrumenten setzt man also auf einen gesamten Markt und nicht auf eine einzelne Aktie. Damit vermeidet man das Risiko, ins falsche Unternehmen zu investieren, dem es schlimmstenfalls gleich ergeht wie der Swissair oder der UBS. (Berner Zeitung)
Erstellt: 03.02.2009, 09:44 Uhr
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16 Kommentare
Ein Anleger sollte heute nicht mehr auf Kredit Aktien kaufen, denn die Zeit dieser Hebelwirkung ist seit Mitte 2006 vorbei gewesen. Die Qualität der Anlagen sind unter Eigenverantwortung zu Zeichnen. Gerade jetzt versuchen die Analysten die Preise aller Aktien in die Realität zu setzen. Aktien unter Eigenverantwortung sind einer normalen Tagesarbeit gleichzusetzen. Nina 424671 (16 Std.) Antworten
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