Sie horten Milliarden, aber wollen mehr Geld vom Kunden
Von Marc Badertscher. Aktualisiert am 06.07.2010 28 Kommentare
Die Konsumenten sollen für Strom mehr bezahlen. 100 bis 200 Franken dürften einem 5-Zimmer-Haushalt Ende Jahr fehlen, wenn sich die Stromkonzerne Axpo (AXP10 105.3 -0.05%) und die bernische BKW mit ihren Plänen durchsetzen. Sie möchten die Preise pro Kilowattstunde um 20 Prozent respektive um 6 Prozent erhöhen.
Preiserhöhungen werden vertieft geprüft
Widerstandslos werden die neuen Preise nicht durchgehen. «Ich sehe keinen Grund, warum die Konzerne auf dem Buckel der Konsumenten höhere Preise verlangen dürfen», sagt Renato Tami, Geschäftsführer der Elcom. Die Stromaufsicht wird die Preiserhöhungen vertieft prüfen. Und in letzter Zeit hat die Elcom die Strombranche bei Preisfragen regelmässig zurückgebunden. Das Problem der Konzerne: ihr eigener Erfolg.
Trotz Gewinneinbruchs konnte Axpo letztes Jahr noch immer eine gute halbe Milliarde Franken Gewinn verbuchen, die BKW immerhin 300 Millionen. «Die letztjährigen Gewinne in der Grundversorgung fliessen in die Beurteilung des Falles mit ein», sagt Tami. Hinzu komme, dass die Zinsen zuletzt tief gewesen und die Preise an den Strombörsen zurückgegangen seien, was den Stromkonzernen ebenfalls helfe.
Gewinne auf Vorrat
Hohe Gewinne, ein gutes Umfeld: Warum also die Preiserhöhungen? «Axpo und BKW wollen die Gewinne auf Vorrat und ohne Not steigern», sagt ein Energiespezialist. Bereits in der Vergangenheit orientierten sich die Konzerne am Prinzip Vorrat: 2009 konnte Axpo 470 Millionen Franken den Gewinnreserven zuweisen. In den Jahren zuvor war es jeweils rund eine ganze Milliarde. Seit 2005 kletterten die Gewinnreserven in der Bilanz von 4,2 Milliarden auf 7,2 Milliarden Franken. Der Stromkonzern verfügt mittlerweile laut Geschäftsbericht über 1,3 Milliarden an flüssigen Mitteln auf Post- und Bankguthaben, eine weitere Milliarde steckt in Wertschriften, und unter übrige Finanzanlagen finden sich 2,2 Milliarden Franken.
Bei der BKW zeigt sich ein ähnliches Bild auf tieferem Niveau: Die Gewinnreserven legten zuletzt um 163 Millionen auf 3,1 Milliarden Franken zu. «Ein Unternehmen muss Geld haben, um in die Produktions- und Verteilungsinfrastruktur zu investieren. Die Gewinnreserven sind unsere Substanz», sagt BKWMediensprecher Antonio Sommavilla. Und bei Axpo heisst es: Um die Versorgung mit Strom heute und in Zukunft sicherzustellen, brauche es entsprechende finanzielle Mittel wie Gewinnreserven. Für das 2 Milliarden teure Wasserkraftwerk Linthal hat Axpo kürzlich eine Anleihe aufgenommen.
Geld für neue Kernkraftwerke?
Das Projekt Linthal ist das eine, eine grössere Kiste ist der Bau von neuen Kernkraftwerken, welche die Axpo und die BKW gemeinsam anstreben. Ein solches kostet zwischen 6 und 10 Milliarden Franken. Kürzlich erklärte der Finanzchef von Konkurrent Alpiq, Kurt Baumgartner, dass die gleichzeitige Finanzierung von zwei neuen Kernkraftwerken in der Schweiz schwierig werden könnte. Mehrere Beobachter halten es für plausibel oder sogar wahrscheinlich, dass die Stromkonzerne vorsorgen und ihre Finanzkraft zu stärken beginnen, um ein solches Projekt realisieren zu können, sollte es vom Volk genehmigt werden. Je mehr eigenes Geld die Konzerne beisteuern können, desto tiefer wären die Kosten auf dem Kapitalmarkt. Die erhofften Preiserhöhungen würden da helfen. Kommen sie durch, flössen Axpo jährlich weitere 180 Millionen Franken zu.
Bei den Gerichten hängig sind zudem die Wünsche der Schweizer Stromkonzerne, mehr für die Nutzung des Stromnetzes verlangen zu dürfen. Auch diese Kosten würden auf die Konsumenten abgewälzt. Hier geht es um eine halbe Milliarde Franken.
«Zum heutigen Zeitpunkt ist die Finanzierung der neuen Kernkraftwerke nicht das dringlichste Thema», sagt Anahid Rickmann, Mediensprecherin bei Axpo. Es gebe noch keine konkreten Vorstellungen darüber, wie viel Geld Axpo selber aufbringen würde. Die BKW verneint einen Zusammenhang zwischen neuen Kernkraftwerken und den aktuellen Preiserhöhungen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 06.07.2010, 08:55 Uhr
Kommentar schreiben
28 Kommentare
da hat das Volk mal gegen die Privatisierung des Strommarktes abgestimmt ...und was ist daraus geworden... die Privatisierung des Strommarktes. Unsere Politiker und ihre Helfershelfer drehen und wenden alles wie es ihnen passt, auf Kosten der Bürger und Verbraucher. Antworten
Und wahrscheinlich wurde die Strominvrastruktur vom Bürger bereits bezahlt, sodass man eigentlich gar nichts verlangen dürfte oder etwa nicht? Und noch was Atomstrom ist KEINE saubere Energie, sie wird für 10'000 Jahre und mehr dreckig sein. Falls ich je genug Geld für ein eigenes Heim habe, wird dies von Staat und Stromkonzernen so unabhängig sein wie möglich egal ob ich drauflegen muss. Antworten
Wirtschaft
- 20:38Novartis-Präsident Vasella kritisiert die Einwanderungspolitik
- 16:29Swisscom-Chef: «Den Meisten sind Roaming-Gebühren egal»
- 13:17So günstig zum Eigenheim wie nie
- 26.05.2012Bund prüft Abschottung des Schweizer Kapitalmarkts
- 26.05.2012Das sind die demokratischsten Firmen der Schweiz
- 26.05.2012UBS verliert bis zu 30 Millionen Dollar bei Facebook-Börsengang
Online-Wettbewerb
Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!
Remund führend in Werbetechnik
Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!




