Notenbankchef will auf 500-Euro-Note verzichten

Um Kriminellen das Leben schwer zu machen, will der Rat der Europäischen Zentralbank offenbar die 500-Euro-Note abschaffen – ganz im Sinne vieler EU-Politiker.

Die 500-Euro-Note sei ein Instrument für illegale Aktivitäten: EZB-Präsident Mario Draghi in Brüssel. (15. Februar 2016)

Die 500-Euro-Note sei ein Instrument für illegale Aktivitäten: EZB-Präsident Mario Draghi in Brüssel. (15. Februar 2016) Bild: Stephanie Lecocq/Keystone

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Der EZB-Rat hat die Abschaffung der höchsten Euro-Banknote offenbar bereits schriftlich vereinbart. Allerdings versicherte Notenbankchef Mario Draghi heute vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europa-Parlaments in Brüssel, dass ein mögliches Ende der 500-Euro-Note nichts mit einer Begrenzung des Bargelds zu tun habe.

Draghi will im Falle einer Abschaffung der 500-Euro-Geldscheine vor allem Kriminellen die Finanzierung von Straftaten erschweren. «Die 500-Euro-Note wird immer mehr als ein Instrument für kriminelle Aktivitäten gesehen.» In diesem Zusammenhang seien die Erwägungen zu sehen.

Einem Notenbank-Insider zufolge hat der EZB-Rat bereits kürzlich mit Mehrheit eine Absichtserklärung zur Abschaffung des Scheins getroffen. Dies hatte zuvor schon das «Handelsblatt» berichtet.

Deutschland bei Einführung massgebend

Mittlerweile sprechen sich viele Politiker in der EU für die Abschaffung der 500-Euro-Note aus. In Deutschland etwa hatte sich Finanzminister Wolfgang Schäuble offen dafür gezeigt, die 500-Euro-Noten abzuschaffen. Deutschland gehörte bei der Einführung des Euro-Bargeldes zu den grössten Befürwortern des 500-Euro-Scheines. Der Grund: Die Note entspricht auf Euro-Ebene dem alten 1000-Mark-Schein.

Die 500-Euro-Banknote macht nur drei Prozent der Euro-Geldscheine aus, steht laut EZB aber für 28 Prozent des Nennwerts des Euro-Bargelds. Sie gehört weltweit zu den Banknoten mit dem höchsten Wert. In den USA reicht die Skala nur bis 100 Dollar. Die Schweiz hingegen hat 1000-Franken-Noten.

Kritische Haltung von Banken aus Deutschland und Österreich

Draghi zufolge würden Sparer nicht unter der Änderung leiden. Sie könnten etwa auf 200-Euro-Geldscheine ausweichen. Der EZB-Präsident hatte bereits kürzlich gesagt, es gebe technische Vorbereitungen für eine mögliche Abschaffung des 500-Euro-Scheins. Das Notenbank-Direktorium erwäge dies schon seit geraumer Zeit. Fraglich sei noch, wie man am besten eine Entscheidung umsetze und kommuniziere.

Laut «Handelsblatt» soll der Banknotenausschuss innerhalb von zwei bis drei Monaten klären, wie der Schein aus dem Verkehr gezogen werden soll. Danach treffe der Rat dann die endgültige Entscheidung. Die deutsche Bundesbank und auch Österreichs Nationalbank stehen der Abschaffung kritisch gegenüber. (nag/sda)

(Erstellt: 15.02.2016, 20:40 Uhr)

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