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Neue Kreditkarte macht Geldausgeben noch leichter

Von Mirjam Comtesse. Aktualisiert am 17.08.2011

Das Zahlen mit der Kreditkarte ist oft umständlich. Ein neues System sorgt nun dafür, dass die Konsumenten kleine Beträge kontaktlos überweisen können. Grösste Konkurrenz ist das Handy.

Die Karte muss das neue Lesegerät gar nicht berühren, und schon ist das Schoggistängeli bezahlt.

Die Karte muss das neue Lesegerät gar nicht berühren, und schon ist das Schoggistängeli bezahlt.
Bild: zvg

Kurz erklärt

Die drei grossen Kreditkartenmarken bieten alle kontaktlose Systeme an: Bei Visa heisst die Funktion Paywave, bei Mastercard PayPass und bei American Express Expresspay. Das Zahlen ohne Berührung – oder nur mit kurzem Touchieren – erfolgt über die neue NFC-Technologie. Auf sie setzt auch Google mit seinem Zahlungsdienst für das Mobiltelefon. NFC steht für «Near Field Communication», also «Nahbereichskommunikation». Denn sie funktioniert nur im Bereich von vier bis zehn Zentimetern Nähe. NFC
basiert auf der Radio Frequency Identification (RFID), die schon lange bekannt ist. Dabei schickt der Sender ein elektromagnetisches Signal. Der Empfänger erhält dadurch genügend Energie, um die Daten zurückzusenden, die in seinem Chip gespeichert sind. Auf die Karten- oder Handy-Welt übersetzt: Auf der Karte oder dem Handy-Chip ist ein Code gespeichert, der aktiviert wird, sobald der Chip in die Nähe eines Lesegeräts kommt. Hier sehen Kritiker das grosse Risiko für das kontaktlose Zahlen: Ein geschickt platziertes Lesegerät könnte ihrer Meinung nach die Daten klauen. Die Herausgeber verweisen aber auf diverse Stolpersteine – wie etwa dass
die Übertragung nur in unmittelbarer Nähe gelingt.mjc

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Bereits über 700'000 neuartige Kreditkarten sind in der Schweiz im Umlauf. Sie funktionieren ohne Berührung: Die Konsumenten halten einfach ihre Karte einige Zentimeter über das Lesegerät, und schon reagiert es. Die Technologie ähnelt der beim kontaktlosen Skipass am Skilift oder dem Badge am Arbeitsplatz. Doch viele wissen gar nicht, dass ihre Kreditkarte mit dieser Funktion ausgerüstet ist. Doch wenn «Paypass», «Paywave» oder «Expresspay» auf der Karte steht, ist sie bereit für den Einsatz. Allerdings sind die Nutzungsmöglichkeiten noch begrenzt: Erst die rund 1000 Valora-Verkaufsstellen von k-kiosk, Avec und den Press-&Books-Shops verfügen über die Lesegeräte der neusten Generation. Aufgerüstet hat nun auch McDonald’s. Seit Kurzem kann man in seinen knapp 150 Restaurants in der Schweiz kontaktlos zahlen.

Sicherheit gewährleistet

Noch sei die Nachfrage gering, weil das kontaktlose Zahlen zu wenig bekannt sei, räumt die Valora-Sprecherin Stefania Misteli ein. Doch sie ist überzeugt, dass die Funktion bald reger genutzt wird:?«Unsere Kunden sind oft auf dem Sprung, weil sie den nächsten Zug erwischen wollen. Wenn sie keine Münzen hervorkramen müssen, geht die Transaktion viel rascher.» Im Gegensatz zur Cash-Karte, die sich nie richtig durchsetzen konnte, brauche es auch keinen zusätzlichen Aufwand. Beim Cash-System müssen die Konsumenten erst Geld auf ihren Chip laden, bevor sie damit zahlen können. Bei der Kreditkarte fällt dies weg.

Die neue Zahlart bringe den Valora-Läden mehr Sicherheit, sagt Stefania Misteli:?«Wir haben weniger Bargeld in der Kasse.» Für die Konsumenten sei das kontaktlose Zahlen ebenfalls sicher, betont sie. Die Transaktion wird nur ausgelöst, wenn der Kunde seine Karte bis auf wenige Zentimeter an das Lesegerät hält. Es bucht den Betrag darauf ein einziges Mal ab – egal, wie oft ein Kunde mit der Karte herumwedelt. Ausserdem kann er nur Beträge bis maximal 40 Franken so bezahlen. Weil die Abwicklung über einen Chip erfolgt, ist auch das Skimming ausgeschlossen. Diesen Trick nutzen Kriminelle gerne, um an die Daten von Karteninhabern zu kommen. Sie lesen dabei mit einer Kopiervorrichtung im Lesegerät die Daten vom Magnetstreifen der Karte ab.

Postfinance wartet ab

Dass viele Konsumenten die Kontaktlosfunktionen nicht kennen, liegt auch daran, dass die?Banken ihre Kreditkarten teilweise aufrüsten, ohne dies gross zu kommunizieren – oder etwas dafür zu verlangen. Sie haben ein Interesse an der Verbreitung: «Viele Kunden wenden ihre Kreditkarte erst bei grösseren Beträgen an. Nun nutzen sie sie hoffentlich auch für kleinere Zahlungen», sagt Christine Gebhard von der Kreditkartenherausgeberin Viseca. Erhältlich sind die neuen Kreditkarten unter anderem bei der UBS, den Kantonalbanken und der Raiffeisenbank. Die Credit Suisse will Ende 2011 in das Geschäft einsteigen. Kein Interesse zeigt bislang die Postfinance:?«Das Kundenbedürfnis ist noch zu wenig gross», meint Mediensprecher Alex Josty. Die Schweizer Detailhändler Migros und Coop verfolgen interessiert, wie sich der Markt entwickelt. Bisher haben sie aber noch kein kontaktloses Zahlsystem eingeführt.

Bald vom Handy überholt?

Die grösste Konkurrenz für die Kontaktloskreditkarten ist das Mobile Payment, das Zahlen mit dem Handy. Bislang ist es für die Konsumentinnen und Konsumenten zwar noch umständlich, mit ihrem Mobiltelefon Geldbeträge zu überweisen. Doch das könnte sich in nicht allzu ferner Zukunft ändern:?Google hat?gerade «Google Wallet» lanciert. Der Dienst soll das Einkaufen per Handy populär machen. Er nutzt dazu die gleiche Technologie wie Mastercard. Gemunkelt wird zudem, dass Apple sein iPhone 5 mit einem Chip ausrüsten will, mit dem Handy-Zahlungen über das Kreditkartenkonto möglich werden. (Berner Zeitung)

Erstellt: 17.08.2011, 08:56 Uhr

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