Wirtschaft

My name is Bond, Greek Bond

Hohes Risiko gleich hohe Ertragschancen. Bei Fremdwährungsobligationen geht diese Rechnung aber meist nicht auf, wie das Beispiel der griechischen Bonds erneut bestätigt hat.

Wer in griechische Obligationen investiert, begibt sich auf gefährliches Terrain: Je höher die Rendite, desto grösser das Risiko,

Wer in griechische Obligationen investiert, begibt sich auf gefährliches Terrain: Je höher die Rendite, desto grösser das Risiko,
Bild: Keystone

Seit mehr als einem Jahr verharrt das Zinsniveau auf rekordtiefem Niveau. Zur grossen Freude aller (Hypothekar-)Schuldner und zum ebenso grossen Verdruss aller Anleger, die mit festverzinslichen Anlagen ein regelmässiges Einkommen erzielen möchten. Wenn auch die Qualität stimmen soll, rentieren inländische Obligationen, Fest- und Spargelder weiterhin wenig bis nichts. Zieht man noch die Steuern auf den Zinserträgen und die Teuerung ab, resultieren mit solchen Anlagen unter dem Strich oft sogar Verluste.

Über 6 Prozent Rendite

Wenig erstaunlich, sind da auch konservative Anleger versucht, die Performance ihres Depots mit Fremdwährungsanlagen aufzupeppen. Schliesslich winken jenseits der Grenzen oft doppelt oder sogar dreimal so hohe Zinsen (Tabelle). So rentieren zehnjährige Staatsanleihen in Griechenland aktuell mit über 6 Prozent. Das sind fast 3 Prozentpunkte mehr, als Anleger für deutsche Bundesanleihen erhalten, und über 4 Prozentpunkte mehr als bei Schweizer Bundesobligationen.

Doch wer sein Glück mit ausländischen Bonds versucht, macht die Rechnung ohne den Wirt, der in diesem Fall Fremdwährungsrisiko heisst. Wie die Geschichte zeigt, sind Währungsentwicklungen nämlich nur äusserst schwer abschätzbar. Abrupte Schwankungen der Währungen können die Attraktivität von Fremdwährungsanleihen massiv beeinträchtigen.

Die Finanzkrise hat vor Augen geführt, wie schnell auch unwahrscheinliche Szenarien Realität werden können. So sind die Renditeaufschläge für spanische, italienische und vor allem für griechische Anleihen gegenüber deutschen, französischen oder holländischen Bonds innert wenigen Wochen auf die Niveaus vor dem Beitritt dieser Länder zur Europäischen Währungsunion (EWU) zurückgekehrt. Dabei waren die Experten lange von einer stetigen Angleichung des Zinsniveaus innerhalb der Euroländer ausgegangen. Auch das unrühmliche Beispiel von Island steckt vielen Investoren noch tief in den Knochen. Und schon 2008 hatten die Einbussen des Euro gegenüber dem Franken um rund 10 Prozent oder des britischen Pfunds um sogar rund 30 Prozent vielen Schweizer Investoren arg zu schaffen gemacht. An Tipps, man solle nun auf die neuen «Hochzinsländer» Europas setzen, hatte es auch damals nicht gefehlt.

Risiko ohne Mehrertrag

Der unabhängige Anlageexperte Alex Hinder erklärt: «Währungsrisiken lohnen sich bei Festverzinslichen nicht.» Hoffnungen mit hochverzinslichen ausländischen Anleihen die Rendite eines Obligationen-Portefeuilles aufzupolieren, hätten sich immer wieder als Illusion erwiesen. Studien der Bank Pictet und der Zürcher Kantonalbank ZKB bestätigen dies: «Die Diversifikation in Fremdwährungsobligationen bringt für Frankenanleger währungsbereinigt nur höhere Schwankungsrisiken, aber keinen Mehrertrag. Ein Investor wird für das Tragen von Währungsrisiken nicht mit einer systematischen Risikoprämie entschädigt», erklären die ZKB-Anlageexperten Fabian Ackermann und Ueli Mettler. Nur allzu oft hätten sich vermeintliche Renditevorteile von ausländischen Obligationen in währungsbedingte Verlustquellen verwandelt.

Institutionelle Anleger sind sich dieser Risiken besser bewusst. Hauptmotiv für den Kauf von Fremdwährungsanleihen sei das limitierte Angebot auf dem Frankenkapitalmarkt, gibt Martin Wenk, Chef Asset Management der Versicherungsgruppe Bâloise, zu verstehen.

Fazit: Als Privatanleger sollte man grundsätzlich keine Fremdwährungsobligationen halten. Weder direkt noch in einem Fonds. Es sei denn, man sichere diese Risiken ebenso konsequent ab. Wer nach Rendite sucht, tut dies besser mit andern Anlageinstrumenten wie Aktien oder Immobilien. (Berner Zeitung)

Erstellt: 16.03.2010, 14:12 Uhr

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