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Investoren verabschieden sich vom Aktienmarkt

Von Nadja Siebenmann. Aktualisiert am 05.09.2011 18 Kommentare

Die Schuldenkrise schlägt auf die Aktienmärkte durch, da helfen auch allfällige Massnahmen der Notenbanken nicht weiter.

Da hilft nicht einmal wegschauen: August-Crash an den Börsen.

Da hilft nicht einmal wegschauen: August-Crash an den Börsen.
Bild: Keystone

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Schlechte Rendite: Schweizer Aktien im Vergleich zum Weltdurchschnitt. (Bild: TA-Grafik mrue / Quelle: Thomson Reuters Datastream)

Auf hohem Niveau: Volatilität von Schweizer Aktien. (Bild: TA-Grafik mrue / Quelle: Thomson Reuters Datastream)

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Die Aktienmärkte haben einen schwachen August hinter sich. Ausgelöst von Meldungen über eine sich abschwächende Konjunktur fiel der SPI 13 Prozent unter den Stand von Anfang Jahr. Der Weltaktienindex MSCI World liegt sechs Prozent darunter. Frankenanleger müssen allerdings noch Währungseinbussen dazurechnen.

Aber wie geht es weiter an den Aktienmärkten? Die Aussichten auf ein schwaches Wirtschaftswachstum und die ungelöste Schuldenkrise in Europa lassen Aktien derzeit nicht sonderlich attraktiv wirken. Können Konjunktur- und Liquiditätsspritzen für neuen Auftrieb sorgen?

Experten sehen schwarz

Der viel beachtete Ökonom Nouriel Roubini, der das Platzen der US-Immobilienblase früh vorausgesagt hatte, sieht schwarz für die Zukunft. Das Risiko einer globalen Rezession beziffert er mit mehr als 50 Prozent und rät von riskanten Anlagen ab. Die gewaltigen Ausschläge an den Aktienmärkten der letzten Wochen haben selbst hartgesottene Beobachter und Investoren beeindruckt. Viele haben das Handtuch geworfen und sich vom Aktienmarkt verabschiedet.

Weil sie den Sturm nicht kommen sahen, sind mittlerweile selbst Berufsoptimisten skeptisch. So gibt die Credit Suisse dem Zukunfts-Szenario «Sonnenschein», bei dem das Wachstum zurückkehrt, Kerneuropa die hoch verschuldeten Länder an der Peripherie auskauft und der amerikanische S&P-500-Index von aktuell rund 1200 auf 1600 Punkte steigt, eine kleine Chance von fünf Prozent. Selbst der Finanzexperte und eingefleischte Anhänger von Aktien, Ed Yardeni, ist ernüchtert: «Ich stimme denen zu, die angesichts der gefallenen Bewertungen grosses Potenzial für Aktien sehen. Aber ich bin besorgt über die Abschwächung des Geschäftsgangs in der verarbeitenden Industrie, der für den bisherigen Aufschwung in den USA verantwortlich war, und die anhaltende Baisse am Häusermarkt, welche die letzte Rezession ausgelöst hat.»

Keine Lösung der Schuldenkrise

Die Gefahr, dass umfangreiche Sparmassnahmen das Wirtschaftswachstum abwürgen, ist real. Sie besteht vor allem in Europa, wo seit über zwei Jahren eine Finanzkrise schwelt. Die Ökonomen des Beratungsunternehmens Oxford Economics bewerten die Tatsache, dass sich die Optik der Anleger nach Italien und Spanien verschoben hat, als «ein ernst zu nehmendes Risiko für eine zweite Finanzkrise. Je länger der Druck auf den europäischen Staatsanleihen anhält, desto grösser wird der Schaden für die Wirtschaft der Euro-Länder.» Die Gefahr, dass sich die Schuldenkrise ausdehnen könnte, sei heute schon deutlich grösser, warnen die Briten.

Vor diesem Hintergrund rechnen viele Experten damit, dass Notenbanken und Regierungen in Europa, Japan und den USA bald weitere Liquiditäts- und Konjunkturspritzen sprechen werden. Bloss: Werden die Aktienkurse dadurch nachhaltig steigen?

Die Saxo Bank zeichnet unter dem Titel «Quantitativ Easing – unendlich» ein Haupt-Szenario mit weiteren Aufkäufen von Staatsanleihen durch die US-Notenbank. Dennoch räumt sie dem S&P-500-Index bis Ende Jahr kein grosses Potenzial ein, allenfalls noch fünf Prozent, erwartet für 2012 aber einen raschen Rückgang der Kurse um 15 bis 20 Prozent. Auf diesen würden die Notenbanken mit «QE-Unendlich» reagieren. Dies wird sich im Urteil der Saxo Bank an den Börsen letztlich als Reinfall entpuppen, denn jede neue Unterstützungsrunde würde die Kurse bloss kurzfristig stimulieren; langfristig würde der S&P-500-Index bis zu 30 Prozent an Wert verlieren, weil das Quantitativ Easing die Schuldenproblematik nicht löst.

Alte Rezepte helfen nicht

Die Gefahr, dass die alten Rezepte der Notenbanken und Regierungen nur wenig wirken, sieht auch Stephen Roach, Chefökonom von Morgan Stanley. «Wir hatten schon im letzten Jahr einen Wachstumsschock, wir haben ihn dieses Jahr, und wir werden ihn auch in den nächsten Jahren haben», prognostizierte er kürzlich.

Aus diesem Grund präsentiert die Saxo Bank das radikalere Szenario einer zweiten Krise, dem sie mittlerweile eine Wahrscheinlichkeit von 30 Prozent einräumt und die in einem Schuldenschnitt (zum Beispiel von Griechenland) mündet. Dieses Szenario könnte schon Ende dieses Jahres eintreffen und würde die Märkte auf eine steile Talfahrt schicken – der S&P-500-Index könnte dabei von etwa 1200 bis auf 600 Punkte fallen, befürchtet die Saxo Bank.

Etwas optimistischer ist die Credit Suisse. Sie beziffert den fairen Wert des amerikanischen S&P-500-Index mit rund 1350 Punkten – falls die US-Notenbank ihr Programm zum Rückkauf von US-Staatsanleihen wieder aufnimmt. Diesen Wert könnte der Index Ende 2012 erreichen. Gemessen am aktuellen Stand entspräche dies einem Kurspotenzial von rund 15 Prozent. Für europäische Aktien erwartet die Bank wegen der Schuldenkrise und den Rezessionsängsten eine weniger starke Aufwertung.

Doch noch etwas Positives

Positiv gestimmt ist die Grossbank für die Schwellenländer, die aufgrund ihrer geringeren Verschuldung und ihrem hohen Anteil am weltweiten Bruttoinlandprodukt von 49 Prozent gar die Rolle des globalen Wachstumsmotors übernehmen könnten. Das Kurspotenzial für den globalen Schwellenland-Aktienindex MSCI wird auf rund 20 Prozent beziffert.

Die Saxobank ist da selektiver: Die steigende Inflation in den Schwellenländern werde die Notenbanken zwingen, die Zinsen weiter anzuheben. Attraktiv bewertet seien die Aktienmärkte Russlands, Südkoreas und der Türkei, während die Börsen Chinas, Indiens und Indonesiens überbewertet seien.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.09.2011, 06:47 Uhr

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18 Kommentare

Erich Schlumpf

05.09.2011, 08:07 Uhr
Melden 9 Empfehlung

Einen besseren Titel gibt es wohl nicht. Zeit zum Kaufen, Leute. Vorallem wenn "Experten" schwarz sehen ist der Zeitpunkt günstig. Die Schuldenkriese ist keine "Einnahmenkrise" sondern eine Ausgabenproblem. Der Verschwenderian der Staaten muss aufhöhren - dazu gehört vorallem die Rüstungsindustrie - dort würde ich sicher keine Aktien empfehlen. Antworten


Hans Zumstein

05.09.2011, 07:11 Uhr
Melden 4 Empfehlung

Was heisst schon "Investoren verabschieden sich vom Markt"? Sind es nicht eher die seriösen Anleger, die sich von der Zockerei verabschieden? Solange es einen Handel gibt, braucht es für einen Verkauf eine Gegenseite, die kauft . . . Antworten



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