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Immer Ärger mit dem Euro
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Die Sorgen um den Euro lassen nicht nach. Er hat in letzter Zeit gegenüber allen wichtigen Währungen an Wert verloren. Zugleich bricht die Debatte um einen möglichen Austritt aus der Währungsunion nicht ab.
Geschürt wird die hitzige Diskussion weiterhin hauptsächlich von den Ereignissen in Griechenland. Noch immer bestehen starke Zweifel an der Redlichkeit der offiziellen Statistik des Balkanstaates. Selbst das dramatische Budgetdefizit von geschätzten 12,7 Prozent für das vergangene Jahr könnte möglicherweise weit höher liegen, befürchten EU-Offizielle. Erlaubt wären laut der Währungsunion 3 Prozent. Anders als in anderen Ländern leiden die Staatsfinanzen Griechenlands nicht allein wegen der Krise. Das Land hat eine lange Geschichte von Finanzproblemen. Schon den Eintritt in die Eurozone hat Griechenland nur dank geschönter Zahlen geschafft.
Griechenland ist nicht das einzige Problem
Doch Griechenland ist nicht der einzige Grund für die Euroschwäche und die erneut aufflammende Kritik an der Gemeinschaftswährung. Die Krise hat die beteiligten Länder unterschiedlich scharf getroffen. Neben Griechenland bleiben die Aussichten auch in Spanien überaus düster. Eine Geldpolitik, die allen Ländern gerecht wird, ist damit unmöglich. Erhöht die Europäische Zentralbank, wie es Ökonomen erwarten, bereits im laufenden Jahr wieder die Leitzinsen, weil sie etwa in Deutschland oder in Frankreich die mittelfristige Preisstabilität gefährdet sieht, kann das schwächeren Ländern eine noch schärfere Rezession bescheren.
Die Europäische Zentralbank EZB und die Kommission der Union verwerfen weiterhin vehement die Möglichkeit eines Austritts aus der Union. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet sprach – bezogen auf Griechenland – sogar von einer «absurden Hypothese». Auch ein Papier der Zentralbank, das jüngst einen Austritt juristisch untersucht hat, kommt zum Schluss, dieser sei so gut wie unmöglich (siehe Artikel «Das Leben nach dem Euro»).
US-Ökonomen als Sündenböcke
In der Europäischen Kommission glaubt man, die Kritik am Euro gehe vor allem auf US-Ökonomen zurück, die einer Reihe von Missverständnissen aufsitzen würden. Sie hat dazu eine mehr als 50-seitige Studie verfasst, die zeigt, wie die Amerikaner schon ab 1989 immer wieder den Erfolg einer Gemeinschaftswährung in Zweifel gezogen haben. (Siehe Link) Dass auch dieses Papier gerade jetzt erscheint, kann als Hinweis auf eine steigende Nervosität bei den EU-Verantwortlichen gedeutet werden.
Tatsächlich zeigen sich US-Ökonomen von der Euro-Idee nach wie vor wenig angetan. Keiner hat hier mehr Gewicht als Paul Krugman, der für seine Forschungen im Bereich der internationalen Wirtschaftsbeziehungen 2008 den Nobelpreis erhielt. Die Kritik lautet zusammengefasst, dass der Euroraum nicht die Bedingungen erfülle, die für einen optimalen Währungsraum gegeben sein müssten. Es gibt keine übergreifende staatliche Stelle, die mit öffentlichen Investitionen Abhilfe in einem Krisenland schaffen kann. Nur wenige Arbeitslose eines solchen Landes wandern in eines mit besseren Konjunkturbedingungen. Wer über eine eigene Währung verfügt, kann immerhin die Zinsen senken und die Währung abwerten, um einer Krise zu begegnen. Letzteres führt zu einer stärkeren Exportnachfrage - in einer Währungsunion ist das unmöglich.
Warnende Worte von Standard & Poors
Solche Überlegungen macht man sich auch bei Standard & Poors. Moritz Kremer, ein führender Vertreter der Ratingagentur, hat sich in einem Kommentar im «Wall Street Journal» ebenfalls mit dem Thema eines Euro-Austritts auseinandergesetzt. Kremers Worte lesen sich wie eine Warnung vor einem solchen Schritt. Er anerkennt zwar den Reiz eines Euro-Austritts für krisengeplagte Länder: Die Abwertung einer unabhängigen Währung. Doch Kremer warnt vor schlimmen Konsequenzen.
Die Währung eines schwachen Landes wie Griechenland würde kaum über Vertrauen geniessen, weshalb sowohl Inländer, wie Ausländer sie sofort gegen eine andere tauschen wollten. Das würde laut Kremer zu einer schweren Wirtschaftskrise führen. Gemessen an einer solchen schwachen neuen Währung würden die Euroschulden dann erst recht explodieren. Die Entwertung des eigenen Geldes kann zudem zu Unruhen führen. Kremer verweist dabei auf die Erfahrungen Argentiniens, das zu Beginn des Jahrzehnts die strikte Bindung der Landeswährung Peso an den US-Dollar aufgelöst hat.
(Bernerzeitung.ch/Newsnetz)
Erstellt: 19.01.2010, 14:39 Uhr
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